Sonnys letzter Wurf

Sören Gehlhaus

 · 16.02.2022

Sonnys letzter Wurf

Diese 15 Karbon-Meter basieren auf Rumpflinien, mit denen Renato „Sonny“ Levi vor 50 Jahren italienische Magnaten in Speedrausch versetzte.

  „G-Fifty“: Name und Silhouette spielen auf Gianni Agnellis liebs­tes Speedboat „G. Cinquanta“ an.
„G-Fifty“: Name und Silhouette spielen auf Gianni Agnellis liebs­tes Speedboat „G. Cinquanta“ an.

Der Wert, besonders der gestiegene, eines Oldtimers ist nicht immer einfach zu bemessen. Sobald ein Boot jedoch in den Auktionskatalogen von Sotheby’s auftaucht, ist die Lage eindeutig. So geschehen mit „G. Cinquanta“, dem liebsten Speedboat von Gianni Agnelli. Der Fiat-Patriarch gab sie bei Renato „Sonny“ Levi in Auftrag. Die Eckdaten: 11,28 Meter, Holz-Komposit-Konstruktion, vier Achtzylinder mit knapp 1000 Kilowatt, 50 Knoten – 1968 ein Sensationswert. „G. Cinquanta“, was für „Gianni 50“ steht und auf den Topspeed anspielt, wurde vor den Toren Roms gebaut; die Rumpfform entlehnte Levi den Patrouillenbooten der italienischen Küstenwache.

  Souverän: Sonny Levi bei der Erprobung von Gianni Agnellis „G. Cinquanta“.
Souverän: Sonny Levi bei der Erprobung von Gianni Agnellis „G. Cinquanta“.

Den in Pakistan und England aufgewachsenen Konstrukteur mit italienischen Wurzeln beauftragten auch Power­boat-Enthusiasten wie Karim Aga Khan IV., Roberto Olivetti („Hidalgo“) oder Graf Corrado Agusta, für den „Barbarina“ entstand. Gianni Agnelli bezeichnete seine „G. Cinquanta“ als „das perfekte Boot“, nachdem er in einer Saison 2000 Seemeilen zurückgelegt hatte. Sie wechselte im August 2020 als Folge der Onlineauktion für 450 000 Euro den Besitzer. Dass der Versteigerungserfolg den unmittelbaren Anstoß für das „G-Fifty“-Projekt gab, ist unwahrscheinlich. Denn den 14,60 Meter langen und 3,60 breiten Rumpf zeichnete Sonny Levi bereits 2016, also in dem Jahr, in dem der ehemalige RAF-Kampfpilot verstarb.

Die Neuauflage betreut sein Sohn Martin Levi, zusammen mit PMP Design, einem vertrauten Gestaltungspartner von Levi. Pasquale Mario Passalacqua greift den positiven Deckssprung, flachen Freibord und das runde Cockpit von „G. Cinquanta“ auf, lässt aber das Frontcockpit weg und orien­tiert sich mit einem ähnlich schieren Vorschiff stärker an „Barbarina“. Statt vieler analoger Zeiger thront ein Screen vor dem Freizeitpiloten. Ihm sollen zwei Benziner von Mercury Racing mit zusammen 1640 Kilowatt Leistung genügen, um auf beinahe 80 Knoten zu beschleunigen. Was am Einsatz von Epoxidharzen und Karbonfasern sowie an den Plänen des Maes­tros liegt. Dazu sagt Martin Levi: „Unsere Philosophie war immer auf Laufruhe, trockene Decks und Effizienz ausgerichtet.“ PMP Design vermarktet „G-Fifty“, von der die erste frühestens dieses Jahr ablegt.

  Alte Gene, neue Komponenten: PMP Design verlieh einen modernen Twist, Martin Levi verschrieb neueste Bord- und Motorentechnik.
Alte Gene, neue Komponenten: PMP Design verlieh einen modernen Twist, Martin Levi verschrieb neueste Bord- und Motorentechnik.

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