Loftige Erscheinung

08.04.2020 BOOTE EXCLUSIV - Mit ihrem 27-Meter-Flaggschiff katapultiert sich die türkische Werft Sirena Marine in neue Yachting-Sphären. BOOTE EXCLUSIV ging mit den Designern Germán Frers und Cor D. Rover über die Decks des Halbgleiters.

Im Rausch: Der optional mit zwei einladenden Pools bestückte 27-Meter-Halbgleiter beschleunigt auf maximal 25 Knoten. 
© Jeff Brown
Im Rausch: Der optional mit zwei einladenden Pools bestückte 27-Meter-Halbgleiter beschleunigt auf maximal 25 Knoten. 

Kann bei mehr als vierhundert produzierten Rümpfen noch von "Newcomer" gesprochen werden? Nicht wirklich, schließlich fertigt Sirena Marine auf dem inzwischen über 150 000 Quadratmeter großen Werft­areal in der Nähe von Istanbul bereits seit 2008 im Auftrag von Azimut-Benetti. Dazu stießen vor wenigen Jahren die eigenen Segelyachten der Marken Azuree und Euphoria – inzwischen bis 84 Fuß Länge. Das Design und die konstruktiven Berechnungen des Flaggschiffes stammen vom ewig kreativen Grandseigneur Germán Frers, der ebenfalls die ersten beiden Modelle der Motor­yachtlinie zeichnete (Sirena 58 und 64). 

Mit ihrem Erfolg, den legendären Frers-Fertigkeiten und dem langjährigen Know-how der Serienwerft im Rücken wagte sich Sirena Marine mit der Sirena 88 in eine neue Yachting-Dimension vor. Auch Geschäftsführerin Ipek K?raç ist sich sicher: "Mit der 88 spielen wir jetzt in einer anderen Liga!" Recht hat sie, schließlich sind es nicht nur sechs Meter mehr in der Länge als bei der kleineren Schwester Sirena 64. "Die Sirena 88 ist eine kompakte Exploreryacht mit großem Volumen, konzipiert für komfortable und lange Reisen", beschreibt Germán Frers das Konzept knapp. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Um Gewicht einzusparen und eine bestmögliche Stabilität und Gewichtsverteilung zu realisieren, setzten die türkischen Yachtbauer auf einen unter Vakuum laminierten Glasfaserrumpf und darüber auf Kohlefaseraufbauten. Als Resultat dieser bewährten konstruktiven Lösung steht eine Verdrängung von 100 Tonnen im technischen Datenblatt. "Durch die effiziente Rumpfform verhält sich das neue Sirena-Flaggschiff über den gesamten Geschwindigkeitsbereich sehr gut, mit hervorragenden Verbrauchswerten", informiert der 78-jährige Argentinier.

Drückt der Kapitän die Kommandogeber maximal nach vorn, beschleunigen die zwei 1156 Kilowatt leistenden MAN-Zwölfzylinder den Dreidecker auf einen Topspeed von 25 Knoten. Bei einer Reisegeschwindigkeit von moderaten neun Knoten reichen die 11 000 Liter Diesel in den Tanks für 2100 Seemeilen. Während unserer morgendlichen Seeerprobung in der Bucht von Cannes erwies sich eine Fahrt von 16 Knoten ebenfalls als komfortable Reisegeschwindigkeit, bei hervorragender Stabilität. Davon schwärmte auch ein US-Kunde, der das Flaggschiff während der Fahrt intensiv begutachtete. Er bewegt seine aktuelle Yacht, eine Sire­na 64, häufig in rauer See zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico und lernte dort das ausgezeichnete Seegangsverhalten des Frers-Rumpfes zu schätzen. 

Der im Vergleich zu den beiden kleineren Schwestern um einen Meter breitere GFK-Rumpf (7,10 m) bietet mit einem Tiefgang von 1,84 Metern und dem daraus resultierenden Volumen reichlich Gestaltungsmöglichkeiten für das Interior. Bei der Sirena 88 legte innen nicht wie gewohnt Tommaso Spadolini Hand an, sondern Cor D. Rover. "Die Werft wünschte sich eine Inneneinrichtung, die sich global verkaufen lässt und den Geschmack verschiedener Märkte trifft, statt nur ausgesprochen italienisch oder amerikanisch zu wirken", erläutert der niederländische Designer die kreativen Vorgaben. Das Ergebnis überzeugt: Der Materialmix aus dunklem Eichenholz, Leder und Edelstahldetails wirkt zeitlos-modern. Zu den hochwertigen Möbeln aus eigener Produktion gesellen sich Markenprodukte von Dornbracht, Minotti, Hermès und Loro Piana. Sirena Marine bereitete drei Designlinien vor, doch die Werft geht selbstverständlich auch auf individuelle Eignerwünsche ein. 

Eine für diese Yachtgröße bemerkens­werte Freiheit lassen die türkischen Yachtbauer ihren Kunden auch beim Layout. Dank der modularen Bauweise kann laut Cor D. Rover jede Kabine flexibel an Kundenwünsche angepasst werden. Vom Kino und Karaokeraum über den Fitnessbereich bis hin zum Spa – nahezu für jeden Sonderwunsch wird eine Lösung präsentiert. Bereits die Standard­konfiguration mit fünf Kabinen für bis zu zehn Personen hält einige Überraschungen bereit. Dazu gehört mittschiffs vor den beiden Crewkabinen das über die gesamte Breite reichende VIP-Refugium inklusive XL-Badezimmer an Steuerbord. Nach vorn schließt sich eine Nische mit clever versteckter Wasch- und Kaffeemaschine an sowie zwei helle Gästedoppelkabinen mit Betten, die sich mit wenigen Handgriffen zusammenschieben lassen. Das Standardlayout sieht eine zweite VIP-Kabine im Bug vor, die wenige Stufen höher liegt. Wer sich alternativ für die Variante mit vier Kabinen entscheidet, findet an gleicher Stelle das Wellnessbad mit Hamam vor, das Teil des sich über zwei Decks erstreckenden Eignerterrains ist. 

Die Mastersuite besitzt für Cor D. Rover "New-York-Loft"-Charakter und soll in diesem Yachtsegment neue Dimensionen eröffnen. Selbst in der Fünf-Kabinen-Version der ersten Sirena 88 misst die vorn auf dem Hauptdeck untergebrachte Eignerkabine rund 30 Quadratmeter. Das luftige und angenehm offene Raumgefühl verstärken eine Deckenhöhe von 2,20 Metern ebenso wie die üppigen Glasflächen und der ausklappbare Balkon an Backbord. Besonders eindrucksvoll ist das über die gesamte Breite reichende und im Bug gelegene Bad. Ein großflächiges Oberlicht liefert natürliche Helligkeit, bei geöffneten Schiebetüren genießt der Eigner vom Bett aus den Blick in einen teilverglasten und mit Mosaikmustern verzierten Pool auf dem Vorschiff, der im Hafen dank des hohen Schanzkleides wirkungsvoll vor neugierigen Blicken und Wind geschützt liegt. Einen komfortablen Zugang vom Eignerbad aus in die attraktive Buglounge ermöglichen drei Stufen und eine gläserne Schiebetür. 

Der Salon auf dem Hauptdeck gilt auch auf der Sirena 88 als wichtigster Aufenthaltsraum für den Eigner und seine bis zu acht Gäste. Ganz vorn findet sich ein großer Speisetisch, achtern schließt sich ein gemütlicher Loungebereich mit zwei gegenüberliegenden Sofas an. Großformatige Fensterpaneele fluten den Raum mit Tageslicht und sorgen für eine tolle Aussicht. Die direkt davorliegende, mit Miele-Geräten bestückte Galley verfügt über einen Zugang vom und zum Außendeck für die Crew, die dadurch für Gäste unsichtbar operieren kann.

Wenn der Eigner und seine Entourage bevorzugt al fresco dinieren, lassen sie sich auf der gut zehn Meter langen Flybridge oder am Speisetisch des Achtercockpits nieder. Von hier führt eine Treppe auf die Fly, die auch über das vordere Seitendeck an Backbord oder über den Brückenzugang erreichbar ist. Unter dem Hardtop mit dem integrierten elektrischen Schiebedach brachte Sirena Marine neben einem Außensteuerstand und dem Essbereich für zehn Personen eine angrenzende Bar unter, von der aus die Stewardess die Gäste im stilvoll mit Holz verkleideten Jacuzzi mit Drinks versorgt. Eigner, die wenig Wert auf das hoch gelegene Sprudelbad legen, bleibt reichlich Platz für zusätzliche Sonnenliegen. Tender und Toys beanspruchen den prominenten Platz nicht für sich, sie warten stattdessen hinter der Heckklappe im Beachclub auf ihren Einsatz. 

Mit der neuen Sirena 88 präsentiert die Istanbuler Werft eine Sub-30-Meter-Yacht mit einem großen Angebot an Wohnraum, interessanten Layout­lösungen und Annehmlichkeiten, die sich bisher eher auf deutlich größeren Formaten fanden. Die Türkin überzeugt neben einem Preis von 5,9 Millionen Euro – wohlgemerkt voll ausgestattet – mit einem markanten Design, das sich von der Masse abhebt. Pluspunkte sammelt Sirena Marine auch mit der Bauzeit von nur knapp zehn Monaten. Für die Zukunft denkt das zur Kiraça Holding gehörende Unternehmen bereits über den Bau noch größerer Yachten nach.

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