Für Downsizer

08.04.2020 BOOTE EXCLUSIV - Mit der 48 Wallytender präsentiert die Marke das erste Projekt, seitdem sie zum Ferretti-Konzern gehört. Der knapp 40 Knoten schnelle Daycruiser befeuert einen Trend.

Unverkennbar Wally: kantige und saubere Linien mit schwarzer Scheibe. Mit 714 Kilowatt Antriebsleistung erreicht der 14,50 Meter lange Weekender knapp 40 Knoten. 
© Gilles Martin-Raget
Unverkennbar Wally: kantige und saubere Linien mit schwarzer Scheibe. Mit 714 Kilowatt Antriebsleistung erreicht der 14,50 Meter lange Weekender knapp 40 Knoten. 

Natürlich gibt es diese Eigner durchaus noch, die von einer 70- auf eine 80- und weiter auf eine 90-Fuß-Yacht umsteigen und vielleicht irgendwann auf ein veritables Mittelformat in der 50-Meter-Klasse wechseln. Davon lebt schließlich eine ganze Industrie, und nicht umsonst befinden sich weltweit über 700 Yachten mit einer Länge von über 24 Metern im Bau. 

Einen Gegentrend, wenn auch einen kleinen, gibt es in der Superyachtszene allerdings ebenfalls – das "Downsizing". Eigner, die schon einen Drei- oder Vierdecker mit zehn oder zwanzig Crewmitgliedern besessen haben, verkleinern sich so radikal, dass sie allein mit ihrer Begleitung oder Familie ablegen und den Tag in der nächsten Bucht verbringen können. Den Stress, mit einer Yacht ein kleines Unternehmen zu betreiben, legen sie ab. Und auch die Komplexität eines solchen Baus, der manchmal ja genau dann nicht funktioniert, wenn man ihn benutzen möchte. Der Serieneigner Peter de Savary, auch ein "Downsizer", kommentierte dies einmal wie folgt: "Wenn du eine große Yacht besitzt, hast du den konstanten Druck, sie regelmäßig zu nutzen. Und wenn dir der Kapitän genau dann, wenn du Zeit hast, sagt, dass es derzeit ein technisches Problem gibt, fragst du dich doch zu Recht: Warum habe ich dafür so viel Geld bezahlt?" 

Dass solche Umsteiger, die mindes­tens einen zwei-, eher aber noch einen dreistelligen Millionenbetrag auf dem Konto haben, kaum mit dem Boot eines Serienherstellers glücklich werden, dürfte klar sein. Und so tummeln sich in dieser Kategorie der luxuriösen Daycruiser einige Marken, die um die Gunst der Downsizer buhlen und um solche Eigner, die den Besitz einer Großyacht gleich umschiffen, weil sie nur ein wenig Mobilität vor ihrem Ferienhaus auf Mallorca benötigen.

Eines der aufregendsten aktuellen Modelle ist dabei die 48 Wallytender. Nachdem die Marke Wally in den Ferretti-Konzern integriert wurde, ist es zudem die erste Ablieferung dieser neuen Konstellation, von der Wally-Gründer Luca Bassani sagt: "Dieses Boot gilt als der wunderbare Beweis, dass die ganz besondere Design-DNA von Wally auch unter Ferretti-Regie weiterbesteht." Die Italiener mit Hauptsitz in Forlì haben in der Tat Großes mit ihrer Akquisition vor; manche Stimmen behaupten, Wally solle gar Ferrettis wichtigste Marke werden. 

Als Start dafür dient die 48 Wally­tender, von der man bereits einige Einheiten nach Europa und in die USA verkauft hat und die mit ihrer Linienführung unverkennbar eine Wally ist. Um das Boot indes etwas komfortabler zu gestalten, vergrößerten die Ferretti-­Ingenieure in Absprache mit Luca Bassani den Freibord im Vergleich zu bereits schwimmenden Wally-Powerbooten und schufen auf diese Weise Volumen für eine geräumige Doppelkabine samt Bett, Sitzecke und Duschkabine. Einmal irgendwo über Nacht zu bleiben ist also kein Problem. 

Gleichwohl spielt sich das Leben auf dem 14,50 Meter langen und 4,40 Meter breiten Daycruiser al fresco ab. Das Cockpit bietet dafür einen Speiseplatz für vier bis sechs Gäste, eine Galley-Zeile und ein voluminöses Sunpad mit Blick achteraus. Seitlich klappt bei Bedarf das Schanzkleid hinunter und vergrößert die Nutzfläche signifikant. Achteraus fungiert die Passerelle dabei gleichzeitig als Badetreppe, sodass einer schnellen Abkühlung vor Anker nichts im Wege steht. Breite Gangborde und recht hohe Bordwände sorgen für ein ausgezeichnetes Sicherheitsgefühl, das die 48 Wallytender auch zum äußerst geeigneten Familien-Weekender macht.

Vor Sonne schützen neben dem Hardtop übrigens optionale Biminis auf dem Vor- und Achterdeck, die von Kohlefaserstützen in Position gehalten werden. In Fahrt staut man die Poles in einer kleinen "Garage" unter der Sitzbank. In der Backskiste finden zudem auch ein Paar Wasserski, Seabobs oder ein aufblasbares SUP-Board ihren Platz. Antriebstechnisch setzt die 48 Wallytender auf zwei 650er-IPS-Einheiten von Volvo Penta, die zusammen 714 Kilowatt generieren und den 11,5 Tonnen schweren GFK-Gleiter auf einen Topspeed von 38 Knoten bringen. Mit dem Tankinhalt von 1400 Litern beträgt die Reichweite 305 Seemeilen bei einer Geschwindigkeit von 32 Knoten. Das sind Werte, die für den Einsatzzweck der 48 Wallytender, der ja überwiegend im Tagesausflugsbereich liegt, mehr als ausreichen.

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