Erbe fortgeführtBesuch bei Bannenberg & Rowell

Sören Gehlhaus

 · 17.08.2022

Erbe fortgeführt: Besuch bei Bannenberg & RowellFoto: Tom Jamieson

Den wichtigsten Vertreter der Yachtdesign-Gilde zum Vater gehabt zu haben, hielt Dickie Bannenberg nicht davon ab, im gleichen Fach zu reüssieren und Bannenberg & Rowell zu gründen. Ein Studiobesuch über Umwege.

Nachdem es mir 1987 gelungen war, einen Fuß in die Burnsall Street 6 zu setzen, um Jon Bannenberg im Rahmen meiner Abschlussarbeit am Royal College of Art zu interviewen, erwartete ich, dass es relativ einfach werden würde, in die Studios von Bannenberg & Rowell in der Wandsworth Bridge Road zu gelangen. Dickie Bannenberg umschrieb sie augenzwinkernd als „superglamourös und chic“. Da „etwas dazwischengekommen“ war, wurde mein erstes Rendezvous mit „Son of God“ in den virtuellen Raum verlegt. „Gott“, sein Vater Jon Bannenberg, hat über 200 Superyachten und damit der Berufsbezeichnung „Yachtdesigner“ Leben eingehaucht.

Dickie musste seine eigene Strahlkraft entwickeln, um aus dem langen Schatten seines Vaters hervortreten zu können. Gemeinsam mit Simon Rowell ist ihm dies gelungen, beide haben eine eigene Marke aufgebaut, die – soweit das in diesem Fach überhaupt möglich ist – angenehm bodenständig erscheint. Die Studiogründer haben einen gesunden Blick auf die Branche und einen trockenen Humor, der ein über drei Jahre dauerndes Design- und Bauprojekt zum Vergnügen macht. Dickie lernte seine Frau Susan – „Meine Pressesprecherin!“ – beim Rudern während seiner Studienzeit in Cambridge kennen. Ich wurde ihm in den 1990er-Jahren auf einer Buchvorstellung im Royal Ocean Racing Club vorgestellt, zu der er seinen Vater begleitete. Dickie erzählte mir von seinen zwei kleinen Kindern und dass er in einem Reihenhaus in der King’s Road wohne. Er schaute mich verwirrt an, als ich geradeheraus zu ihm sagte: „Du scheinst ganz normal zu sein, ich hatte einen drogensüchtigen Playboy erwartet, der seinem berühmten Vater gerecht zu werden versucht!“

Luftige Silhouette: Das 92-Meter-Konzept „Muse“ setzte B & R 2016 für Nobiskrug auf. Obwohl dafür kein Auftraggeber gewonnen werden konnte, fanden sich der geschwungene Heckbügel, die schlanke Aufbautenstruktur und der filigrane Mast vier Jahre später in „Avantage“ wieder.Foto: Werft
Luftige Silhouette: Das 92-Meter-Konzept „Muse“ setzte B & R 2016 für Nobiskrug auf. Obwohl dafür kein Auftraggeber gewonnen werden konnte, fanden sich der geschwungene Heckbügel, die schlanke Aufbautenstruktur und der filigrane Mast vier Jahre später in „Avantage“ wieder.

Klientelanalyse und der ganz eigene B-&-R-Stil

Bei Bannenberg & Rowell befinden sich in der Regel ein halbes Dutzend Projekte – Interior und Exterior – simultan in Arbeit, wobei etwa 30 B-&-R-Yachten bereits schwimmen. Und obwohl Broker gemeinhin als primäre Auftragsquelle für Designer gelten, sind die jüngsten drei Projekte alle ohne Maklerbeteiligung zustande gekommen: eines on spec für Heesen, die anderen beiden brachten Mundpropaganda und der gute Ruf. Dickie weist darauf hin, dass man vorsichtig sein müsse, einem Designstudio einen bestimmten Stil zuzuschreiben, nur um kurz darauf klarzustellen: „Wir haben einen! Es wird natürlich niemand zu uns kommen, um ein traditionelles Mahagoni-Interior zu erfragen, obwohl wir das gern umsetzen würden. Eine progressive Außen- und Innengestaltung, wenn auch mit einem besonders bei den Interiors erkennbaren roten Faden, führt eine bestimmte Sorte von Ästheten zu uns.“

Bannenberg erläutert, wie die Superyachtklientel sich über die Jahre verändert hat: von griechischen Reedern über Eigner aus dem Mittleren Osten oder Amerika bis hin zu jenen aus Osteuropa oder dem Fernen Osten. „Das Spektrum meines Vaters reichte bis zum frühen amerikanischen Tech-Zeitalter, das Larry Ellison mit ,Rising Sun‘ perfekt verkörperte. Er hat die große osteuropäische und russische Welle nicht mehr miterlebt. Viele mögen der Meinung sein, dass sie abgeflaut sei, aber sie ist noch nicht ganz zu Ende“, erklärt Dickie Bannenberg. „Es gibt keine wirklich saubere Einteilung der Nationalitäten. Wir hatten und haben immer noch viele Kunden aus Hongkong, im Gegensatz zum chinesischen Festland. Obwohl ,Blue Sky‘ an einen Eigner aus Festlandchina ging, die letzte der Feadship Vantages. Bei der Übergabe in Hainan gab es tanzende Löwen, das ganze Programm.“

Eigner laufender Projekte kommen aus allen Teilen der Welt: „Wir könnten das Büro rund um die Uhr öffnen und Amerika, Europa und Asien abdecken. Ganz so ist es nicht, aber wir sind, ohne zu übertreiben, 24/7 erreichbar. Du musst schnell sein, sofort zurückrufen und Fragen beantworten.“ Bannenberg & Rowell arbeiteten erst mit einem deutschen Eigner zusammen, der die on spec begonnene „Metis“ neun Monate vor Fertigstellung von Benetti erwarb. „Deutsche Milliardäre sind immer noch ziemlich konservativ und nicht darauf aus, anzugeben. Es gibt zwar viele Reiche in Deutschland, aber die verhalten sich sehr diskret.“ Und was gibt es über die neue 55-Meter-Yacht von Lürssen zu berichten? „Ich kann weder die Nationalität noch irgendwelche Details verraten, außer dass es sich um Projekt 13800 handelt.“

“Metis“: Die 63 Meter lange Benetti entstand auf Spekulationsbasis nach Cassetta-Plänen, ehe ein deutscher Eigner zur Halbzeit einstieg. Er übernahm das Bannenberg-&-Rowell-Interior, inklusive der asymmetrischen Raumaufteilungen, die sich bis in den Beachclub ziehen.Foto: Jeff Brown
“Metis“: Die 63 Meter lange Benetti entstand auf Spekulationsbasis nach Cassetta-Plänen, ehe ein deutscher Eigner zur Halbzeit einstieg. Er übernahm das Bannenberg-&-Rowell-Interior, inklusive der asymmetrischen Raumaufteilungen, die sich bis in den Beachclub ziehen.

Über stimmige Chemie und Schönheitswettbewerbe

Werden durch den Erfolg automatisch weitere Aufträge an Land gezogen? „Natürlich hilft das. Es ist ein bisschen so wie schwarze Magie. Wir können versuchen, wir selbst zu sein und unsere Egos beiseitezuschieben, aber wenn die Chemie einfach nicht stimmt oder ,absolut unkontrollierbare Dinge‘ ins Gewicht fallen, ist es eben so. Manchmal basieren Entscheidungen zu unseren Gunsten oder Ungunsten auf von uns erstellten Moodboards, bei denen es sich um so kleine Dinge handelt wie die Farbwahl oder ein paar vorgeschlagene Stühle. Ganz unten auf der Liste steht, wie sehr das eigentliche Design gefällt – wobei das doch ganz oben stehen sollte!“ Auf den Einwurf, dass es mit Mark Hilpern seinerzeit einen Broker gab, der dafür bekannt war, in Nachtclubs Geschäfte abzuschließen und in Saint-Tropez mit den Reichen zu plaudern, entgegnet Dickie: „Glauben Sie mir, wir denken manchmal über all diese Dinge nach und fragen uns: Sollten wir unsere Mark-Hilpern-Hüte aufsetzen und um zwei Uhr morgens bereit sein, einen Drink zu mixen?“

Wie sieht es mit Designausschreibungen oder Feilschen aus? „Ja, das gibt es.“ Bannenberg seufzt leise. „Ich muss sagen, dass die Schönheitswettbewerbe, wie sie politisch korrekt heißen, oder auch Zuchtschauen, wie Simon Rowell sie nennt, in den letzten drei Jahren zugenommen haben.“ Werden diese Pitches von Brokern organisiert? „Ja, in den meisten Fällen. Ich will nicht zu nörglerisch herüberkommen, aber es gibt ganz unterschiedliche Ansätze dahinter. Einige sind sehr transparent, und man weiß nicht nur, wie viele andere Designer beteiligt sind, sondern auch, wer sie sind. Das ist in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Ein Londoner Studio mit 15 Mitarbeitern kalkuliert anders als ein viel kleineres Studio in einem anderen Land.“ Da es nur selten Pitch-Honorare gebe, müsse man eine Teilnahme für sich selbst abwägen. Einige der jüngsten Bannenberg-&-Rowell-Aufträge – auch die 55-Meter-Lürssen zählt tatsächlich dazu – sind nicht das Ergebnis gewonnener Wettbewerbe. Dagegen musste sich das Studio für seine vorige Lürssen, die 87 Meter lange „Avantage“, durch mehrere Runden von „Britain’s Got Talent“ kämpfen, wie Bannenberg es augenzwinkernd bezeichnet. Sieben Studios nahmen an der Ausschreibung teil, die in diesem Fall die Werft abgeschickt hatte.

„Avantage“: Den Gestaltungsauftrag für den 87 Meter langen Lürssen-Bau erhielt das Studio über einen Design-Pitch. Fotos ihres Interiors gibt es keine.Foto: Jarrad Yates
„Avantage“: Den Gestaltungsauftrag für den 87 Meter langen Lürssen-Bau erhielt das Studio über einen Design-Pitch. Fotos ihres Interiors gibt es keine.

Viele Unbekannte: Designprozess und Kostenkalkulation

Es drängt sich eine Frage auf, die ich vor 34 Jahren auch an Jon Bannenberg gerichtet habe: Was wird für ein Yachtdesign in Rechnung gestellt? Jons Antwort: „Wir betreiben einen gewissen Aufwand, um eine Yacht zu designen, eventuell auch, um ein Modell anfertigen zu lassen. Dann erledigen wir die Ausarbeitung aller Details, nachdem der Vertrag mit der Werft steht. Das ist alles sehr umständlich.“ Dickie entgegnet: „Es kommt darauf an. Interessant ist, dass wir in jüngster Zeit bei zwei Projekten wesentlich mehr Zeit als sonst für die Vorvertragsgestaltung benötigten, was durchaus spannend ist. Oftmals haben wir Anrufe von Kunden erhalten, die bereits Verträge mit einer Werft unterzeichnet hatten und fertige GA-Pläne präsentierten. Da ging es im Schnellverfahren mit sehr kurzen Fristen für Änderungen weiter. Bei dieser Methode erhält der Kunde selten das, was ihm zusteht.“

Dickie Bannenberg weiß auch – der dichten Auftragslage sei dank – von Gegensätzlichem zu berichten, einem Carte-blanche-Auftrag. Am Ende wird der Eigner ein ganzes Jahr damit verbracht haben, die Yacht von außen und innen mit Bannenberg & Rowell und in Absprache mit einem Konstrukteur zu entwerfen, bevor die Ausschreibung an diverse Werften geht. „Natürlich ist das der Weg, der beschritten werden sollte, aber es ist die Ausnahme“, so Bannenberg. Dadurch könne man Preisschocks ausschließen und etwaige Änderungsaufträge auf ein Minimum reduzieren.

Kurz vor Vertragsabschluss steht ein weiterer Bau bei einer nordeuropäischen Werft, für den B & R jedoch ausschließlich die Innenräume ausgestaltet. Dickie Bannenberg berichtet: „Wieder wollte der Eigner alles so gut wie möglich im Voraus planen, damit nicht die Werft kommt und den Preis auf der Grundlage eines fünfstelligen Betrags pro Quadratmeter festlegt.“ Aber wie kommt denn nun die Zahl unterm Strich zustande? „Das hängt davon ab, was jemand unbedingt haben möchte. In den beiden geschilderten Fällen ist die Honorarver-einbarung oder der Vertrag natürlich aufgeteilt in eine Vorvertragsphase und eine konventionellere Dokumentationsphase des eigentlichen Gestaltens, sobald die Werft den Auftrag erhalten hat. Die Preisgestaltung ist sehr unterschiedlich.“ Welch ein Déjà-vu!

"Pacific“, 85 Meter: Die Innenarchitektur des Germán-Frers-Designs stellte Ende der 2000er-Jahre die erste Zusammenarbeit von B & R mit Lürssen dar.
Foto: Peter Seyfferth

Zwischen Laisser-faire und Carte blanche

Was den Kontakt zu Eignern angeht, scheinen Bannenberg & Rowell sich der neuen Realität gut angepasst zu haben. Auf die Frage, ob sie ihre Auftraggeber eher im Studio oder der Werft sehen, gab es die Antwort: „Für die neuen Projekte, die sich über Amerika und den Fernen Osten und dazwischen erstrecken, haben wir Besprechungen mit den Kunden und den entsprechenden Werftteams per Zoom durchgeführt. Es gibt immer noch Leute, die stummgeschaltet sind, und Hunde, die bellen, aber im Großen und Ganzen funktioniert es großartig. Abgesehen von der persönlichen Begegnung, die natürlich enorm wichtig ist, denkt man: ,Ich verpasse nichts, es ist supereffizient.‘“ Bannenberg überlegt, wann er und sein Team das letzte Mal für einen Eigner gearbeitet haben, der sich komplett aus einem Projekt herausgezogen hat – und nennt mit „Predator“ eine der markantesten Feadships, für die B & R Mitte der Nullerjahre die Innenräume planten. Auf den Auftraggeber des 72,80 Meter langen Wavepiercer-Formats traf Dickie nur dreimal: bei einer Werftbesichtigung, zu der man in etwa fünf Minuten um das Boot lief, und bei Treffen in einer Villa an der Côte d’Azur.

Mein Vater genoss es immer sehr, wenn ihm freie Hand gelassen wurde. Den Gipfel stellte ,Talitha‘ dar, die er im Auftrag von Paul Getty neu gestaltete, mit so viel Freiraum, wie man nur haben konnte. Nach dreieinhalb Jahren sagte er: ,Tada!‘ Diesen Weg ging er besonders gern, aber für Zartbesaitete ist das nichts.“ Des 1930 vom Stapel gelaufenen Klassikers nahm sich Jon Bannenberg 1994 an. Bannenberg & Rowell betreuten das Refit der 82 Meter langen „Talitha“ 2008. Es ist nicht die einzige Erfahrung, die das Londoner Studio in der Überholung von Preziosen sammeln durfte: 2007 gelangte „Blue Bird“, 32 Meter von 1938, in ihre gestalterische Obhut, ebenfalls ein Auftrag aus der Getty-Familie: „Das war ein schöner Generationenwechsel auf beiden Ebenen, beim Kunden und bei uns. Sie wird immer noch sehr rege genutzt von Tara und Jessica Getty. Oftmals sieht man sie neben dem Mutterschiff „Talitha“ und sogar zusammen mit ,Skylark‘.“

„Blue Bird“: Mit dem 32-Meter-Klassiker führte Dickie Bannenberg die Zusammenarbeit seines 
Vaters mit der Getty-Familie fort, für die der Senior „Talitha“ umgestaltet hatte. Die 82 Meter, 
1930 bei der Germaniawerft vom Stapel gelaufen, und „Blue Bird“ fahren regelmäßig zusammen.Foto: Bannenberg & Rowell
„Blue Bird“: Mit dem 32-Meter-Klassiker führte Dickie Bannenberg die Zusammenarbeit seines Vaters mit der Getty-Familie fort, für die der Senior „Talitha“ umgestaltet hatte. Die 82 Meter, 1930 bei der Germaniawerft vom Stapel gelaufen, und „Blue Bird“ fahren regelmäßig zusammen.

Ein Studiobesuch offenbart Parallelen

Nach der Videounterhaltung wird mir doch noch ein Besuch im Bannenberg-&-Rowell’schen Universum zuteil, wo ich einige mir bekannte Objekte aus Jon Bannenbergs legendärem Kreativbüro in der Burnsall Street wiedererkenne. Es liegt ein ähnlich industrieller Charme über dem Studio, das sich über zwei Ebenen erstreckt und mehr wie eine Kunsthochschule wirkt. Das ein Dutzend starke Team ist eklektisch aufgestellt und besteht etwa aus einer Ex-Ballerina, einem nautischen Sachverständigen und dem zum Maskottchen gewordenen Hund Moose. Regale, Wände und Decken schmücken eine Reihe von Erinnerungsstücken, wie ein über dem Kopf hängendes Doppeldeckerflugzeug und natürlich diverse Yachtmodelle. Dickie scheint ein gutes Gleichgewicht für die Einrichtung gefunden zu haben: „Wenn man nicht aufpasst, wird das Ganze zu einer Art Museum für meinen Vater. Vorsicht ist geboten – auch wenn manche Leute mir dazu raten, es gnadenlos auszunutzen. Eines seiner alten Designs aufzufrischen steht auf einem anderen Blatt. So wurde die 55-Meter-Lürssen von ,Carinthia VI‘ inspiriert, sie ist eine Art verkürzte Version.“

Zur Schau gestellt werden ebenso architektonische Projekte und eine Serie Türdrücker, die Bannenberg & Rowell für SA Baxter in Form brachten. Letztere versetzten mich zurück ins Jahr 1988 zur Abschlussausstellung des Royal College of Art, wo ein Jon-Bannenberg-Stipendium zur Unterstützung von Studenten des RCA ins Leben gerufen wurde. Es waren VIPs geladen, um die Projekte der Studenten zu begutachten. Mein Kollege rief in meine Richtung: „Hier kommt Gott!“ Jon Bannenberg schien tatsächlich auf dem Wasser zu gehen, als er sich meinem Prototyp der „Marina Services Unit“ in weißen Slippern näherte, ein paar Jünger in seinem Gefolge. Ich sagte, ich sei mir nicht sicher, ob der eiförmige Griff aus gedrechseltem Teakholz gut sei, aber ich war froh, als ich beruhigt wurde: „Er ist großartig, er wird einem bewusst, wenn du es nicht erwartest!“

Dickie, der einige Jahre im Vogue House für Condé Nast gearbeitet hatte, bevor er sich Jon in der Burnsall Street anschloss, hat das wohl endgültige Yachtdesignbuch zusammengestellt. Das Coffee Table Book, auf dessen Rücken fett „BANNENBERG“ prangt, wurde der Superyachtwelt am Royal College of Art vorgestellt, gut zehn Jahre nachdem Jon Bannenberg diese Welt verlassen hatte, und erzählt wie eine Art Bibel die Geschichte der zeitgenössischen Superyachtgestaltung. Angesichts des bestehenden Portfolios von Bannenberg & Rowell und zukünftiger Entwürfe vermute ich, dass es in ein oder zwei Jahrzehnten ein „Neues Testament“ geben wird. Die Frage, ob seine nun erwachsenen Kinder das Geschäft übernehmen würden, wiegelt Dickie ab: „Ich stand meinem Vater ziemlich nahe, aber ich bin kein ausgebildeter Designer. Eine weitere Generation folgen zu lassen halte ich für sehr schwierig. Also, nein, ich lasse ihnen freie Hand.“

Das war Jon Bannenberg

Der Australier hat Superyachten erst zu dem gemacht, was sie sind: Unikate. Mit seinem Schaffen etablierte er Yachtdesign als eine eigenständige Disziplin – obwohl, oder gerade weil er Autodidakt war. Mit 16 Jahren verließ Bannenberg die Schule, um am Konservatorium in Sydney ein Klavierstudium aufzunehmen. Im London der 1950er-Jahre verdingte er sich als Barpianist und Dekorateur, bevor er über einen Antiquitätenhandel zum Einrichten kam. Von Domizilen griechischer Reeder war es nicht weit zu Yachten. Als Jon Bannenberg Ende der Sechzigerjahre „Carinthia V“ für den deutschen Kaufhausunternehmer Helmut Horten projektierte, brachte das avantgardistische Exterior seinen Durchbruch und den der Bauwerft Lürssen. Zuvor kümmerten sich häufig Konstrukteure in Personalunion um die äußere Detailtreue, manchmal entsprangen die Linien der Fantasie des Werftgründers oder eines Architekten wie Cäsar Pinnau.

In Jon Bannenbergs Studio in der Burnsall Street 6 ging manch Eigner ein und aus. Neben Dickie durchliefen unter anderem Andrew Winch, Terence Disdale und Tim Heywood seine SchuleFoto: privat
In Jon Bannenbergs Studio in der Burnsall Street 6 ging manch Eigner ein und aus. Neben Dickie durchliefen unter anderem Andrew Winch, Terence Disdale und Tim Heywood seine Schule

Bannenberg sr., der sich zeit seines Lebens gegen den Begriff „Stylist“ verwahrt hatte, durfte ab 1978 als erster Yachtdesigner seit Charles E. Nicholson im Jahr 1934 den Titel des Royal Designer for Industry (RDI) hinter seinem Namen tragen. Dickie Bannenberg hat 15 Jahre lang mit und für seinen Vater in dessen Londoner Studio gearbeitet. Jon Bannenberg erlag 2002 einem Krebsleiden, er wurde 72 Jahre alt. Ein Jahr später eröffnete Bannenberg jr. seine eigene Designadresse, gemeinsam mit dem Kreativen Leiter Simon Rowell. 2015 gab Dickie Bannenberg ein Buch über das Leben und Œuvre seines Vaters heraus. „Jon Bannenberg: A Life of Design“ ist ein Standardwerk über Yachtdesign und hier erhältlich: bannenbergandrowell.com/1957onwards

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