Hochsee-Dinghy: "Esense" Hochsee-Dinghy: "Esense" Hochsee-Dinghy: "Esense"

Hochsee-Dinghy: "Esense"

  • Martin Hager
 • Publiziert vor 8 Jahren

Wally toppt den Minimalismus. Und stellt herkömmliche Seeyachten damit einmal mehr infrage. Der 143er-„Esense” verordneten ihre Väter den Auftritt einer aufgeblasenen Jolle und konzipierten sie für Atlantik-Reisen. Wir segelten ihre 44 Meter über alles vor Ancona.

Esense

Diese Yacht raubt dir den Atem. Wie eine schräg aus dem Wasser tauchende Rakete liegt sie da, graublau schimmernd, geheimnisvoll, den typischen Wally-Bug vorgestreckt. Das Deck ist weit, ein Mittelcockpit wie eine Sandmulde eingegraben. Den Mastfuß umranken riesige Winschen. An Back- und Steuerbord, auf das Ende des mit ausgesucht langen Teakstäben belegten Decks, stellten die Designer zwei einsame Steuerstände, dazwischen ebenso verloren ein Fahrpult, das an ein Keyboard auf staksigen Beinen erinnert. Ansonsten: Leere. Wally-Leere. Natürlich fehlt das abgestufte Terrassendeck nicht, das längst zum Wally-Standard gehört, ebenso wie die über die Terrasse auf das Kielwasser schauenden dunklen Rauchglas-Fenster. Erfunden damals für „Tiketitan”. Nur auf den ersten Blick neu, weil von alten Schonern abgeguckt, scheint das extrem breite Schanzkleid. Es umgibt das gesamte Deck, macht es zum gigantischen Cockpit. Es vergrößert den Freibord um nahezu 90 Zentimeter und tut wohl auch der Formstabilität des Rumpfes gut. Das Heck lässt es offen.

Beim Ablegen zeigt die Crew, warum das Deck so auffällig leer ist, leer sein kann. Equipment zum Festmachen, Segelholen, Trimmen und alles, was sonst für den lustvollen Segelbetrieb nötig ist, verschwindet hinter Klappen im Schanzkleid. Das schließlich ist 60 Zentimeter tief. Hier montierte die Werft die Poller, die Ansaugstutzen für das Klimasystem und die Motorraumlüfter und die Backskisten. Und hier installierte sie Magic Trimm, hydraulische Rammen zum Holen der Schoten und Einstellen des Riggs.

„Esense“ in Action: 900 Quadratmeter Segeltuch bringen sie auch bei wenig Wind auf 15 Knoten.

Die See liegt wie Blei, wir motoren in offeneres Wasser. Und wir vertreten uns die Beine: Kein Problem, auch Jogging-Runden zu drehen, denn das Deck zeigt gigantische Ausmaße. Den Motor spüren wir nicht. Leise und vibrationsfrei versieht er seinen Dienst im gut isolierten Motorraum. Sein Abgas entlässt er unter Wasser.

Ausreichend Muße, uns umzusehen: In Höhe der Steuerräder entdecken wir hinter Klappen die Hydraulik. „Segeltrimmen mithilfe von Winschen”, sagt Wally-Erfinder Luca Bassani, „ist rückständig und langsam.” Der italienische Hersteller Cariboni liefert uns stattdessen seine flexiblen Taljen Magic Trim, deren gegenüberliegende Rollen ein hydraulischer Stempel auseinander drückt und die holende Part auf diese Weise extrem schnell verkürzt. „,Esense’ holt und fiert ihre Schoten innerhalb von Sekunden”, sagt Bassani, „sensibel kontrolliert über Proportional-Joysticks: leichtes Antippen für langsames Trimmen, beherztes Durchdrücken für schnelles Holen und Fieren. Alles von den Steuerständen aus.”

Schlagwörter: Segelyacht Wally


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