Über Geschmack lässt sich nicht streiten Über Geschmack lässt sich nicht streiten Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

  • Martin Hager
 • Publiziert vor 3 Jahren

Mit knallrotem Rumpf gehörte Mondomarines schnittige „Ipanema“ in jedem Hafen zu den Highlights. An Bord jedoch überraschte unseren Autor dann das konträre Interior der Hot-Lab-Designer.

Erst vor wenigen Wochen ließ ihre Werft Mondomarine sie zu Wasser. Jetzt zieht das erste Exemplar der M50-Serie und zugleich die 64. Yacht der in Savona ansässigen, 1915 gegründeten Werft die Blicke in Monaco auf sich. Erwartungsvoll nähern wir uns "Ipanema", die – selbst fest vertäut – mit ihrer rasanten Linienführung und der leuchtend roten Lackierung so dynamisch wie in voller Fahrt wirkt. Passend zum Speed-Design fertigten die Italiener Rumpf und Aufbauten aus leichtem Marine-Aluminium.


So bleibt der Halbgleiter knapp unter der Grenze von 500 Gross Tons. Das spart ganz funktionell nicht nur Kraftstoff dank geringen Gewichts, sondern auch erweiterte Crew- und Ausrüstungsbedin­gungen, Patente, Funk- und andere Ausstattungsmerkmale. Und selbst wenn Geschwindigkeitsrekorde zugunsten der Effizienz ausbleiben, erreicht "Ipanema" dank zweier MTU-16-Zylinder der 2000er-Serie mit zusammen weit über 4000 Pferdestärken eine ansehnliche Reisegeschwindigkeit von 17 Knoten. Bei zwölf Knoten soll laut Werft eine transatlantische Reichweite von 3500 Meilen möglich sein.

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Mit knallrotem Rumpf gehört Mondomarines schnittige
"Ipanema" in jedem Hafen zu den Highlights. An Bord jedoch überraschte unseren Autor dann das konträre Interior der Hot-Lab-Designer.


Der bereits ausverkaufte und unter Sammlern für mehrere Millionen Euro gehandelte Supersportwagen LaFerrari kommt zwar auf Asphalt nicht annähernd so weit, besitzt jedoch andere Qualitäten. In weniger als drei Sekunden beschleunigt der Flügeltürer aus Maranello auf Tempo 100, und mit seiner Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h gebührt ihm ein Ehrenplatz im exklusiven Club der schnellsten Straßensportler.


Auch wenn technische Daten von Auto und Yacht natürlich nicht vergleichbar sind, spielte das aktuelle Ferrari-Topmodell bei der Gestaltung des Exteriors von "Ipanema" eine essenzielle Rolle: "Ein aggressives Exterior mit perfekten Proportionen und exakt dieser Lackton sollte es sein", beschreibt Antonio Romano, einer der drei Gründer und Partner des noch jungen, erst 2004 gegründeten Designstudios Hot Lab aus Mailand, den Farbwunsch des Mittelost-Eigners mit seiner Leidenschaft für Ferraris.


Farblich an das Mutterschiff angepasst, präsentiert sich ebenfalls der 6,80 Meter lange Gäste-Tender in der Lazarette unter der nach oben öffnenden Heckklappe. Zwar bleibt dadurch im neun Meter breiten Rumpf mit 2,30 Meter Tiefgang kein Platz mehr für einen Beach­club, die Badeplattform dürfte Wassersportlern jedoch ausreichend gefallen. Es verwundert kaum, dass der Speed-begeisterte Eigner diverse Toys an Bord mitführt. Eine wichtige Rolle spielen dabei drei Waterbikes, denen bei Nichtgebrauch ein prominenter Platz achtern auf dem Oberdeck gebührt. Das Sundeck bleibt exklusiv Gastgeber und Gästen vorbehalten. Neben einer Liegefläche bietet es einen beeindruckenden Jacuzzi mit Blick voraus, eine zentrale Bar und einen Al-fresco-Speiseplatz unter dem schützenden Hardtop.

Wie heutzutage auf vielen Yachten dieses Formats offeriert auch "Ipanema" weitere Sitz- und Liegemöglichkeiten in Form zweier Sofas ein Deck tiefer vor der Brücke. Dort betreten wir das klimatisierte Innere der Yacht,wo digitale
State-of-the-art-Technik ein traditionelles Steuerrad umrahmt. Die Kapitänskabine dimensionierten die Hot-Lab-Designer adäquat und platzierten sie direkt hinter dem Steuerstand. Die anderen Crewmitglieder schlafen in fünf Kabinen wie üblich auf dem Unterdeck im Bug.


Eine ungewöhnliche Lösung jedoch wählte Hot Lab für das weitere Layout auf dem Oberdeck: Mittschiffs befinden sich, durch einen zentralen Korridor getrennt, zwei Staff-Cabins mit jeweils einem Einzelbett und einem gemeinsamen Bad, geeignet für unternehmerische Mitarbeiter des Eigners oder Lotsen. Über deren Nutzung wurde laut Werft noch nicht entschieden. Das weitere Interior gestalteten die Designer konträr zum modernen Exterior sehr opulent mit einem Mix klassischer italienischer, französischer und englischer Stile. "Der Eigner wusste genau, was er wollte", erklärt Antonio Romano die ausgefallene Üppigkeit. "Es war eine Herausforderung für uns. Im Zuge des Designprozesses mussten wir immer wieder Bücher wälzen, um die historischen Elemente der vom Eigner gewünschten Stile, Farben und Formen zu studieren." Zweifelsohne bleibt diese Inneneinrichtung eine Frage des persönlichen Geschmacks, und der zeigt im Fall von "Ipanema" Mut zur Dramatik.


Die Qualität der verwendeten Materialien und deren Verarbeitung wirkt unabhängig vom exzessiven Gestaltungsfuror über jede Kritik erhaben. Allein acht Sorten Marmor wurden verwendet. Dazu gesellten sich Onyx und Mahagoni für die Möbel, Decken- und Wandpaneele. Die Wände dürfen dann auch zusätzlich mit Kaskaden feiner Stoffe der Traditions­unternehmen Rubelli und Sanderson aus genau 33 unterschiedlichen Geweben bespannt sein. Dagegen langweilen stilisierte Fackeln schon fast als sich wiederholendes Element. Die riesigen Curved-TVs in der gemütlichen Skylounge und im großen Salon auf dem Hauptdeck mit dem Esstisch für zehn bis zwölf Gäste wollen auf den ersten Blick nicht recht zum geballten Stilwillen des Mobiliars passen, gehören jedoch allein durch ihre Formate zum universellen Glamour des Interiors. Auch hier gilt: Wer klein denkt, ist arm dran.
Die Gestalter von Hot Lab sorgten neben dem rasanten Styling der "Ipanema"-Außenansicht nicht nur für den geradezu märchenhaft-sympathischen Schwulst der Räume, sondern bei der Planung auch für deren Layout, ihre Größen und Positionen. Der Eignersuite vorn auf dem Hauptdeck gönnten Romano, seine Partner und Mitarbeiter wie üblich die komplette Breite des Widebodys.


Dieses selbstverständlich ebenfalls auf Pracht getrimmte Refugium betreten wir durch ein kleines Büro. Die großen Fenster sorgen für reichliches Tageslicht. Das großzügige Bad mit XXL-Dusche und zentraler Wanne flankiert ein begehbarer Kleiderschrank. Auf dem Unterdeck nehmen zwischen Motoren und Crew die vier Gäste­kabinen ihren angestammten Platz ein. Ausnahmslos sind sie mit Einzelkojen ausgestattet. Zwei dieser Unterkünfte ließ der Eigner zusätzlich mit Pullman-Betten ergänzen. Auch hier setzte Hot Lab den Stil des Eigners um und verlieh jeder Kabine ein eigenes Farbschema: Gelb, Rosa, Grün oder Blau. "Ipanema" beschert also überall starke Kontraste und Überraschungen. Binnen 22 Monaten schuf Mondomarine mit ihr ein sehr farbenprächtiges Gesamtkunstwerk, das vielleicht nicht jeden Gast begeistert, ganz bestimmt jedoch seinen Eigner zu einhundert Prozent vergnügt: der Sinn der Verschwendung. Und wie stets gilt auch auf "Ipanema" die Maxime der Branche: Ist der Eigner zufrieden, dürfen alle zufrieden sein.

Autoren: Christian Sauer, Friedrich W. Pohl

Schlagwörter: Hot lab Mondomarine


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