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Comeback der 60er

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Mit der F33 entert Fairline den derzeit populären Weekender-Markt. Alberto Mancini verpasste den zehn Metern einen automobilen Look.

Mike Jones Schnell unterwegs: Mit der Maximal-Motorisierung erreicht die Fairline F33 einen Topspeed von 48 Knoten. Den Rumpf berechnete J&J, das Exteriorstyling stammt von Alberto Mancini.

Eigentlich kannte die Yachtbranche bislang immer nur eine Richtung: Es ging nach oben. Die Eigner benötigten – angeblich – immer größere Yachten, und so wuchsen die Portfolios der großen Semi-Custom-Anbieter: Aus der 72er wurde im kommenden Jahr eine 76er, aus der 112er eine 118er. Princess gründete die M-Class-Sparte, um Formate über 30 Meter zu bauen, Sanlorenzo ist schon bei über 60 Metern angelangt, und Sunseeker muss für seine größten Yachten mit Icon aus den Niederlanden zusammenarbeiten. Den Gegentrend des Downsizings verschliefen manche dieser großen Marken ein wenig; Interessenten von Weekendern kauften etwa bei Wajer, Vanquish, Frauscher oder Wally.

Mit dem Erfolg dieser Hersteller änderte sich die Politik, insbesondere auf der britischen Insel, einer der produktivsten Regionen im internationalen Yachtbau. Princess präsentierte vor zwei Jahren die R35 (Heft 2/19), Sunseeker dann die Hawk 38 (5/19). Beide sind allerdings sehr speziell und radikal unter­schiedlich: Die R35 besitzt ein Foilsystem, die Hawk 38 ist mit ihrem Buzzi-Design und 62 Knoten Topspeed eher ein Rennboot. Trotzdem demonstrierte man, dass man ein Längensegment besetzt, dessen Kundenkreis (theoretisch) wesentlich größer ist als bei 100-Fuß-Yachten. Nun erreichte den Markt ein drittes Dayboat aus England, und zwar von der dritten britischen Großwerft mit dreistelligen Ablieferungszahlen im Motoryachtbau. Fairline, vor einigen Jahren wiederauferstandene Traditionsmarke aus Oundle, kam mit der F33.

Sie ist wesentlich konservativer konzipiert als die kleinen Modelle der Konkurrenz, passt damit aber durchaus zum Image der Marke. Anders als viele Mitbewerber stieg Fairline nicht in das Rennen um immer größere Formate ein und begrenzte das Portfolio. Für die F33 engagierten die Briten dabei als Gestalter den derzeit gut gebuchten Designer Alberto Mancini aus Triest. Der Italiener entwickelte schon die erfolgreiche und preisgekrönte Fairline 63 GTO und setzte für die F33 nun erneut seine Automotive-Erfahrung ein. "Die ,F33‘", so Mancini, "ist eine Reminiszenz an das Automobil­design der 1960er-Jahre. Die Proportio­nen sind – meiner Meinung nach – perfekt; und auch die Tatsache, dass man auf der F33 übernachten kann, macht sie zu einem vielseitig einsetzbaren Boot." Wer das F-33-Profil betrachtet, kann Mancini nur zustimmen. Die 1960er waren ein Jahrzehnt der Befreiung. Und das Styling der Wagen aus jener Zeit reflektiert diese Veränderungen. Man denke nur an die fließenden Linien und Kurven des Ferrari 250 SWB und des Jaguar E-Type, an die Aston Martins, Maseratis und Lamborghinis jener Zeit.

Fairline F33

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Fairline F33

Besonders charakteristisch ist auf der in fünf Farben erhältlichen F33 der Einsatz von Glas. Die umlaufende Cockpitscheibe hat eindeutig Automobilbezug, das in den Rumpf integrierte Fenster verleiht dem Zehnmetercruiser Sportlichkeit und versorgt das Interior mit Tageslicht. Unter Deck besitzt die F33 ein Doppelbett, ein Bad mit Dusche sowie eine kleine Lounge. Zwei Schränke nehmen zudem Wechselgarderobe auf, sodass auch Touren mit Übernachtung oder alter­nierendem Programm aus Badespaß und exklusivem Dinner möglich sind. Al fresco besitzt der Steuerstand zwei komfortable Sitze; ein Sideboard trennt ihn vom Speiseplatz im Heck, der mit einem optionalen verstellbaren Cockpittisch zum Sunpad umgewandelt werden kann. Zwei weitere Liegemöglichkeiten befinden sich im Bugbereich, sodass die vollgetankt sieben Tonnen verdrängende F33 auch mit sechs Passagieren ideal ausgestattet ist.

Und was kostet der Spaß nun? Je nach Motorenkonfiguration ruft Fairline etwas unterschiedliche Preise auf. Mit zwei Volvo-Benzinern vom Typ V6-240/DPS und 360 Kilowatt Leistung müssen 312 000 Euro veranschlagt werden, für die V8-Konfiguration mit insgesamt 640 Kilowatt oder die Dieselvariante mit 330 Kilo­watt jeweils 325 000 Euro und für eine F33 mit V8-Maschinen von Mercruiser (640 Kilowatt) 338 000 Euro. Mit den großen Motoren erreicht der Daycruiser einen Topspeed von 48 Knoten, mit den kleineren Maschinen 32 Knoten.

Während die Ausstattung der F33 umfangreich ist, hält die Optionen-Liste trotzdem zahlreiche Extras bereit. Einsteiger wählen vielleicht ein Bugstrahlruder und die Joystick-Steuerung; dafür sind rund 6000 Euro zusätzlich fällig. Sinnvoll erscheint uns zudem der höhen­verstellbare Cockpittisch für 5800 Euro und der Outdoor-Weinkühlschrank für 2620 Euro. Genuss muss sein! Übrigens: Fairline bietet die F33 aktuell auch mit Außenborderantrieb und 450 bis 600 Kilo­watt Leistung an. Die zusätzliche Badeplattform, die das kräftige Motorenpaket umrahmt, senkt sich sowohl ins Wasser ab, kann beim Anlegen jedoch auch nach oben gefahren werden, um Eigner und Gästen das Aussteigen zu erleichtern. Sinnvolle Innovation im Yachting – so sieht sie aus!

Themen: Alberto ManciniFairlineJ&JVolvo Penta


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