Prinzip Wundertüte

Sören Gehlhaus

 · 19.11.2021

Prinzip WundertüteFoto: Christopher Scholey,Jordi Company

Admiral wasserte die 75 Meter lange „Kenshō“ in Marina di Carrara und überraschte gehörig – auch wegen gestalterischer Einflüsse von außen.

Was einen beim Stapellauf von Einzelbauten erwartet, ist nicht immer eindeutig abzusehen. Klar, manche Werften und Designer füttern Yachties mit Informations- und Visualisierungshappen wie Skizzen oder Renderings – aber bei der jüngsten Admiral-Wasserung tappten die meisten im Dunkeln. Gut so, letztlich macht dieses Überraschungsmoment doch einen großen Teil der Faszination Yachting aus.

  „Kenshō“: Den 75 Meter langen Stahl-Alu-Bau versah Admiral mit einem gletschergrünen Metalliclack.Foto: Giuliano Sargentini
„Kenshō“: Den 75 Meter langen Stahl-Alu-Bau versah Admiral mit einem gletschergrünen Metalliclack.

Was kam zum Vorschein: ein 75 Meter langer Stahl-Alu-Bau aus den Rechnern von Azure Yacht Design und dem Berliner Architekten Holger Schulze-Seeger (archineers.berlin). An „Kenshō“ fallen der negative Steven auf, das überbordende Hauptdeck, gläserne Schanzkleider, der gletschergrüne Metalliclack und das Unterdeck, das in einem offenen Heck mit Pool ausläuft. Die Deckenhöhe von 2,70 Metern wird offensiv in das Exterior getragen und von den großen Glasflächen betont. Im Kontrast dazu wirkt der Rumpf flach und wird vergleichsweise moderat von Fenstern durchzogen.

  Vogelperspektive: Auffällig ist der Pool auf der flachen Heckpartie des Unterdecks.Foto: Christopher Scholey,Jordi Company
Vogelperspektive: Auffällig ist der Pool auf der flachen Heckpartie des Unterdecks.

Dem Eigner war wichtig, dass er und seine Gäste unmittelbar in Kontakt mit der Natur geraten und permanent den Horizont erblicken. Er selbst drückt es so aus: „,Kenshō' vereint die besten Ideen des Wohn- und Yachtdesigns, um eine neue Qualität des Lebens auf dem Meer zu schaffen.“ Für die Ausgestaltung der 1980 Gross Tons großen Interiorflächen engagierte der Yachting-erfahrene Eigner das Pariser Studio Jouin Manku. Ihre Räume – die Eignersuite ist 13 (!) Meter breit – bestimmen organisch-runde Formen, die Materialbandbreite reicht von Teak über Marmor, Onyx, Seide, Wolle und Glas bis hin zu Bronze.

  Oberdeck-Salon:  Das Pariser Studio Jouin Manku setzt auf organisch-runde Formen und Materialvielfalt.Foto: Jouin Manku
Oberdeck-Salon: Das Pariser Studio Jouin Manku setzt auf organisch-runde Formen und Materialvielfalt.

„Kenshō“ vertraut auf ein dieselelektrisches Antriebssystem aus zwei azimutierenden Gondeln mit je 1425 Kilowatt leistenden E-Motoren, die sich aus fünf Diesel-Generatoren mit einer Gesamtleistung von 3530 Kilowatt speisen. Die Prognosen gehen – unter Berücksichtigung der eingefahrenen Stabilisatoren – von 15,4 Knoten Topspeed und einer 4350-Seemeilen-Reichweite bei zwölf Knoten Fahrt aus.

Nach Fertigstellung wird „Kenshō“ das derzeitige Flaggschiff von Admiral, „Planet Nine“, um 1,65 Meter übertrumpfen. Ab 2022 bietet Y.CO die ungewöhnlichen 75 Meter für Charter im Mittelmeer an. Dann werden sich 20 Crewmitglieder um maximal 16 Gäste kümmern.

  In Fahrt: Die Niederländer von Azure Yacht Design arbeiteten am Exterior mit und berechneten den Rumpf. Dieselektrisch soll es mit gut 15 Knoten voran gehen.Foto: Azure Yacht Design
In Fahrt: Die Niederländer von Azure Yacht Design arbeiteten am Exterior mit und berechneten den Rumpf. Dieselektrisch soll es mit gut 15 Knoten voran gehen.

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