Ein Kat für Syndikate

03.11.2013 Marcus Krall - Motor-Katamarane sind selten. Wenige Designer haben sich bisher daran versucht. Ähnlich rar sind Eignergemeinschaften. Die 34 Meter lange Quaranta der türkischen Werft Curvelle verbindet die beiden Konzepte. Der Mix aus Flexibilität und überraschenden Ideen stimmt.

Curvelle „Quaranta“
© Curvelle
Curvelle „Quaranta“

Als langjährige Beobachter der Yachtszene horchen wir stets auf, wenn Ungewöhnliches passiert. Wir treffen gelegentlich sogar auf ein Projekt, das uns nicht nur aufmerken lässt, sondern sogar alle Erwartungen erfüllt. Das geschieht nicht häufig, nötigt uns aber dann großen Res­pekt ab. Zu diesen Yachten gehört die Quaranta, die erste Entwicklung der türkischen Werft Curvelle. Mit ihrer Auslieferung erntete ihr Schöpfer Luuk van Zanten im Sommer die Früchte seiner fünf Jahre dauernden Anstrengungen.
Die Arbeit an der Quaranta erforderte die richtige Mischung aus Geduld und Leidenschaft. Van Zanten hatte die Arbeit mit dem Gedanken begonnen, "spürbare Neuerungen mit praktischer Nutzung und höchstmöglicher Flexibilität für die Gäs­te zu verbinden". Unser Eindruck: Es ist ihm gelungen. Das jedenfalls fanden wir heraus, als wir in die Türkei flogen, um uns von der Quaranta überzeugen zu lassen.
Wir waren die ersten Journalisten überhaupt, die über die Gangway an Bord stiegen, und schon die ersten Eindrücke zerstreuten all jene Bedenken, die wir bei der Ansicht des 3-D-Modells nicht verhindern konnten. Die Quraranta sah wesentlich gefälliger aus als vermutet.
Um die Wahrheit zu sagen, jeder Desig­ner hat beim Zeichnen eines Katamarans ein besonderes Problem mit den Proportionen und damit, ihn schiffig aussehen zu lassen. Das Problem wird noch größer, wenn er erfährt, dass es sich um einen Kat ohne Segel, also eine Motoryacht, handelt. Was eine plattnasige Schachtel hätte werden können, entpuppte sich als elegantes Objekt, das alle Besucher – außer unverbesserliche Kat-Gegner – überzeugen wird. Van Zanten ist sich jedenfalls sicher, dass der Markt für diesen Yachttypus darum noch nicht in Gang gekommen ist, weil bisher alle Versuche scheiterten, einen Motor-Katamaran gefällig aussehen zu lassen. Er war derart überzeugt vom Gelingen, dass er sich eine Firma für 3-D-Modelle suchte und sich mit fünfzig Prozent an ihr beteiligte, um den Designprozess besser kontrollieren zu können.
Wir steigen über eine Passerelle an Bord, die auch einem 50-Meter-Format statt einem 34 Meter langen Rumpf gut zu Gesicht stehen würde. Wie zu vermuten war, erzeugen die zwei Rümpfe und die Breite sofort den Eindruck der Stabilität einer viel größeren Yacht. Hier hinten erwartet die Gäste eine absenkbare Plattform, die zum Beachclub wird, und eine Tendergarage, die auch ein Klein-U-Boot aufnehmen könnte. Die Mechanik stemmt ebenfalls einen SUV.

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