Eis-Explorer von Feadship

Sören Gehlhaus

 · 30.10.2020

Eis-Explorer von Feadship

Das 54,90 Meter lange Projekt 708 verzichtet gänzlich auf bewegliche Seitenfinnen und setzt stattdessen auf einen kräftigen Kreiselstabilisator.

Der Stahl-Alu-Kasko entstand im südholländischen Papendrecht und wird nun von Feadship am Standort Aalsmeer ausgestattet. Die Vorgaben für den Innenausbau kommen von Danielle Boutsen. Die Frau des gleichnamigen belgischen Ex-Rennfahrers Thierry Boutsen betreibt ein Gestaltungsstudio in Monaco.

Der Eigner bringt laut Feadship immense Explorationserfahrung mit und plant sowohl die Nordwest- als auch die Nordostpassage zu befahren. Im Eis will er nicht das Risiko eingehen, eine bewegliche Seitenfinne zu beschädigen und lässt stattdessen die Rumpfbewegungen von einem GM600 von Gyro Marine ausgleichen. Dieses Gyroskop wiegt 21 Tonnen und stabilisiert das 55-Meter-Format mit einem maximalen Drehmoment von 1000 Kilonewtonmetern. Zum Vergleich: Die italienischen Ingenieure installierten auf „Utopia IV“ (63 Meter) „nur“ einen GM300. Am Eisklasserumpf lassen sich dennoch feste Elemente ausmachen, die kurzen Kimmkielen ähneln.

Zwei MTU-Diesel mit je 1080 Kilowatt Leistung sollen Projekt 708 auf bis zu 14,5 Knoten antreiben. Bei zwölf Knoten wird eine Reichweite von 5500 Seemeilen prognostiziert. Leistungswerte, die auf effiziente Rumpflinien zurückzuführen sind. Für die Konstruktion schloss sich Philippe Briand mit den De-Voogt-Architekten zusammen – ein Team, das bereits für die 58-Meter-Feadship „Najiba“ außergewöhnlich hohe Kraftstoffeffizienz erzielte. Aus den Rechnern von Briands Marke Vitruvius Yachts ist ebenfalls das Exterior hervorgegangen.

Auf der Liste der besonderen Ausrüstungsgegenstände stehen ein leistungsstarkes Sonarsystem und ein 6,3 Tonnen schweres U-Boot, das ein Sieben-Tonnen-Kran auf dem langen Achterdeck platziert. Ebenfalls an den Haken genommen wird der Limousinen-Tender und das Auto des Eigners.

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