Superyachten-Lexikon: Wissen von A bis Z

Lexikon

Superyachten-Wissen von A-Z
A

Abgas

Von Yachtdieseln mit Temperaturen von bis zu 420° ausgestoßene Verbrennungsluft, die meist noch Turbolader antreibt, bevor sie auf 100° bis 70° heruntergekühlt über Abgasrohre ins Freie tritt. Die oft mehrere tausend PS starken Diesel von Megayachten produzieren einiges an Schadstoffen, deshalb fordert die IMO Abgasreinigungssysteme auch für Yachtdiesel.

Achterdeck

War lange Zeit Entrée jeder mit dem Heck zur Pier liegenden Yacht: Das Achterdeck diente dem Sehen und Gesehen werden. Blumen-Arrangements und stilvolle Teak- oder Korbstühle obligatorisch. Mit den großen Zwei- und Dreideckern verlagerte sich diese representative Ebene nach oben, Privacy ist jetzt angesagt. Das Achterdeck des Hauptdecks ist heute eher Lager für diverse Tender, der klassische achterliche Eingang einer großen Motoryacht wanderte nach mittschiffs. Heute ungewöhnlich: das riesige Achterdeck von "Limitless."

Achterholer

Luvwärtiges Tauwerk beim Fahren eines Spinnakers, das die Position des Spinnakerbaums kontrolliert. Der Achterholer kann extrem hoch belastet sein, seine Bedienung ist nicht ungefährlich. Bei einem 1000 m2 großen Spinnaker einer Superyacht können Spitzenbelastungen des Achterholers von bis zu 15 Tonnen erreicht werden.

Achterkabine

Auf Yachten häufig die Kabine des Eigners mit eigenem Niedergang, weil achtern die Schiffsbreite am größten ist. Extrem: Yachten der traditionellen Linie von Jongert haben große Achter-Eignerkabinen mit Heckfenstern über der Wasserlinie. Auf Motoryachten liegt die Eignerkabine selten achtern, sie wanderte an ruhigere Plätze. Ursprünglich war die Achterkabine die des Kapitäns.

AchterLiek

Hintere Kante eines Segels vom Schothorn bis zum Kopf. Das Achterliek kann an der Kreuz durch den Zug der Großschot extrem belastet sein, auf Megayachten mit bis zu 10 Tonnen. Modern ist eine große Achterlieksrundung, weil dadurch die Segelfläche größer wird. Yachten wie "Mari Cha III" können an der Kreuz nur gerefft segeln, weil das Achterliek sonst bei Wenden nicht frei vom Achterstag bleibt.

Achterstag

Nach achtern führender Teil des stehenden Gutes, das den Mast nach hinten hält. Meist hydraulisch oder mechanisch einstellbar. Auf Rennyachten wird damit die Mastkurve kontrolliert. Auf toppgetakelten Megayachten ist der Trimmeffekt minimal. Um das Entrée am Heck freizuhalten, haben Megayachten oft ein geteiltes Achterstag (Hahnepot) oder doppelte Achterstagen. Als Material wird gezogener, reckarmer Stahl mit Durchmessern bis zu 30 Millimetern verwendet. Bei einer 50-Meter-Slup kann das Achterstag bis zu 80 Meter lang sein. Der Transport eines Achterstags ist problematisch, da es nur in sehr großen Radien gekrümmt werden darf.

Akzelerometer

Beschleunigungsmesser auf rasanten Gleityachten wie der 65 Knoten schnellen Turbinenyacht "Fortuna" des spanischen Königs. Akzelerometer sind in g, der Erdbeschleunigung, geeicht (9,81 m/s2). In grober See ist es das wichtigste Instrument an Bord, da es angibt, wie hart der Steven einsetzt. Denn ab 2 g klirrt das Geschirr im Schrank, ab 5 g nimmt der menschliche Körper Schaden. Ein Schnellboot der Marine übersteht 7 g ohne Schaden.

Alustar

Neue Legierung der Hoogovens Aluminium Walzprodukte aus Deutschland. Alustar bietet bei gleichem Gewicht rund 20 Prozent mehr Festigkeit als die bisher übliche Legierung AlMg4,5Mn. Royal Huisman verwendete die seewasserbeständige Legierung als erste Yachtwerft unter anderem für "Hyperion", Mastenbauer Rondal fertigt seine Aluspieren ausschließlich aus dem neuen Material.

Antenne

Schnittstelle zwischen sich im Äther ausbreitender elektromagnetischer Welle und leitungsgeführten elektrischen Signalen. Antennen auf Yachten sind neben UKW-Seefunkstäben, Kurzwellenpeitschen und kleinen GPS-Empfangsantennen kreiselstabilisierte Parabolspiegel, die die Verbindung zu Kommunikations- und Fernsehsatelliten herstellen. Megayachten haben meist mehrere dieser von weißen Kunststoffdomen gegen aggressive Seeluft geschützten Antennen, so dass die Eigner ihre Geschäfte auch von See aus weiterführen können. Möglich sind Telefonie, Fax und Internet-Zugang mit Geschwindigkeiten bis 64 Kilobit/s.

Anti-Roll-Tanks

Außermittig eingebaute Seewassertanks. Rollbewegungen von Yachten, vor allem vor Anker, werden durch Umpumpen oder selbstständiges Überlaufen verringert. Feadship entwickelte ein eigenes System mit einem einzigen, u-förmigen Tank. Auf großen Yachten laufen bis zu zehn Tonnen Seewasser in den Tanks hin und her.

Antigua classics

Traditionelles Treffen klassischer Yachten in Antigua zum Ende der Segelsaison in karibischen Gewässern. Renommierte einwöchige Regattaveranstaltung ab Mitte April, Basis ist Nelson’s Dockyard in English Harbour. Die größten Teilnehmer der letzten Jahre waren die J-Klasse-Yachten Endeavour und "Velsheda". Die Antigua Sailing Week ist eine einwöchige Regatta-Serie ab Ende April für moderne Renn- und Charteryachten. Beliebter Treffpunkt von Regatta-Maxis und Segel-Megas.

Atlantic challenge cup

Trans-Atlantik-Rennen auf klassischem Kurs, erstmalig gesegelt 1997. Das Race führt von New York über 3200 Seemeilen bis zu den Needles vor der Isle of Wight und ist offen für klassische Yachten, Nachbauten im klassischen Stil und moderne Yachten. Den Rekord auf dieser Strecke hält seit 1905 die Yacht Atlantic mit 13 Tagen, zehn Stunden und 15 Minuten. Die zweite Regatta nach 1997 sollte am 18. Mai 2002 vor New York starten, wurde aber wegen der Ereignisse des 11. September 2001 abgesagt und auf 2005 verschoben.

Aufbauten

Der umbaute Raum auf Motoryachten oberhalb des Hauptdecks. Seit einigen Jahren Spielwiese der Designer. Das Styling der Aufbauten verleiht einer Yacht ihre Eleganz oder ihre Behäbigkeit. Auf jeden Fall ihren charakteristischen Look.

Ausschreibung

Auch Tender genannt. Eine Ausschreibung enthält alle wichtigen Details eines Neubauprojekts und wird an verschiedene Werften geschickt, die danach Angebote abgeben. Die vollständige Ausschreibung einer Megayacht kann über 100 Seiten dick sein

Außenhaut

Äußere Hülle einer Yacht. Die Güte der Außenhaut ist ein Beweis für die Bauqualität einer Werft. Je weniger sie gespachtelt werden muss, desto hochwertiger ist sie. Eine perfekte, hochglanzlackierte Außenhaut gilt im Yachting als Statussymbol.

Außensteuerstand

Steuerstand im Freien, vor allem als Manövrierhilfe. Größere Yachten besitzen mehrere: auf Motoryachten an den äußeren Enden der Brücke (Nocks) und/oder auf der Flybridge, auf Segelyachten achtern. Die modernsten Megayachten sind mit tragbaren, drahtlos funktionierenden Steuerkonsolen ausgestattet

Automatik-Positionierung

Eine automatische Steuerung von Hauptmaschine, Bug- und Heckstrahlruder, die eine Yacht ohne Anker oder Festmacher in einer definierten Lage auf einer bestimmten Position hält. Die Kontrolle erfolgt über Differenzial-GPS. Die aufwändigen Steuerungen erlauben den Einbau nur auf großen Megayachten.

B

Babystag

Ein meist wegnehmbares Vorstag, das etwa bis zur Hälfte des Mastes ansetzt und an einem Beschlag auf dem Vorschiff auf halber Strecke zwischen Mast und Steven befestigt wird. Es kommt nur auf Yachten vor, deren Mast im Mittelbereich labil ist und wird nur bei Starkwind gesetzt. Auf Megayachten wird ein Babystag nur selten gefahren, da die meisten kuttergetakelt sind.

Badeplattform

Feste oder ausklappbare Plattform am Heck einer Motor- oder Segelyacht dicht über der Wasseroberfläche, mit zusätzlicher, ausklappbarer Badeleiter. Auf Megayachten gibt es mehrere, sie dienen auch als Pier für Tender. Sie werden hydraulisch bewegt und mit Fernbedienungen gesteuert.

Ballast

Gewicht an der tiefsten Stelle oder im Kiel einer Yacht. Bei einer Segelyacht das Gegengewicht zum Segeldruck, verhindert das Kentern. Der Ballastanteil beträgt je nach Konstruktion zwischen 30 und 80 Prozent des Gesamtgewichts. Wird auf Motoryachten nur bei geringem Tiefgang und hohen Aufbauten zur Verbesserung der Stabilität eingebaut.

Bauüberwachung

Schlüsselposition beim Bau einer Megayacht. Sie beinhaltet vorwiegend die Qualitäts- und Kostenkontrolle sowie die Überwachung des Terminplans. Der Job sollte ausschließlich dem Eigner verpflichtet sein. Ohne unabhängige Bauüberwachung ist der Bau einer großen Yacht kaum noch möglich.

Bauzeit

Sie kann bei Megayachten je nach Größe und Komplexität bis zu vier Jahre betragen. Zur Bauzeit gehören auch die umfangreichen Vorarbeiten am Rechner, die Monate in Anspruch nehmen können. Bauzeiten werden häufig vertraglich ausgehandelt, mit hohen Konventionalstrafen bei Überschreitung des Ablieferungstermins durch die Werft. Verzögerungen durch den Eigner wegen Änderungswünschen werden dagegen zur Bauzeit addiert.

Bugwelle

Wasserberg, den eine Yacht bei Fahrt durch das Wasser vor sich herschiebt. Er ist umso höher, je größer der Eintrittswinkel des Stevens und je größer die Verdrängung der Yacht ist. Die Höhe der Bugwelle ist ein Maß für die hydrodynamische Qualität der vorderen Rumpflinien. Konstrukteure geben Verdrängeryachten oft einen Wulstbug, um die Bugwelle zu reduzieren. Sie wird erst völlig überwunden, wenn Yachten in Gleitfahrt laufen.

Bullauge

Bezeichnung für ein kleines rundes Fenster mit dickem Glas in der Bordwand und in Aufbauten. Es ist fest verschlossen oder von innen zu öffnen und soll Licht und Luft spenden. Die runde Form der Bull Eyes ist heute zu abgerundeten Rechtecken mutiert und für die Seitenansicht einer Yacht ein wichtiges Design-Element.

Bunkern

bernahme von Wasser und Treibstoffen. Selten in Yachthäfen sondern von Bunkerschiffen in Handelshäfen. Große Motoryachten bunkern mehrere hundert Tonnen Treibstoff. Sie werden in der Regel bei Firmen geordert, die sich auf die Belieferung von Yachten mit einem weltweiten Netzwerk spezialisiert haben. Für extreme Reviere wird vorab in der erforderlichen Qualität geordert. Günstige Raten lohnen durchaus Umwege, etwa nach Malta. Illegal war das Bunkern an einem Tanker im Mittelmeer außerhalb der Hoheitsgewässer, an dem sich Yachten steuerfrei versorgten.

Bus-System

Verkabelung, durch die ausschließlich digitalisierte Informationen geleitet werden. Wird deshalb auch als Datenbus bezeichnet. Angeschlossene Endgeräte senden und empfangen die digitalen Daten und verarbeiten sie entsprechend weiter. Inzwischen setzen auch ehemals rein mechanische Steuereinheiten wie etwa Gashebel die Informationen digital um und leiten sie auf das Bus-System.

C

Canting-Keel

Innovativer, seitlich um die Schiffslängsachse kippbarer Kiel. Er erhöht die Stabilität einer Segelyacht, wenn er an der Kreuz mit seiner Ballastbombe nach Luv gekippt ist. Wird bei leichtem Wind auch in Lee gefahren, um den Stand der Segel zu gewährleisten. Wurde zuerst auf Einhand-Rennyachten eingebaut, kommt jetzt auch bei großen High-Performance-Segelyachten in Mode ("Tiketitoo"). Der Kiel wird meist hydraulisch gekippt.

CFD

Computational Fluid Dynamics. Programme, die einem in den Rechner eingelesenen Yachtrumpf virtuell die hydrodynamisch günstigsten Linien anpassen. CFD ist schneller und billiger als das Experiment im Testtank, verlangt jedoch hohe Rechnerleistungen. Hydrodynamische Institute, wie die HSVA in Hamburg überlassen dem Rechner und seiner CFD-Software lediglich die Grob-Optimierung. Den Feinschliff der Rumpflinien nehmen sie nach wie vor am Modell im Tank vor.

Cockpit

Ursprünglich kleiner, vertieft ins Deck eingelassener Arbeitsbereich der Crew und des Steuermanns. Die großen Cockpits moderner Segelyachten sind entweder flach und nach achtern offen oder auf das eigentliche Deck gebaut. Auf heutigen Push-Button-Yachten sind sie mit ihren Sitzlandschaften Bereich der Gäste, die Crew bleibt im Idealfall unsichtbar. Häufig mit ausfahrbaren Sonnensegeln überdachbar. Runde oder ovale Cockpits von Bruce King ("Hetairos") knüpfen an die Urform der Cockpits an.

Code Zero

Eine Erfindung aus dem letzten Whitbread-Round-The-World-Race, eingesetzt von "EF Language" unter Paul Cayard. Weiterentwickelt von Team New Zealand für den letzten America’s Cup. Der Code Zero ist ein als Spinnaker vermessenes Vorsegel aus superleichtem Tuch mit fliegendem Vorstag und einer am Segel montierten Rollanlage.

CODOG

Combined Diesel or Gas Turbine. Ökonomisches Antriebssystem für Turbinen-Yachten. Langsamfahrt und Hafenmanöver sind mit Turbinen nur bedingt und mit hohem Kraftstoffverbrauch möglich. Dieselmotoren ergänzen deshalb den Antrieb. Yachtkonstrukteure legen sie als Hauptantrieb mit einer Turbine für gelegentliche Schnellfahrten aus. Oder sie konzipieren den Diesel als Zusatzantrieb für Fahrten im Revier. Die "Fortuna" des spanischen Königs fährt drei Rolls-Royce-Allison-Gasturbinen, die auf Waterjets arbeiten, und zwei MAN-Diesel, die die Propeller antreiben. Turbinen und Diesel beschleunigen "Fortuna" gemeinsam auf eine Maximalgeschwindigkeit von 65 Knoten. Die Diesel allein geben ihr eine Reisegeschwindigkeit von 15 Knoten.

Common Rail

Drehzahlabhängige Kraftstoffeinspritzung an Yachtdieseln über eine kollektive Kraftstoffleitung. Die Common-Rail-Technik verwendet im Gegensatz zur herkömmlichen Direkteinspritzung, die maximalen Druck nur bei hohen Drehzahlen und kurzzeitig vorhält, eine gemeinsame Einspritzpumpe. Sie versorgt alle Zylinder permanent mit gleich bleibend hohem Druck, auch bei niedrigen Drehzahlen. Kraftstoff gelangt so exakt dosiert zum optimalen Zeitpunkt in die Brennräume. Er verbrennt jetzt sauberer mit geringerem NOx-Gehalt in seinem Abgas.

Crew

Mannschaft auf großen Yachten, bestehend aus seemännischer Crew und Servicepersonal. Kapitän und Offiziere, Arzt und Geistlicher zählt man in der Regel nicht zur Crew. Große Motoryachten haben Mannschaften von 40 und mehr Personen, häufig mit eigenem Crew-Kapitän. Moderne Segelyachten sind technisch so ausgereift, dass sie von extrem kleiner Crew gesegelt werden können. Vorreiter sind die Motorsegler von Perini Navi, die hoch technisierten, über 50 Meter langen Neubauten kommen mit nur vier- bis sechsköpfigen Mannschaften aus.

Custom Yacht

Im Gegensatz zu einer Serienyacht nach individuellen Vorstellungen entworfene und gebaute Yacht, ein absolutes Einzelstück. Megayachten sind durchweg Custom Yachten. Von Semi Customs spricht man, wenn identische Rümpfe gefertigt werden, deren Deckslayout und Aufbau, Rigg und Interieur aber nach Eignerwünschen variiert. Semi Customs sind deshalb preiswerter.

D

Dacron

Seit den 50er-Jahren eingetragene Markevon Dupont für eine Polyester-Faser; Segel aus D. lösten seinerzeit die klassischen Materialien aus Naturfasern ab. D. erlaubte dank seiner Festigkeiten vollkommen neue Segelschnitte und damit -profile und ist dadurch auch Element des epochalen Wandels vom Holz- zum Alumast, von Holz- zu GFK- und Leichtbaukonstruktionen aus Aluminium und Kohlefasern.

Dahm, Herbert

Grandseigneur der deutschen Yachtszene, mannigfach vernetzt; erster Kontakt zur niederländischen Werft Jongert 1967 wegen einer privaten Order einer Segelyacht, danach für Jahrzehnte Jongerts Marketingmann; von Beginn an Inspirator der Düsseldorfer Messe "boot" und Schrittmacher für die deutsche Maxiszene ("Mephisto", 24 m, 1983; "Inspiration", 22 m, 1985); fünf Jahre lang Benetti-"Ambassador" (Dahm); heute mit seiner Vertriebs-, Charter- und Brokerfirma dahm internationalan Standorten in Düsseldorf, Palma und Monaco präsent.

Dampferlicht

Gleich Topplicht; weiße Leuchte, die nachts von Yachten bei Motorfahrt am Mast oder Geräteträger zu führen ist und in einem Winkel von 225º sichtbar ist. Yachten ab 50 Meter Länge fahren zusätzlich ein zweites, tieferangebrachtes D. an einem separaten Mast auf dem Vorschiff. Daran lassen sich nachts ungefähre Größe wie auch Fahrtrichtung der Yacht erkennen.

Datenbus

Kabel, durch das ausschließlich digitalisierte Informationen geleitet werden. Ein System aus Datenkabeln wird als Bus-System bezeichnet. Auf modernen Yachten wird eine Vielzahl von Geräten eingebaut, die ihre Informationen untereinander per Datenbus austauschen. Dazu gehören inzwischen auch die Kontrollen der Maschinen.

Davit

Früher waren Davits einfache, drehbare Galgen, an denen Rettungs- oder Beiboote hingen und aus- beziehungsweise eingesetzt wurden. Sie sind nach wie vor auf vielen Oldtimern zu sehen. Moderne Davits sind vor allem auf Motoryachten häufig unsichtbar in die Bordwand integriert und werden hydraulisch oder elektrisch angetrieben. Immer öfter werden Tender allerdings von an oder unter Deck eingebauten hydraulischen Kränen bewegt. Kranartiger Ausleger; in der Regel paarweise verwendet zum Heißen von Dinghis, Tendern und Rettungsbooten an deren Vor- und Achtersteven; zu finden an der Reling oder bei kleinen Yachten zum Transport des Dingis am Heck. Mittlerweile auf Yachten veraltet und durch Kräne und Bootshalterungen auf den Bootsdecks oder in Garage und Lazarette ersetzt.

Daycruiser

Motor- oder Segelboot ohne oder nur mit sehr eingeschränkter Übernachtungsmöglichkeit; der D. unter Segeln folgt in der Regel Wind und Sonne, der D. unter Motor dient oft als Tender und als Transporter für Mensch und Material. Wally gelang es, den D. zu einem eigenen Typ Lifestyle-Boot weiterzuentwickeln.

Daycruiser/ -Sailer

Segel- oder Motoryachten, die keine Einrichtung für längere Reisen besitzen und deshalb nur für Tagestörns geeignet sind. Eine Gattung, die im Kommen ist. Modernste Vertreter der segelnden Gattung sind die 28 Meter lange schwarze Kohlefaserslup "Stealth" von Giovanni Agnelli und der 50-Füßer "Tomtit", der ein bis zum Mast offenes Cockpit hat und von einer Person gesegelt werden kann. Beide Daysailer sind Entwürfe von Germán Frers.

Deckhand

Crew-Mitglied, das Aufgaben an Deck außerhalb der Aufbauten verrichtet; Einsatz beim Festmachen, Tender wassern und nicht zuletzt bei der Pflege der Yacht; bei kleineren Yachten müssen auch Stewards und Mechaniker die Aufgaben einer D. nebenbei erledigen.

Decksalon

Per Definition ein Salon, der auf das Hauptdeck gebaut ist. Wegen der notwendigen Stehhöhe sind Decksalons ein Designproblem und fügen sich nur auf großen Yachten harmonisch in die Silhouette ein. Bei traditionellen Segelyachten wie "Borkumriff IV" wird der Decksalon zum Stilelement. Vielfach wird aber auch nur ein erhöht eingebauter Salon als Decksalon bezeichnet, der nur so weit über die Decksebene hinausragt, dass sitzend der freie Überblick nach allen Seiten möglich ist. Konstruktives und gestalterisches Element einer Segelyacht; der D. vergrößert nicht nur den Wohnbereich, er sorgt auch für bessere Aussichten gegenüber einem Flushdeck oder einem herkömmlich keilförmigen flachen Aufbau. Im D. bringt der Designer oft neben Sitzgruppe auch Speiseplatz und Navigationsplatz unter. Für ein anspruchsvolles Styling kann ein D. eine Herausforderung sein.

Deckssprung

Kurvenförmiger Verlauf des Hauptdecks vom Bug zum Heck, entweder positiv oder negativ; ein positiver Deckssprung zeigt mittschiffs ein kleineres Freibord als an Heck und Bug, ist Kennzeichen traditionellen Designs, ein negativer betont das Zentrum der Yacht an Deck.

Delamination

Unter Delamination versteht man bei Kunststoffyachten, die im Sandwichverfahren gebaut sind, das Ablösen des inneren oder äußeren Laminats vom Sandwichkern, der aus Balsaholz, Schaum oder Waben besteht. Delaminierte Bauteile können keine Kräfte mehr aufnehmen. Ein vollständig delaminierter Rumpf ist so gut wie irreparabel, lokale Ablösungen lassen sich mit einigem Aufwand beheben. Es gibt verschiedene Gründe, die zu Delaminationen führen können: Unter anderem falsche Verarbeitung der Baustoffe, falsche Temperaturen während der Bauzeit, zu kurzes oder zu langes Tempern, unverträgliche Materialien oder ausgasende Schaumstoffe.

Designer

Berufsbezeichnung mit weitem Spektrum; als D. bezeichnen sich sowohl Konstrukteure, angelsächsisch navalarchitects, als auch Stylisten, die für die Gestaltung des Rumpfes und derAufbauten, des Interieurs und der Innendekoration, nicht jedoch für Berechnungenz. B. der Stabilität zuständigsind. Konstrukteure können auch vorzügliche Stylisten sein (Espen Øino, Ed Dubois).

Deutsche Werkstätten

Topeinrichter mit Sitz im Dresdner Stadtteil Hellerau. Gegründet 1907 als Möbelhersteller; 1998 mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Fritz Straub Einstieg in die Yachtbranche mit dem Projekt "Mipos", heute "Al Salamah"; seitdem vorzugsweise Einrichtungsbau für Lürssen-Aufträge. Yachten der 100-m-plus-Klasse wurden für die DW zum bedeutenden Standbein.Jüngster Auftrag: Einrichtungenauf 500 qm für "Serene" (134 m).

Diesel

Meistverbreiteter Antriebsmotor für Propeller und Generatoren. Yachtdiesel sind mit Leichtöl (Dieselöl) betriebene Viertaktkraftmaschinen, die ihre Kraftstoffverbrennung im Kompressionsraum ohne störanfällige Fremdzündeinrichtungen allein durch Kompressionshitze einleiten. Sie sind schnell drehende Motoren mit Kolbengeschwindigkeiten von bis zu 12 m/s. Zur optimalen Kraftstoffverbrennung und zur geringen Stickoxid-Emission (NOx) verordnen Motorhersteller ihnen elektronische Regeleinrichtungen: Mikroprozessoren steuern Kraftstoffeinspritzung und Turbolader nach Motordrehzahl, Kühlmittel- und Ansauglufttemperatur. An Bord kommen sie als Reihen- oder V-Motoren mit 8, 12 oder auch 24 Zylindern. So hoch gezüchtet, erreichen sie nahezu das Leistungsgewicht von Benzinmotoren, ohne den Nachteil, hochexplosiven Sprit unter Deck transportieren zu müssen.

Dieselelektrik

D. antwortet darauf, dass ein ➔ Dieselmotor nur im begrenzten Drehzahlbereich optimalen Wirkungsgrad entfaltet; der nachgeschaltete Elektromotor übernimmtdie Funktion eines Getriebes und steuert die Kraftübertragung auf eine Wellenanlage oder in die externe Gondel eines ➔ POD-Antriebes.

Dieselmotor

Hauptantrieb von Yachten; Motoryachten nutzen mit Ausnahmen zwei D. parallel, im Heck oder im Schwerpunkt der Konstruktion. Lieferanten sind vorzugsweise MTU, MAN und Caterpillar.

Dinghy

Ein Dinghy ist grundsätzlich ein kleines Boot. Es kann sowohl eine Segeljolle aus Holz wie auch ein festes oder aufblasbares Beiboot sein, das gerudert oder von einem kleinen Außenborder angetrieben wird. Dinghys sind oft nur für ein bis zwei Personen geeignet. Größere Beiboote aller Art hingegen bezeichnet man als Tender. Megayachten sind in der Regel mit mehreren Tendern und Dinghys ausgestattet. Die bekanntesten Segeldinghys sind in Australien entwickelte 18-Footer mit Auslegern, die extrem schnell sind und von vier Personen gesegelt werden.

Displacement

Das Gesamtgewicht und damit die Verdrängung einer Yacht. Als Maßeinheit wird die Tonne verwendet. Das Displacement entspricht der Menge Wasser, die durch das schwimmende Schiff verdrängt wird. Große Segelyachten verdrängen zwischen 100 und 500 Tonnen, die größten Motoryachten noch erheblich mehr. Das durchschnittliche Displacement zum Beispiel einer 50 Meter langen Segelyacht liegt bei 300 bis 400 Tonnen. Wiegt eine so große Yacht nur 120 bis 150 Tonnen, spricht man von Light Displacement.

Dock-Express

Frachtschiff, das wie ein Schwimmdock geflutet werden kann, sodass selbst große Yachten auf eigenem Kiel hineinfahren können. Transportiert saisonbedingt Yachten über den Atlantik, im Herbst Richtung Karibik, im Frühjahr von dort Richtung Mittelmeer. Spezielle Dockschiff-Charter kommt vor, wie für das America’s Cup Jubilee 2001 in Cowes. Damals wurden vor allem Klassiker von den USA nach England und zurück transportiert, um die Yachten zu schonen. Dockschiff-Transport spart Zeit und ist kostengünstig, da die Crew beurlaubt werden kann.

Docksides

Bordschuhe der US-Firma Sebago/Maine. Die Form folgt den Mokassins der Indianer der nordamerikanischen Ostküste, oft vielfarbig im Design, immer wieder kopiert.

Dorade-Lüfter

Lüftertyp, erfunden von Rod Stephens, der eine drehbare Lüfterhutze auf einen Kasten stellte, durch den Luft, aber kein überkommendes Wasser ins Innere einer Yacht dringen sollte. Er wurde erstmals 1935 auf der berühmten Dorade seines Bruders Olin Stephens verwendet, der als Konstrukteur zahlreicher America’s Cup- und anderer erfolgreicher Rennyachten Geschichte schreiben sollte. Von Dorade, die 1936 die Transpazifikregatta sowohl gesegelt als auch berechnet gewann, erhielt die Rod-Stephens-Erfindung ihren Namen. Dorade-Lüfter gibt es bis heute vor allem auf New Classics. Auf Flushdeckern werden sie vermieden.

Drehflügel- Propeller

Segelyachtpropeller, dessen Flügel auf der Propellernabe mit der Maßgabe drehbar gelagert sind, sich bei Anströmung selbstständig in Stromrichtung zu drehen. Dadurch verringert sich ihr hydrodynamischer Widerstand beim Segeln auf ein Minimum. Bei Motorfahrt zeigen Drehflügel schlechte Wirkungsgrade: Damit sie in Segelstellung nicht die Propellerwelle drehen, geben Konstrukteure den Flügeln symmetrische Profile im Gegensatz zum Tragflügelprofil eines Motoryachtpropellers, mit gleich guter Wirkung vorwärts und rückwärts. Drehflügelpropeller gibt es als Dreiflügler, selten auch als Vierflügler.

Drei-DL-Segel

Die derzeit modernsten Segel, wie sie von vielen Renn- und einigen Megayachten gefahren werden. North-Sails in den USA ist die einzige Segelmacherei, die Drei-DL-Segel herstellt. Über eine einstellbare, dreidimensionale Form (daher die Bezeichnung Drei-DL) werden Folien gelegt. Auf die Folien legt eine computergesteuerte Maschine dünne Fäden aus hochfesten Garnen wie Carbon, Kevlar oder PBO. Die Anordnung der Fäden, die letzten Endes die Lasten aufnehmen, wird vom Segeldesigner vorgegeben. Anschließend wird eine weitere Folie aufgelegt und das Ganze getempert, um die Schichten dauerhaft miteinander zu verkleben. Nach dieser aufwändigen Methode produzierte Segel sind perfekt, aber auch teuer.

Drettmann

Start in den Sechzigern als Familienbetrieb an der Weser mit Secondhand-Motorbooten. Dieser Firmenzweig existiert bis heute. Juniorchef Albert D. übernimmt in den Neunzigern die Entwicklung der Elegance-Serie (bis 35 m), dann der Bandido-Serie (bis 27 m); heute am Markt mit Drettmann-Explorer-Yachten (bis 37 m) und Drettmann-Motoryachten (bis 40 m).

DSC-UKW

Seefunktelefon für den Frequenzbereich 152 bis 162 Mhz. Die 55 Kanäle des UKW-Seefunks eignen sich wegen der geradlinigen Ausbreitung nur für Nahfunkverbindungen von Schiff zu Schiff oder von Schiff nach Land und umgekehrt. DSC steht für Digital Selective Calling, eine Technik, die direkte Anrufe ohne den Umweg über den Anrufkanal 16 herstellt. Sie basiert auf 128 Binärzeichen, die neunstellige Rufnummern und damit Telefonieren wie an Land zulassen. DSC war die Voraussetzung für die Integration des UKW-Seefunks in das Seenotsystem GMDSS.

Dual-Range-Radar

Radarsystem, das auf einem Bildschirm zwei Radarbilder mit unterschiedlichen Reichweiten darstellt. Der Radarbeobachter ist damit in der Lage, sich einen Überblick über seine weitere Umgebung zu verschaffen und gleichzeitig Nahziele zu beobachten. Die Dual-Range-Technik teilt den Radarschirm elektronisch in zwei Bilder, nutzt jedoch die Signale von nur einer Drehantenne. Hinsichtlich der Bildauflösung stehen Dual-Range-Radargeräte konventionellen Anlagen mit gleicher Antennenspannweite in nichts nach.

"Dubai"

Mit 162 Metern Länge lange die größte Yacht der Welt, jetzt die Nummer zwein ach "Eclipse" (163 m). Liegt in Dubai, besitzt 45 Kabinen auf acht Decks, eine 60-köpfige Crew, einen Speisesaal für 90 Gäste und ein Tankvolumen von 1,3 Millionen Litern. Bau wurde in Deutschland begonnen und in Dubai beendet.

Dubois, Ed

Gründer – 1977 – und Chef des Design und Konstruktionsbüros gleichen Namens mit Sitz in Lymington/Hampshire, seit jüngerer Zeit auch mit Brokerage, Charter und Management beschäftigt. Schwerpunkt auf Segelyachten; zahlreiche Slup-Designs über 30 m für Alloy Yachts und Ketsch-Konstruktionen für Perini Navi; seit Oktober 2011 Arbeit an einer 100-m-Slup.

Dünung

Auch Schwell; Seegang nach Abflauen des Windes; D. führt vor Anker zu unkontrollierten und unangenehmen Bewegungen der Yacht; Zero-Speed-Stabilisatoren gleichen die D. dann aus.

Düse

Verengung eines Strömungsverlaufes, in der die Strömungsgeschwindigkeit größer und der Druck kleiner wird. Segelyachten nutzten lange Zeit die Düse zwischen überlappendem Vorsegel und Groß, um die Vortriebskraft der Segel zu erhöhen. Bei modernen Segelrissen wird keinWert mehr auf die Düse gelegt. Yachtkonstrukteure wissen heute, dass ein frei angeströmter schmaler Tragflügel mehr Vortrieb bringt und konzipieren deshalb schlanke, nicht überlappende Vorsegel, die zudem noch als selbsttätige Wendefock gefahren werden können. Fast alle modernen Performance-Cruiser auch im Megayachtbereich fahren seit einiger Zeit kaum noch überlappende Vorsegel.

Dykstra & Partners

Konstruktionsbüro in Amsterdam mit etwa einem Dutzend Mitarbeitern, gegründet 1969 von Gerard Dykstra. Schwerpunkte auf Rahseglern, Refits (J-Class "Velsheda"), Großyachten ("Maltese Falcon") und J-Class-Neubauten ("Hanuman"). Zusammen mit ➔ Reichel/Pugh, Designer der neuen "Hetairos" (67 m, bei Baltic Yachts).

Dyneema

Hochfeste Polyethylen-Faser, seewasserfest, schwimmfähig; Tauwerk aus D. ist reckfrei und für Schoten und Strecker erste Wahl. Ummantelungen aus Polyester erhöhen die Scheuerfestigkeit. D. macht Schotten und Aufbauten beschussfest.

E

ECDIS

Electronic Chart Display and InformationSystem, ein rechnergestütztes Navigationssystem, das den IMORegeln (International Maritime Organization) entspricht. Es präsentiert die Daten elektronischer Seekarten (ENC) und integriert GPS-Signale zur Bestimmung des eigenen Standortes.

"Eclipse"

Mit 163 Metern die zurzeit längste Motoryacht der Welt. Blohm + Vosslieferte sie 2010 an den Russen Roman Abramowitsch. Der Eigner ließ das Terence-Disdale-Design während der vierjährigen Bauzeit mehrere Male verlängern,um die Spitze in der Länge zuhalten. Interieur mit einer Grundflächevon 6000 Quadratmetern. Nautik undService erledigt eine 80-köpfige Crew.

Edelstahl

Stahl, dessen Eigenschaften durch Zulegierungen geeigneter Stahlveredler wie Chrom, Nickel, Vanadium, Molybdän oder Wolfram verbessert wurde. Edelstahl ist unmagnetisch und rostet nicht, er ist dadurch für den Einsatz an Bord von Yachten prädestiniert. Aus Edelstahl werden zum Beispiel Beschläge, Seerelinge und Winschen gefertigt. Für Kielfinnen von Megayachten, an denen tonnenschwere Bleibomben hängen, werden ausschließlich hochfeste Legierungen verwendet.

Eigner

Besitzer einer Yacht. Crews und Kapitän sprechen stets neutral vom "Eigner ", niemals von "Herrn X ". Von ihrem Eigner reden auch Broker, Werften und Designer. Alle unterscheiden zwischen guten und schwierigen Eignern. Der Eigner einer Yacht ist somit die Leitfigur, die schon beim Bau einer Yacht Einfluss darauf nimmt, ob sie ein "happy ship " wird: eine gepflegte Yacht mit Stil, der ihre Crew treu bleibt. Im Superyachting überlassen Eigner die seemännische Führung dem Kapitän, in der Regel auch das Management. Eigentümer einer Yacht. The Owner pays it all, so heißt der einschlägige Satz, der dem Bauherren den kostspieligen Platz an der Spitze der Pyramide bis hinab zu Werftzulieferern und Crew zuweist. Den E. seien darum Eitelkeiten verziehen. Wer partout kein E. werden will, der chartert stattdessen.

Einhandsegler

Männer und jüngst auch junge Frauenund Mädchen, die sich allein auf sich und ihre Yacht verlassen. Alain Colasregte den Bau des 75 Meter langen Viermasters "Phocea" an, mit dem er unter ihrem damaligen Namen "Club Méditerranée" 1976 an der Transatlantik-Einhandregatta teilnahm.

Eisklasse

Stufe der Eisfestigkeit einer Yacht. Die E. sind nicht einheitlich geregelt, sondern gehorchen den Bestimmungen der jeweiligen nationalen Klassifikationsgesellschaften. Die E. des Germanischen Lloyd korrespondieren mit den finnisch-schwedischen E.

"EOS"

Mit ihrer Länge von 92,92 Metern ganz oben im Ranking der Segelyachten. Auftraggeber der Lürssen-Konstruktion war der US-Medienmanager Barry Diller (Paramount, Fox). Der Eigner versteht es, "Eos" den Nimbus des Geheimnisvollen zu geben. Lürssen baute "Eos" drei Jahre lang unter striktem Verschluss. Auch fünf Jahre nach seiner Ablieferung ist wenig über diesen Dreimastschoner bekannt.

Epoxidharz

Wirkt in Verbindung mit Kohlefasern oder Aramidfasern als hochwertiger Faserverbundkunststoff für Rümpfe und Decks. Hohe Festigkeit bei relativ geringem Gewicht.

Erdung

Schutzmaßnahme bei elektrischen Anlagen. Zur Erdung wird häufig der Metallkiel verwendet, die meist einfachste und beste Lösung. Damit bei einem Kurzschluss oder Blitzeinschlag kein elektrischer Strom von Metallteilen überspringt, leitet die Erdung den gefährlichen Strom ab. Eine wichtige Forderung im Blitzschutz ist der konsequente Potenzialausgleich. Dazu verbindet man alle Ableitungen, das Rigg, den Kiel, die Minus-Pole der Bordbatterien und den Schutzleiter des Landnetzes mit der Erdungssammelleitung.

Explorer

Zu Megayachten umgebaute Forschungsschiffe oder Schlepper, neuerdings auch Neubauten in deren Stil. In der Regel äußerst seetüchtige, völlig unabhängige Yachten mit großer Reichweite und viel Platz an Deck für große Tender und zum Teil auch Hubschrauber. Einige Explorer sind auch für Fahrten im Eis gebaut. Yachttyp, der sich steigender Beliebtheit erfreut, oft mit Eisklasse. Zu den Pionieren der E.-Entwicklung gehört Dick Boons Design-Büro Vripack ("Turmoil", 1996). E. betonen in ihrem äußeren Styling gern die Nähe zur kommerziellen Schifffahrt. Aber nicht alles, was nach E. aussieht, kann in Sachen Reichweite und Seefestigkeit mithalten. Das E.-Image bewegt sich in Richtung Mode. Echte E. jedoch erkennt der Fachmann sofort.

Exterieur

Das Äußere einer Yacht im Gegensatz zum Inneren, dem Interieur. Das Design des Exterieurs übernahm früher der Konstrukteur, heute wird ein Designer beauftragt, häufig der Interieur-Designer einer Yacht. Das Exterieur umfasst die Gestaltung der Decks und umfasst auch sämtliche technische Einrichtungen, die sich dem Exterieur unterordnen. Völlig neue Exterieurs schuf Jon Bannenberg, indem er Decks, Aufbauten und Masten zu einer Einheit zusammenführte. Das Exterieur ist heute die Visitenkarte einer Motoryacht. Beispiele für extreme Außengestaltung sind die grauen Lürssen-Bauten "Izanami" und "Skat"

F

Fall

Laufendes Gut zum Setzen eines Segels aus Draht oder Tauwerk, wobei es auf ein möglichst reckarmes Material ankommt. Auf modernen Megayachten mit hohen Masten ausschließlich Tauwerk wie Vectran, Dyneema oder Zylon. Ein 24 Millimeter durchmessendes Vectran-Fall hat eine Bruchlast von über 24 Tonnen. Aufgrund der enorm hohen Lasten im Tauwerk von bis zu 35 Tonnen übernehmen auf Superseglern meist leistungsstarkekaptive Winschen die Arbeit am F.

Falt-Propeller

Propeller mit zwei oder drei Blättern für Segelyachten. Bei gestoppter Maschine klappen sie durch die Fahrt der Yacht selbstständig zusammen und verringern so den Widerstand im Vergleich zum Festpropeller um rund 90 Prozent, bei einem allerdings etwas schlechteren Wirkungsgrad. Große Yachten sind mit eigens angefertigten Falt- oder Verstellpropellern ausgestattet.

Faserverbund-Werkstoff

Materialien, die aus einer Kombination aus Kunststofffasern mit Schaum, Holz oder Kevlarwaben bestehen. Faserverbund-Werkstoffe übertreffen die Festigkeitswerte traditioneller Materialien wie Stahl, Aluminium, Holz oder Volllaminat bei weitem, sind aber deutlich leichter. Die Verbindung der einzelnen Werkstoffe erfolgt durch spezielle Harze, die unter Druck und Hitze aushärten. Man setzt Verbundwerkstoffe aus Kohlefaser und Aramidwaben im Chassisbau der Formel-1-Rennwagen, aber auch beim Bau von Performance-Megayachten ein ("Mari Cha").

Feadship

Ein Firmenzusammenschluss aus den zwei Werften Royal Van Lent und Koninklijke De Vries Scheepsbouw und dem Konstruktionsbüro De Voogt NavalArchitects. 1949 gründete sich diese auf den Bau von Yachten spezialisierte Vereinigung mit dem Ziel, den Export von Booten und Yachten zu forcieren. Der Name F. steht für First Export Association of Dutch Shipbuilders und heute für höchste Qualität beim Bauvon Superyachten. Seit den Anfangstagen lieferte F. 225 Yachten ab. Zu den spektakulärsten Formaten zählt neben "Predator" (2008) und "Air" (2011) die 2004 gewasserte 86 Meter lange "Ecstasea", die dank einer marinisierten Boeing-737-Gasturbine und vier MTU-Dieseln auf 36 Knoten Topspeed kommt. Heute baut F. mit der F45 Vantage und der SL39-Plattform auch Semi-Custom-Linien.

Fender

Meist aus Kunststoff gefertigte scheuerfeste Schutzkörper, die die Außenhaut einer Yacht am Liegeplatz vor Berührungen mit anderen Booten und der Kaimauer bewahren. Auf Gigayachten gern bis zu zwei Meter lang.

Ferragamo, Leonardo

Italienischer Geschäftsmann und Sohn des Modefürsten Salvatore Ferragamo. Der leidenschaftliche Segler übernahm 1998 die finnische Werft Nautor’s Swan. Seit dieser Zeit arbeiten die Bootsbauer unter italienischem Management und nach den klaren Designvorstellungen der Südeuropäer.

Ferretti

Größte Yachtbaugruppe der Welt, die allein in diesem Jahr 76 Yachten mit einer Gesamtlänge von 2427 Metern abliefern wird. Zu F. gehören die acht Tochterfirmen Pershing, Itama, Bertram, Riva, Mochi Craft, CRN, CustomLine und Ferretti-Yachts. Seit Anfang des Jahres ist F. in der Hand der Shandong Heavy Industry Group. Die Chinesen übernahmen 75 Prozent der Aktien des berühmten italienischen Unternehmens.

Festigkeit

Darunter versteht man die Widerstandskraft, die feste Stoffe und zusammengesetzte Körper einer Verformung oder mechanischen Zerstörung entgegensetzen. Man unterscheidet verschiedene Arten: Biege-, Druck-, Reiß-, Zug- und Scher- oder Schubfestigkeit. Bei großen Yachten kommt es auf die Festigkeit von Rumpf, Deck und Aufbauten in Längs- und Querrichtung an, die sich zum Beispiel mit der Methode der finiten Elemente, die Belastungen aller Art im Computer simuliert, recht gut überprüfen lässt.

Fincantieri

Das größte italienische Schiffbauunternehmen ist für den Bau von Kreuzfahrt- und Marineschiffen bekannt und engagiert sich mit ihrer Sparte Fincantieri Yachts seit 2005 im Yachting. Mit der 134 Meter langen "Serene" launchte die Werft inLa Spezia ihre erste Superyacht.

Finish

Im Yachtbau in erster Linie die letzte Behandlung der Oberflächen vor der Übergabe an den Eigner, beim Exterieur und beim Interieur. Bei Segelregatten der Kampf auf den letzten Meilenvor dem Erreichen der Ziellinie.

Finnland

Republik in Nordeuropa und Sitz der renommierten Yachtbaubetriebe Baltic und Nautor’s Swan. Beide Werften sind spezialisiert auf qualitativ hochwertige Super-Segelyachten. Baltic gilt als erste Adresse für Ultraleichtbauten wie "Visione" (2002) oder "Hetairos" (2012), während Nautor auf Semi-Custom-Formate ab 60 Fuß Länge setzt.

First Ship Home

Die Yacht, die als erste die Ziellinie überquert, den Kurs also als Schnellste absolviert. Jedes bedeutende Race setzt Preise für die schnellste Yacht aus, beim Daimler-Chrysler-Rennen 2003 von Newport nach Cuxhaven ist es die "Hamburgischer Verein Seefahrt Jubilee Trophy". Der tatsächliche Regatta-Sieger wird nach berechneter Zeit ermittelt. Dazu wird die gesegelte Zeit mit einem Faktor multipliziert, der das Geschwindigkeitspotenzial einer Yacht repräsentiert.

Fisherman

Viereckiges Segel auf mehrmastigen Segelyachten, das zwischen den Masten gesetzt wird. Das klassische Fisherman stammt von Schonern und wird mit dem Vorliek am vorderen Mast gesetzt. Die obere Schot läuft über den Top des Großmastes, die untere durch einen Block auf dem Achterdeck. Moderne ketschgeriggte Perini Navis fahren über dem Achterliek des Großsegels ein ebenfalls als Fisherman bezeichnetes, einrollbares Stagsegel, dessen Schot über einen kurzen Traveller im Besantop läuft.

Flagge

Nationale, die angibt, in welchem Schiffsregister welchen Landes eine Yacht eingetragen ist. Eine Yacht unterliegt damit den Vorschriften und Gesetzen des Landes, unter dessen Nationalflagge sie fährt, was Auswirkungen auf Zulassungsvorschriften, Spezifikation, Personal und steuerliche Einordnung bedeutet. Das auch bei Yachten immer noch übliche "Ausflaggen" erlaubt in der Regel keine Rückschlüsse auf die Nationalität eines Eigners. Eine vielgefragte Flagge im Yachting ist zur Zeit die von Luxemburg.

Flügelkiel

Seitdem der Zwölfer "Australia" 1983 mit einem Flügelkiel als erste nichtamerikanische Yacht überraschend den America’s Cup gewann, hat sich diese Kielkonstruktion insbesondre auf großen Segelyachten durchgesetzt. Wenn es darum geht, ein bestimmtes Kielgewicht unterzubringen ohne gleichzeitig den Tiefgang zu erhöhen, greifen Konstrukteure zu Flügelkielen. Flügel an der Unterkante eines Kieles tragen auch zu besseren Kreuzeigenschaften bei, weil sie einen Druckausgleich zwischen Luv- und Leeseite des Kiels verringern.

Flushdeck

Bei Segel- und dort vorwiegend bei Regattayachten verwendete Konstruktion ohne störende Aufbauten. Bei größeren Yachten auch Design-Stilmittel (Wally "Esense"). Skylights und Luks sind meist bündig eingelassen, an Deck ausschließlich stehendes Gut wie Rudersäulen, Winschen.

Flybridge

Offener Steuerstand, bei großen Yachten meist der vordere Abschluss des Sundecks, oft durch Bimini-Sonnensegel geschützt. Mit wachsender Länge der Segelyachten gehört eine F. auch hier zum Oberdeck, zu sehen vorwiegend bei Perini-Navi- und Alloy-Konstruktionen ab 45 m Länge.

Fort Lauderdale

Veranstaltungsort der International Boat Show, größte Yachtmesse auf dem amerikanischen Kontinent und weltweit größte In-Water-Show, jährlich im Oktober; wichtiger Messeplatz auch für europäische Werften von Azimut über Feadship bis zu Lürssen.

Foster and Partner

Britisches Architekturbüro, weltweittätig mit zahlreichen Niederlassungen.Großarchitektur und Produktdesign fürAlessi, Artemide, Thonet; Neubau desYachtclub de Monaco, Styling einerersten Motoryacht "Izanami", heute "Ronin" (Lürssen, 1993, 59 m); danach YachtPlus 40 "Emerald" (Yacht-Plus, 2009) und Styling für "Panthalassa"(Perini Navi, 2009, 56 m).

Fotograf

Beruf mit hoher Spezialisierung undFlexibilität. F. sind unterwegs auf Regatten, für Interieur-Design mit mobiler Studioausrüstung, als F. für Außenaufnahmen oft mit dem Heli bei weltweiten Shootings.

Fraser Yachts

Broker, gegründet 1947, mit Niederlassungen in London, Palma, Monaco und Zypern, Fort Lauderdale, Casa de Campo, Mexico City, San Diego und Seattle; klassische Geschäftsfelder wie Vermittlung, Charter, Unterstützung bei Neubau samt Auswahl der Werft und Designer, Yachtmanagement und Crewservice.

Freibord

Abstand von der Oberkante des Decks bis zur tatsächlichen Wasserlinie, mittschiffs senkrecht gemessen. Element der Gesamtkonstruktion, Funktion von Design und Performance. F. ist nicht zuletzt auch eine Frage der Optik.

Frers, Germán

Argentinischer Designer (*1941) mit Büros in Buenos Aires und Mailand, mit Sohn Germán jr. in der dritten Generation in der Branche. Nach Lehrjahren beim Vater Chefdesigner bei Sparkman & Stephens bis 1968; seither mehr als 500 Konstruktionen, besonders für Nautor’s Swan und Wally; 2010 Design-Auftritt mit der ersten Motoryacht ("Pacific", Lürssen, 85 m).

Furler

Erleichterung zum Reffen und Bergen der Segel. Mithilfe elektrischer oder hydraulischer Unterstützung rollen F. Segel in Baum und Mast oder auf Stagen. Für Großyachten führt Reckmann bei Hamburg den Markt an.

Fuss

Britisches Längenmaß, entspricht 30,5 Zentimetern. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich die Längenangabe von Yachten in Fuß ebenfalls durchgesetzt.

Future Fibres

Entwickler und Hersteller von Mast und Riggkomponenten aus Hightech-Material. Gegründet 1997 von Tom Hutchinson. Ausrüstungen für das Volvo Ocean Race, für America’s Cup, Wally-Range und avantgardistische Leichtbauprojekte wie "Hetairos".

G

Galley

Küche einer Yacht. Auf Megayachten gehört die Galley zu den wichtigsten Arbeitsplätzen, da mehrmals täglich mehrgängige Menüs zubereitet werden. Sie sind deshalb mit den modernsten Geräten und reichlich dimensionierten Kühl- und Gefrieranlagen ausgestattet. Auf großen Yachten gibt es häufig noch eine oder mehrere Pantrys, kleine Küchen zum Anrichten und Warmhalten von Speisen.

Gasturbine

Hochtouriges Antriebsaggregat einer Hand voll Eigner. Yachtturbinen sind meist marinisierte Flugzeugturbinen mit Drehzahlen von bis zu 8000 1/min, die spezielle Getriebe auf Waterjet-Drehzahl (450 1/min) bringen. In Yacht-Gasturbinen strömt ein durch Verbrennung von Dieselöl bis 850 °C aufgeheiztes Gas-Luftgemisch mit hohem Druck durch eine Reihe von Turbinenrädern. Die Strömungsenergie versetzt sie in Rotation. Für Manöverfahrt wird zusätzlich ein Dieselantrieb eingebaut. Turbinen-Antriebe sind selten, ("Eco", "Fortuna") und sie sind Spritfesser.

Gelcoat

Deckschicht von faserverstärktem Kunststoff. Der Gelcoat enthält keine Glas-, Kevlar- oder Kohlefasereinlage, sondern nur Farbe und Füllstoff. Diese erste, mit höchster Sorgfalt in die Form eingestrichene Harzschicht steht für das Finish einer Yacht, ist jedoch nicht völlig druckwasserdicht. Lufteinschlüsse innerhalb des faserverstärkten Harzaufbaus führen im Unterwasserbereich zur Bläschenkrankheit (Osmose). Der Gelcoat braucht deshalb unterhalb der Schwimmwasserlinie einen extra Anstrich.

Gennaker

Ein spezielles Raumschotssegel, das aus dem Regattasport kommt und eine Alternative zum Spinnaker bei leichtem Wind ist. Es handelt sich um ein asymmetrisches Segel mit sehr langem Vorliek. Der Hals wird deshalb entweder direkt am Stevenbeschlag oder an dem extrem niedrig eingestellten Spinnakerbaum gefahren. Es ist nur für Kurse mit raumem Wind geeignet. Eine Halse ist etwas problematisch, da der Gennaker mit seinen Schoten vor dem Vorstag

Geräteträger

In Mast oder Aufbau integrierte Konsole zur Halterung von Antennen, Positionslaternen, Tyfonen, Suchscheinwerfern. Geräteträger sind prägender Bestandteil der Silhouette einer Motoryacht. Werften müssen immer mehr Dome für Navigation, Kommunikation und Television unterbringen, die allesamt möglichst frei strahlen sollen. Designer geben Geräteträgern die Form eines Flügels am Aufbauende (Azimut), formen ihn zum schützenden Dach über dem Sonnendeck (Cantieri di Pisa) oder nutzen ihn als luftigen zweiten Steuerstand (Skat). Auf der Benetti My Way ist der Geräteträger gar Teil eines Kranauslegers. Segelyachten fahren meist einen reizlosen Pfosten am Heck oder nutzen die erste Saling als Geräteträger.

Gleiter

Yachten mit Konstruktionsmerkmalen, die sie schneller machen als ihre theoretische Rumpfgeschwindigkeit (Vrumpf = 2,43 x Wurzel(LWL)) es zulässt. Im Gegensatz zu Verdrängern, die sich nicht von ihrer selbst erzeugten Welle lösen können, reiten Gleiter auf der eigenen Bugwelle (und erreichen Froud’sche Zahlen bis zu 4,88). So ins Gleiten kommen nur ausgesprochene Leichtdeplacements, die ein im Heck breites, flach auslaufendes Unterwasserschiff vorweisen. Den idealen Gleitrumpf besitzen Surfboards. Yachten machen ihre höhere Verdrängung durch hohe Antriebsleistung wett (Profilsegel, Gasturbinen) die für den Übergang vom Verdränger- in den Gleitzustand erforderlich ist. Im Gleitzustand selbst ist nur noch ein Bruchteil dieser Leistung nötig.

Globalstar

Das Satelliten-Kommunikationssystem wurde 1991 in den USA gegründet. Globalstar arbeitet mit 48 Satelliten, die in niedrigen Umlaufbahnen die Erde umkreisen. Abgedeckt ist die gesamte Nordhalbkugel sowie Südamerika und Australien. Die großen Ozeane gehören nicht dazu. Das Unternehmen bietet Endgeräte für Telefonie und Datenübertragung an.

GMDSS

Steht für Global Marine Distress and Safety System (Weltweites Seenot- und Sicherheitssystem für die Schifffahrt). Es ersetzt das ehemalige Sicherheitssystem, das auf Morse (500 kHz), UKW (Kanal 16) und Kurzwellen-Sprechfunk (2182 kHz) basierte. GMDSS ist ein weitgehend automatisiertes System, das über Satelliten und digitalen Selektivruf funktioniert. Es wurde von der IMO (International Maritime Organization), der fast alle seefahrenden Nationen angehören, 1974 als SOLAS (Safety of Life at Sea) ins Leben gerufen und heißt seit 1988 GMDSS. Die darin enthaltenen Vorschriften sind für alle Berufsfahrzeuge ab 300 BRT bindend.

Gösch

Bugflagge der Kriegsschiffe - in einigen Ländern auch bei Handelsschiffen üblich - die gehisst wird, wenn das Schiff im Hafen ankert oder festgemacht hat. Die Gösch stammt von den Geusen, den niederländischen Freiheitskämpfern des 16. Jahrhunderts. Sie setzten am Bug eine zweite Flagge, weil es häufig vorkam, dass die Hauptflagge ihrer Schiffe im Seegefecht mit den spanischen Unterdrückern weggeschossen wurde.

GPS/DGPS

Steht für Global Positioning System, das D davor für Differential. GPS ist ein weltweit funktionierendes Navigationssystem, mit dessen Aufbau das amerikanische Verteidigungsministerium 1978 begann. Es handelt sich um 24 Satelliten, die ständig ihre Bahndaten senden, sodass geeignete Empfänger daraus ihre genaue Position berechnen können. 1995 wurde GPS als voll funktionsfähig erklärt. Die Satelliten senden getrennte militärische und zivile Codes. Die Genauigkeit der zivilen Daten war bis vor drei Jahren nicht so hoch wie die der militärischen, sodass das Differential-System entwickelt wurde. Dabei werden die Abweichungen der berechneten von der tatsächlichen Position an Land gemessen und per Funk an die Empfänger übertragen, die wiederum ihre berechnete Position korrigieren. Mit DGPS wird eine Genauigkeit von wenigen Metern erreicht.

Gym

Angelsächsische Bezeichnung für eine Fitness-Einrichtung, von Gymnasium. Auf großen Yachten eine Selbstverständlichkeit, häufig in Verbindung mit Panorama-Blick, mittlerweile auch auf Yachten unter 100 Fuß durchaus vorhanden.

H

Handikap

Individuelle Größe, die es (wie beim Golf) ermöglicht, dass unterschiedlich große Segelyachten bei Regatten gegeneinander antreten können. Zur Ermittlung des Handikaps muss eine Yacht zunächst vermessen werden. Aus diesen Daten wird ein Rennwert berechnet, aus dem sich ein Korrekturfaktor ergibt, mit dem man die gesegelte Zeit multipliziert. Das Ergebnis ist die gerechnete Zeit. Eine Yacht, die als erste die Ziellinie überquert, ist deshalb nicht unbedingt auch die Siegerin nach gerechneter Zeit. Es gibt weltweit verschiedene Vermessungsformeln mit unterschiedlichen Handikap-Systemen, die ständig geändert werden. Die wichtigsten sind derzeit IMS (International Measurement System) und IRC/IRM (International Rule Club/Measured).

Heck

Hinterer, den Charakter einer Yacht bestimmender Teil des Rumpfes. Während Spitzgatt- und Kanuhecks nur noch Klassiker zieren, besitzen moderne Yachten ein Spiegelheck. Unter Wasser sind sie so ausgeformt, dass Schraubenwasser möglichst glatt an einer scharfen Kante ablaufen kann. Über Wasser gleichen sie Bühnen mit breiter Badeplattform und Treppen zum Hauptdeck. Und sie sind Entree. Denn Kapitäne legen eine Yacht mit dem Achterschiff zum Land an die Pier. Das Heck gibt einen ersten Eindruck von einer Yacht.

Hecksee

Das vom Rumpf mitgerissene, auch Mitstromfeld genannte Wasser hinter dem Heck einer Yacht. Die Hecksee steht für die Güte des Rumpfes. Verläuft sie glatt und ohne Verwirbelungen, hat der Konstrukteur gute Linien abgeliefert. Aufgewühlte Hecksee zeugt von Linien, die nicht zu der gefahrenen Geschwindigkeit passen. Übermotorisierte Yachten ziehen einen wahren Springbrunnen hinter sich her.

Helikopter

Status-Symbol, aber auch wichtiges Transportmittel für Eigner, ihre Yacht zu erreichen oder wieder zu verlassen. Helikopter sind wenig seewasserresistent und deshalb häufig come and go Helis. Auf Yachtdecks landen sie dann für einen kurzen touch down, um anschließend eine Basisstation an Land aufzusuchen. Ein geschlossener Hangar an Bord ist mit von einer Yacht kaum zu erfüllenden Vorschriften verbunden. Die damit angestrebte Sicherheit realisieren nur wenige 70-Meter-plus-Yachten. Heli-Piloten setzen ihr Fluggerät auch auf ein fahrendes Landedeck. Sie fliegen es von schräg achtern an und verwenden an Bord installierte elektronische Anflughilfen. Primär sind sie jedoch auf die Hilfe des Kapitäns angewiesen, der seine Yacht in den Wind steuert. Bei starkem Seegang ist eine sichere Landung kaum möglich.

his & hers

Getrennte Bäder für Eigner und Frau, statt eines gemeinsamen großen Eignerbades. Besonders auf großen Motoryachten werden häufig für ein Paar unterschiedliche Badekabinen konzipiert. His ist gelegentlich kleiner und verfügt nur über eine Dusche, Hers hat neben einer Badewanne noch einen separaten Schminktisch. Auch die Gestaltung unterscheidet sich häufig, in der Regel im Farbton des verwendeten Marmors.

Holz

Nach wie vor das klassische Material für Decks. Teakholz in guter Qualität ist immer schwieriger zu beschaffen, insbesondere in den für große Yachten aus optischen Gründen notwendigen Längen. Komplette Yachten aus Holz werden nur noch sehr selten gebaut, eines der jüngsten Beispiele ist die 43 Meter lange Bruce-King-Ketsch Hetairos, die 1993 bei Abeking & Rasmussen komplett aus Mahagoni entstand. Große Werften legen sich auf Jahre ein eigenes Teak- und Mahagoni-Lager hin, um vom Markt unabhängig abgelagertes Holz zur Verfügung zu haben. Für den Innenausbau werden praktisch alle Holzarten genutzt, handverlesen und aufwändig von spezialisierten Inneneinrichtern verarbeitet.

Hubkiel

Auf Segelyachten ein aufholbarer Ballastkiel, um den Tiefgang zu verringern. Viele schöne Ankerplätze und Häfen können mit Tiefgängen von vier Metern und mehr nicht angelaufen werden. Die Hubkiele von Megayachten werden hydraulisch oder elektrisch bedient, die Segeleigenschaften mit gefiertem Ballastkiel sind mit denen von Festkielyachten durchaus vergleichbar.

Hydrodynamik

fasst das eine fahrende Yacht umströmende Wasser in feste Regeln, explizit die Strömungsgeschwindigkeit und die (hydrodynamischen) Drücke am Rumpf. Eine Yacht soll dem Wasser so wenig Widerstand wie möglich entgegensetzen. Kenntnisse der Hydrodynamik helfen dem Konstrukteur, das zu erreichen. Das Wasser soll möglichst laminar und ohne bremsende Wirbelzöpfe am Rumpf entlanglaufen. Es geht wesentlich um den Eintrittswinkel des Stevens und um die Ausbildung des Unterwasserschiffs im Heckbereich. Die Ausbildung der Wellenberge und -täler am Rumpf folgt der Hydrodynamik, sie sind abhängig von der Fahrt durchs Wasser. Der Konstrukteur kann sie mit mehr oder weniger Bauch im Rumpf beeinflussen.

I

IMS/IRC/IRM

International Measurement System. Es löste in den 90er Jahren die alte IOR (International Offshore Rule) als allgemeingültige Vergütungsformel für Rennyachten ab. Zur Vermessung wird der Rumpf elektronisch abgetastet. Aus den Linien und vielen anderen relevanten Daten wie Segelfläche und Crewgewicht errechnet ein Computer-Programm den Rennwert. IMS ist im Topp-Regattabereich nach wie vor aktuell, auch wenn sich IRC und IRM weiter durchsetzen, neue Vermessungsformeln, mit denen Yachten aller Typen und Größen bei Regatten gegeneinander bewertet werden. IR steht für International Rule, die Zusätze C für Club und M für Measured. Club ist die einfache Variante, nach der ein Messbrief ohne konkrete Vermessung auf Basis von Informationen der Designer erstellt wird. Für ein IRM-Zertifikat ist dagegen eine aufwändige Vermessungsprozedur erforderlich. Nach IRC können auch Megas mit hydraulischen Winschen gegen reine Rennboote antreten, auf denen die Crew per Hand kurbeln muss. Vielfach wird sowohl nach IMS als auch nach IRC gewertet.

Inmarsat

Kommerzielle Organisation, die geostationäre Kommunikationssatelliten betreibt. Zur Zeit stehen vier Satelliten in 36000 Kilometern Höhe über der Erde, zwei über dem Atlantik und je einer über dem Indischen und dem Pazifischen Ozean. Inmarsat bietet verschiedene Dienste an, die mit Buchstaben gekennzeichnet sind: A, B, C, D, E und F. Dabei handelt es sich um unterschiedlich schnelle Sprach- und Datenverbindungen. Der jüngste Dienst F bietet ISDN-Geschwindigkeit.

Interface

Verbindungsfähigkeit elektronischer Geräte untereinander. Dabei traten früher häufig Probleme auf, wenn ein Gerät die Daten eines anderen nicht verstand. Für den Marinebereich entwickelten die Amerikaner deshalb den Standard NMEA (National Marine Electronics Association), der jetzt weltweit anerkannt ist. Moderne elektronische Geräte auf Yachten sind untereinander durchweg kompatibel.

Interieur

Einrichtung einer Yacht. Sie macht bei großen Motoryachten einen hohen Prozentteil der Baukosten aus und ihr Einbau frisst Zeit. Auf das Interieur von Yachten spezialisierte Inneneinrichter gibt es erst seit einigen Jahrzehnten, viele entstammen der Schule von Jon Bannenberg, der das Yacht-Interieur (abweichend vom reinen Schiffs-Interieur) begründete. Nach wie vor richten auch Interieur-Generalisten Yachten ein, etwa Phillip Starck oder Cabinet Alberto Pinto. Interieur-Designer entwickeln nicht nur den dekorativen Stil einer Yacht, sondern auch ihr Interieur-Layout, die Aufteilung des zur Verfügung stehenden Raumes mit angrenzenden Freiflächen. Ihre Vorgaben sind unterschiedlich und reichen von Handskizzen bis zur technisch ausgereiften Vorlage. Hergestellt wird ein Yacht-Interieur von Werften mit eigener Tischlerei, häufiger jedoch von qualifizierten Inneneinrichtern. Sie bauen das Interieur komplett zusammen, nehmen es wieder auseinander und fügen es dann in die Yacht ein. Immer bessere Computer-Vorlagen und Vermessungs-Methoden erleichtern den Innenausbauern die Arbeit an Bord. Auf großen Formaten teilen sich mehrere Innenausbauer die gewaltigen Volumina. Kostbare Yacht-Interieurs haben den Mythos Yacht begründet, kein Thema bewegt die Klatschpresse mehr als der Blick in marmor-gekachelte Bäder mit goldenen Wasserhähnen. Dass die Entwicklung eines funktionierenden Interieurs eine anspruchsvolle Aufgabe ist, die an Komplexität die Inneneinrichtung einer Villa weit übersteigt, wird aus der Schlüsselloch-Perspektive übersehen.

J

J-Klasse

Königsklasse des America's Cup aus den 30er Jahren, Inbegriff der Eleganz unter Segeln. Nur zehn der Slups mit den gewaltigen Riggs und riesigen Segelflächen wurden gebaut, vier in Großbritannien, sechs in den USA. Drei der britischen existieren noch: "Endeavour", "Velsheda" und "Shamrock V". Die Konstruktionskriterien waren: Länge Wasserlinie zwischen 24 und 26,50 Meter, Länge über alles 36,60 Meter oder länger, Verdrängung maximal 160 Tonnen.

Joystick

Von Computer-Spielen übernommenes Bediengerät für hydraulische, elektrische und elektronische Funktionen. An Bord ersetzen Joysticks die Druckknopfsteuerung, lassen das Bugstrahlruder nach links oder rechts schieben, fieren oder hieven den Anker. Sie können sämtliche Segelfunktionen kontrollieren und so die Crew reduzieren. "Joystick-Yachten" setzen sich immer mehr durch, von Traditionalisten werden sie verachtet.

K

Katalysator

Abgasreiniger, der chemische Reaktionen auslöst, ohne sich selbst zu verändern. Hersteller rüsten die Abgassysteme von Yachtmotoren mit Katalysatoren aus, wenn extrem niedrige NOx-Werte gefordert sind. Katalysatoren wandeln die bei der Verbrennung erzeugten Stickoxide in die harmlosen Stoffe Stickstoff, Wasser und Kohlendioxid um. Die am häufigsten angewandte SCR-Methode (Selective Catalytic Reduction) reduziert die Stickoxide zu 90 Prozent. Diese Kats benutzen Harnstoff oder Ammoniak als aktiven Wirkstoff, was große Tanks im Motorraum erfordert. Eine Alternative sind NTP-Katalysatoren (Non Thermal Plasma), die ionisierte Gase verwenden und deswegen elektrische Energie verbrauchen. Stickoxidverhindernde Primärmaßnahmen sind: Common-Rail-Einspritzung, serienmäßig an MTU-Motoren, und elektronische Ventilsteuerungen, mittlerweile Bestandteil aller Yachtmotoren.

Katamaran

KatamaranDoppelrumpfyacht, die die Schnelligkeit schlanker mit der Stabilität breiter Rümpfe in einem Fahrzeug vereint. Segelkatamarane setzen nahezu alle Segelkraft in Fahrt um, da sie nicht krängen. Die Verbindung beider Rümpfe stellt deshalb hohe Anforderungen an ihre Konstruktion. Katamarane gehen wenig tief, eignen sich daher besonders für flache Gewässer. Die Antriebe von Motor-Katamaranen sind zumeist Waterjets, einer oder zwei hinter jedem Rumpf. Doppelrumpf-Yachten sind im Luxus-Segment eher eine Seltenheit. Denn das Verkaufs-Argument "große Breite" ist vor allem für kleine Yachten ein attraktiver Vorteil.

Kavitation

Durch hohe Strömungsgeschwindigkeit entstehender Hohlsog, Unterdruckbereiche, namentlich an Propellern, Turbinenschaufeln, Wellenböcken, Ruderblättern, in denen der statische Druck unter den Wasserdampfdruck sinkt. Es bilden sich implodierende Dampfblasen, die Material aus der Oberfläche reißen. Insbesondere Propeller sind ihnen ausgesetzt. Propellerbauer bemühen sich, die Kavitation durch konstruktive Maßnahmen hinter die Flügelaustrittskante zu legen, wo sie keinen Schaden anrichtet. Oder sie belüften den Propeller, tauchen ihn nur halb und füllen auf diese Weise die Unterdruckblasen mit atmosphärischem Druck. Kavitation erkennen wir an laut knarrenden Geräuschen unter dem Heck, die sich wie ein Getriebeschaden anhören.

Ketsch

Segelyacht mit zwei Masten, von denen der (hintere) Besanmast vor dem achterlichsten Punkt der Konstruktionswasserlinie und (meist) vor dem Steuerstand liegt. Da der Besan deutlich kleiner als der Großmast ist, sprechen wir auch von eineinhalbmastigen Yachten. Die Ketsch ist der meist verbreitete moderne Zweimaster, ihre Takelung zeigt sich der des Schoners aerodynamisch überlegen. Ein weiterer Vorteil der Ketschtakelung liegt in ihrer guten Bedienbarkeit und der Unterteilung der Segelfläche in handliche Segel. Perini Navi-Yachten sind ketschgetakelt.

Kiel

tiefster Mittellängsverband eines auf Spanten gebauten Yachtrumpfes. Der Kiel verbindet Vorsteven und Achtersteven (Spiegel) miteinander und trägt die Spanten. In einer Form laminierte Segelyachtrümpfe besitzen ein Kielfundament, auf die der Kiel gebolzt wird. Diese Kiele bezeichnen wir als Anhänge. Sie sind profiliert (NACA-Profil) und tragen ihren Ballast in einem strömungsgünstig geformten unter der Flosse montierten Torpedo. Mit speziellen Fundamenten und Vorrichtungen gibt es sie als Hub- oder Faltkiel (Jongert), um den Tiefgang verringern oder als Kippkiel (Wally, Baltic) am Wind die Stabilität der Yacht erhöhen zu können.

Klampe

Decksbeschlag mit zwei Hörnern zum Belegen eines Festmachers. Es gibt sie in vielfacher Form. Yachten fahren heute versenk- oder abklappbare Konstruktionen, um ein glattes Deck ohne Stolperfallen sicherzustellen. Als Designer-Stück zieren sie manchmal den Eigner-Schreibtisch.

Klasse/Klassifikation

Qualitätszertifikat, das Klassifikationsgesellschaften, wie der Germanischer Lloyd (GL), Lloyd's Register of Shipping (LRS) oder American Bureau of Shipping (ABS), für nach ihren Bauvorschriften gefertigte Yachten vergeben. Klasse ist das Kürzel für Klassifizierung. Die vollständige Klasse beschreibt Bauausführung und Zustand der gesamten Yacht, also den Rumpf und die Ausrüstung der Yacht. Sie ist gekennzeichnet durch ein Malteser Kreuz mit Zahlenfolge: GL +100A5, LRS +100A1 oder ABS +A1 für eine Segelyacht und ABS +A1-AMS für eine Motoryacht. Andere Ziffern- oder Buchstabenfolgen, wie GL +MC, stehen nur für das geprüfte Motorsystem. Die Klasse garantiert den Versicherungen Güte und Befähigung einer Yacht, ein bestimmtes Revier zu befahren, dem Eigner gibt sie Sicherheit. Nach einer Havarie erlischt die Klasse, nach der Reparatur erstellen Gesellschaften sie neu.

Klassiker

Yachten, deren Linien unser Auge, allen modernen Einflüssen zum Trotz, als schön empfindet. Klassische Linien folgen dem Verlauf der Stromfäden des Wassers und harmonieren mit seinem natürlichen Verlauf. Man kann sie nicht verbessern. Die alten Zwölfer sind Klassiker oder die Drachen. Klassiker nennen wir auch Yachten, deren Form einer Bestimmung folgt. Sie entstammen zumeist Arbeitsbooten deren Linien und Silhouetten in Yachten weiterleben, etwa Motoryachten mit Bugspriet und Klippersteven oder Colin-Archer-Yachten mit Kutterlinien.

Kohlefaserv

auch Karbon. Komposit-Verstärkungsmaterial für Masten, aber auch für hochbelastete Teile des Rumpfes. Kohlefasern liefern Hersteller in verschiedenen Sorten und Filamentdurchmessern. Sie bieten sehr hohe Festigkeits- und Steifigkeitswerte unter Zug- und Druckbelastung. Ihre Stoßfestigkeit ist dagegen gering. Mastenbauer verwenden Kohlefaser-Gewebe und wickeln sie getränkt mit Harz zu Mastprofilen. Rumpfverstärkungen nutzen Karbon-Fasergelege.

Konstrukteur

Naval Architect, der die Rumpflinien einer Yacht entwirft. Er berechnet ihre Stabilität, die benötigte Antriebsleistung und die Festigkeit der Konstruktion. Konstrukteure schufen früher grundsätzlich auch die unverkennbare Silhouette einer Yacht. Heute wird für das Exterieur häufig zusätzlich ein Designer eingeschaltet, wodurch der Stammbaum einer Yacht sich nicht mehr so klar definieren lässt wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Nicht alle Konstrukteure verfügen über ein großes technisches Büro, das in der Lage ist, sämtliche Baupläne einer großen, komplizierten Yacht im Hause detailliert herzustellen. Sie übergeben die Ausarbeitung dann spezialisierten Büros, die einer Werft die perfekten Schneidepläne liefert. Konstrukteure sind der Antrieb im Fortschritt der Yacht-Szene: Entweder im Auftrag eines Eigners oder mit Projekten, die sie auf eigene Initiative am Markt anbieten.

Konventionalstrafe

Im Bauvertrag festgelegte Summe, die eine Werft zahlen muss, wenn sie den Abliefertermin nicht einhält, eine Yacht ihre Geschwindigkeit nicht erreicht oder andere gravierende Fehler hat. Die Höhe der Konventionalstrafe legen die Vertragspartner bei Vertragsunterzeichnung für den Bau fest. Konventionalstrafen haben Werften schon in den Ruin getrieben. Schwierig wird die Definition von Verspätungen, wenn ein Eigner während des Baus Änderungen vornimmt, die bei Vertragsabschluss in den Zeitplan nicht eingerechnet werden konnten.

Krähennest

Von allen Seiten umschlossener und manchmal auch überdachter Stand im Mast für den Ausguck. Auf manchen Motoryachten gerät das Krähennest zum dritten Steuerstand in luftiger Höhe, wenn die Werft hier Fahrhebel und Ruder-Tiller installiert, so auf der 71-Meter-Lürssen "Skat". Wenige große Segelyachten besitzen ein Krähennest in Form eines Korbes aus Niro- oder Alu-Rohren, den die Crew in einer Mastkeep mit dem Fall wie einen Fahrstuhl nach oben zieht. Erstes Krähennest dieser Art baute der Eigner von "Juliet" 1993.

Krängung

Kurzzeitige Neigung einer Yacht um die Längsachse. Krängung beim Betreten einer Yacht deutet auf geringe Formstabilität, dauerndes Krängen bei Motoryachten auf falschen Trimm hin. Profi-Crews segeln moderne Segelyachten mit schmaler Wasserlinie und seitlich ausladendem Rumpf mit möglichst wenig Krängung. Dann sind sie schneller. Yachten mit großen Überhängen verlängern durch Dauerkrängung ihre Wasserlinie und segeln dadurch schneller.

Kreiselkompass

Nordsuchendes System, dass das Beharrungsvermögen des Kreisels im Zusammenwirken mit der Erddrehung und der Schwerkraft ausnutzt. Anschütz entwickelte 1908 den ersten Kreisel, ab 1925 benutzten Yachten Zweikreisel-Systeme. Moderne Kreiselkompasse arbeiten mit drei Kreiseln, um das Stampfen und Rollen der Yacht zu kompensieren. Kreiselsysteme arbeiten mit 400 Hertz Wechselspannungen. Die hohe Frequenz beschleunigt die Kreisel auf Nenndrehzahlen bis zu 20 000 Umdrehungen pro Minute. In den 90er-Jahren überraschte C. Plath mit einem Lichtkreisel, der ohne mechanische Teile arbeitet und durch die Erddrehung abgelenkte Winkelgeschwindigkeiten misst. Kreiselkompasse zeigen die wahre Nordsüd-Richtung an. Sie tun das digital und exakter, als die den magnetischen Nordpol anzeigenden Magnetkompasse.

L

Länge

Hauptabmessung einer Yacht. Die Länge über alles (Lüa) bezeichnet nach ISO 8666 ihre größte Länge. Die Länge in der Wasserlinie (LWL) ist für den Konstrukteur die wichtigste: Am Wasserpass gemessen, steht sie bei Deplacement-Yachten für die Rumpfgeschwindigkeit (vR = 2,43 (root)LWL). Die Länge über Deck wird interessant, wenn eine Yacht einen negativen Spiegel aufweist. Maßeinheit für die Länge ist das Meter (m). Immer noch vorkommende Ziffern hinter dem Komma (z. B. 44,81 m) rühren von Umrechnungen angelsächsicher Konstruktionen her, die die Länge in Fuß angeben (1 Fuß = 0,3048 m). Die Länge ist das entscheidende Statussymbol einer privaten Yacht. Ständig aktualisierte Rankings der 100 größten (längsten) Yachten der Welt dokumentieren das und zeigen gleichzeitg das stetige Ansteigen der Längen auf.

Längen-Breiten-Verhältnis

Dimensionsloser Quotient aus Länge und Breite. Er beschreibt den Schlankheitsgrad einer Yacht. Yachten mit Werten von LWL/BWL zwischen 2,0 und 2,8 gelten als breit, zwischen 2,8 und 3,2 als normal, zwischen 3,2 und 4,0 als schlank. 20-Meter-Plus-Yachten zeichnen Naval Architects eher schlank. Ein kleineres Längen-Breiten-Verhältnis steht für mehr Formstabilität, das größere gilt als Argument für mehr Speed, denn: Länge läuft.

Laufendes Gut

Der bewegliche Teil der Takelung einer Segelyacht. Er bezeichnet alle durch Blöcke und Scheiben geschorenen und über Winschen laufenden Leinen eines Riggs. Laufendes Gut umfasst Schoten, Fallen, Backstagen, Niederholer, Strecker. An das laufende Gut moderner Megas werden immer höhere Anforderungen gestellt, wodurch ständig neue Materialien zum Zug kommen. Auch die Gewichte des laufenden Guts sind auf Megas ein nicht zu unterschätzender Faktor: Allein hundert Meter Vorschot auf der Riesenslup "Mirabella" wiegen stolze 3,5 Tonnen.

Layout

Begriff für die Gestaltung und Anordnung des Innenraums einer Yacht. Das Gebiet, bei dem im Yachting der letzten Jahrzehnte vielleicht am meisten geschehen ist: Während klassische Yachten stets ein Deck über dem anderen besaßen, Steuerhaus, Eignerkabine und Crew-Unterkünfte meist am gleichen Platz untergebracht waren, sind diese Regeln heute durch kreative Interieur-Designer und den Fortschritt im Yachtbau außer Kraft gesetzt. Die Decks sind durchlässig geworden, die Eignerbereiche nehmen heute ganze Decks ein, Ruderhäuser befinden sich nicht mehr unbedingt ganz oben. Fitnessräume, Observer-Lounges und Treppenhäuser müssen in das Layout einer Yacht integriert werden, Tender-Garagen und gewaltige Stauräume. Größter Erneuerer für Yacht-Layouts war der legendäre Designer Jon Bannenberg.

Lazarette

Früher Kranken- und Quarantäne-Station im Heck von Marineschiffen. Auf Yachten die Garage für Tender und Toys, Stauraum für die Tauchausrüstung oder eine beheizte Kammer für die Harley. Die Lazarette befindet sich grundsätzlich im Heckbereich und endet an der Badeplattform. Be- und Entladen wird sie über Türen und eine Klappe im Spiegel. Einen deutschen Ausdruck für Lazarette gibt es nicht.

Lazy Jacks

Lazy JacksFangleinen, die an beiden Seite des Großsegels vom Mast fächerartig auf den Baum führen. Sie fangen ein nicht gefurltes Segel beim Bergen auf, ohne dass viel Crew beansprucht wird, und sorgen dafür, dass das Segel auf dem Großbaum liegen bleibt. Die "Faulenzer" erlebten in den letzten Jahren eine Renaissance, beispielsweise auf den Wallys.

Lightdeplacement

Leichtbauyacht, deren Rumpf und Aufbauten aus Aluminium geschweißt sind (Motor). Extreme Leichtbauten unter Segel entstehen aus Faserverbund mit Kohlefaser- und/oder Kevlar-Verstärkungen. Beim Bau von Leichtbauyachten wird häufig jedes Teil, das an Bord verbaut wird, gewogen, die Interieurs werden auf Waben gebaut und nur dünn furniert. Sehr wenige Werften sind in der Lage, Leichtbauyachten zu realisieren.

Lobby

Eingangsbereich einer großen Motoryacht, meist an Steuerbord mittschiffs. Eine neue Variante im Yacht-Layout, betreten wurde ein Yacht früher von achtern. Die Lobby erreicht man über eine ausklappbare Gangway, sie ist nur beim Ankern auf See benutzbar

M

Manöverdiesel

Zusatzantrieb für langsame und Manöverfahrt. Gasturbinen-Triebwerke von Go-Fast-Yachten eignen sich nicht für langsame Geschwindigkeiten, ihr Minimalspeed liegt bei über zehn Knoten. Konstrukteure geben ihnen Manöver-Diesel, die auf eigene Propeller arbeiten (CODAG = Combined Diesel and Gas Turbine) und langsame Fahrt zulassen. Die "Fortuna" des spanischen Königs oder die "Shergar" des Aga Khan nutzen diese Manöver-Diesel auch als Überhang-Power für absolute Höchstfahrt.

Mast

Hauptbestandteil des Riggs auf Segelyachten. Aus Gewichtsgründen wickeln Hersteller große Masten aus kohlefaserverstärktem Harz, Alu-Masten werden auf Megas zu schwer. Der höchste Mast ist Statussymbol. Viele Yachten sind deshalb slupgeriggt: Segelflächen, die Konstrukteure sonst auf mehrere Masten verteilen, setzen sie an nur einem Mast. Lange waren 60 Meter Masthöhe die Grenze, nur sie erlaubten noch die Durchfahrt durch den Panama-Kanal. Den höchsten Mega-Mast besitzt zurzeit "Mirabella V" mit 90 Metern. Auf Motoryachten steht ein zweiter Mast auf dem Vorschiff zum Tragen der zweiten Topplaterne. Er ist aus Edelstahl und oft teleskopartig ausfahrbar. Da nur Seefahrzeuge über 50 Meter Länge ein zweites Topplicht fahren müssen, verrät auch er den Status.

Maxi

Begriff aus den 70er-Jahren, den Zeiten der IOR-Formel (International Offshore Rule). Maxis wie Jim Kilroys "Kialoa" oder die "Condor Of Bermuda" waren damals 20 Meter bis 25 Meter lang und erhielten darum den maximalen IOR-Rennwert, daher das Kürzel Maxi. Bis heute treten Yachten mit Längen ab 20 Meter (70 Fuß Mindestlänge) bis zu einer Länge von 30 Metern unter dem Sammelnamen Maxis an (Maxi Yacht Rolex Cup). Sie segeln nach dem Sterben der IOR-Formel Ende der 80er-Jahre derzeit in den Klassen IMS (International Measurement System) und IRC (International Racing Commission). Als Maxis der oberen Liga treten zurzeit Regattayachten wie "Y3K" und die ehrgeizige Einheitsklasse maxZ86 an ("Morning Glory", "Pyewacket").

MCA

Kürzel für die Marine Coast Guard Agency. Von den Engländern installiertes, nach Meinung vieler Werften und Konstrukteure überflüssiges Agenturbüro, das sich insbesondere mit den Sicherheitseinrichtungen auf kommerziell bewegten, also charterbaren Großyachten über 24 Meter Länge unter britischer Flagge befasst ("Red Ensign Group" mit Großbritannien, Bermuda, Cayman Islands, Gibraltar, Isle of Man), also mit wasserdichten Abteilungen, Feuerlöschsystemen oder der Höhe von Handläufen. Werften bauen nach MCA-Regeln immer im Zusammenhang mit der Bauvorschrift einer Klassifikation wie Lloyd's Register of Shipping oder dem Germanischen Lloyd. MCA-Regeln ersetzen nicht die Vorschriften einer Klassifikationsgesellschaft. Unter Yachtkapitänen sind sie umstritten, weil MCA zusätzliche Patente auch für längst seekundige Fahrensleute fordert.

Megayacht

Begriff für eine große Custom-Yacht. Inflationär und deshalb falsch häufig auch benutzt für große Serienyachten. Der Begriff entstand, als die Yachtformate Ende der 80er begannen, rasant über die 30-Meter-Marke hinauszuwachsen. Heute findet man 30-Meter-Längen schon lange nicht mehr unter den Top 100. Die kleinste Motoryacht misst im Ranking zurzeit 60 Meter, die entsprechende Segelyacht um die 40 Meter. Megayachten verfügen über alle nur erdenklichen Bordsysteme, sind autark und werden von einer vielköpfigen Crew betrieben. In jüngster Zeit entstand der Begriff Gigayacht. Er bezeichnet die Elite der Megas ab etwa 100 Metern Länge über alles ("Pelorus", "Octopus").

MMI

Kürzel für Man Machine Interface. Auf Yachten übernehmen in wachsendem Maße technische Systeme, Maschinen also, Arbeit und Funktion der Crew. Der Mensch bedient Schalter, Joysticks, Keyboards und blickt auf Monitore und Displays. Sie sind die Schnittstellen (Interface) zwischen Mann und Maschine. Der Ausdruck MMI hat an Bedeutung gewonnen, seit immer größere Yachten mit immer kleinerer Mannschaft zur See fahren. Da geraten ergonomisch gestaltete Man Machine Interfaces zum Sicherheitsfaktor.

Mockup

Modell im Maßstab 1 : 1 und fester Bestandteil jeder modernen Yachtkonstruktion. Prominente Winkel der Eigner-Suite, Fahrstände, Cockpits und ganze Steuerhäuser bauen Werften zuerst aus Tischlerplatten, Dachlatten und Styropor in getreuer Größe, um dem Auftraggeber/Eigner eine sinnliche Erfahrung der Ergonomie eines Fahrpultes oder des Platzangebotes seiner Kammer zu vermitteln. Rechneranimationen und virtuelle Spaziergänge haben Mockups bisher nicht ersetzen können. Der Aufwand scheint gerechtfertigt.

Modern Classic

Yacht, deren Linien modernen Ansprüchen mehr als genügt, jedoch mit High-tech-Methoden gebaut. Modern Classics nutzen jüngste technische Ausrüstungen, wirken aber in ihrer Anmutung traditionell. Naval Architect André Hoek nutzt den Begriff Truly Classic für ähnliche Risse, die äußerlich an Segelyachten der 20er- bis 50er-Jahre erinnern, durch Flossenkiel, Spatenruder und moderne Riggs jedoch die Segeleigenschaften von heute aufweisen. Ausführende Werft für Hoek ist häufig Holland Jachtbouw. Hier entstand auch "Windrose", eine Gerard-Dijkstra-Konstruktion.

Mooring

Im Englischen der allgemeine Begriff für den Liegeplatz eines schwimmenden Schiffes, für jede Art von Vertäuung oder Verankerung, also nicht nur an einer Tonne, sondern auch an Dalben oder Kaimauer. Im Deutschen vorzugsweise gebraucht für eine Tonne oder eine Verankerung im Hafenbecken, an der mittels einer Trosse oder Kette, ebenfalls Mooring genannt, der Bug festgelegt wird. Dass letztere Methode in engen Häfen oft zu Komplikationen wegen übereinander liegender Ketten führt, gehört zu den kleinen Abenteuern des Yacht- und Hafenlebens.

Motorisierung

Sie steht für Prestige und Performance einer Motoryacht. Motoryachten werden gern übermotorisiert geordert, laufen deswegen jedoch nicht schneller. Sie fahren das Mehr an Power als vermeintliche Reserve gegen Wind und Wellen, aber: Verdrängeryachten laufen nie schneller als Rumpfgeschwindigkeit. Der Germanische Lloyd gibt für eine normale Motorisierung als Richtwert 4,5 kW je 1,0 m3 Verdrängung an. Nur Go-Fast-Yachten brauchen mehr Kraft. Sie müssen den Wellenwiderstand überwinden, der sich beim Übergang vom Verdränger- in den Gleitzustand einstellt.

MPS

Multi Purpose Spinnaker, also vielseitiger Spinnaker, vorzugsweise für Cruising-Zwecke, asymmetrisch geschnitten, darum in einem größeren Kursbereich nutzbar als herkömmliche symmetrische Spinnaker. Vor dem Wind sind MPS dafür nicht ganz so wirksam.

N

NACA-Profil

Symmetrische Profile einer Versuchsreihe, die das National Advisory Commitee for Aerodynamic (NACA) angestellt hat. Untersucht wurden Profile mit einem Seitenverhältnis von 1 : 6 (0,1667). Yachtkonstrukteure setzen sie explizit für Kiele, Ruderblätter und Wellenböcke ein. NACA-Profile zeichnen sich durch eine runde Nase und ein spitz auslaufendes hinteres Teil aus. Die Unterschiede in der Profilstärke sind Indiz für den Auftrieb (Seitenkraft): Hohe Fahrt braucht dicke, langsame Fahrt dünne Profile. Kriterium ist die Gleitzahl, das Verhältnis von Widerstand zum Auftrieb.

Nachtsichtsystem

Ferngläser und Sichtgeräte, die mit Wärmestrahlung (Infrarot) arbeiten. Im Glas erscheinen die Bilder schemenhaft wie hinter einer Nebelwand, auf dem Bildschirm elektronischer Systeme leuchten sie grün. Yachtkapitäne nutzen Nachtsichtgeräte zur Erkennung von Zielen auf kurzen Entfernungen, etwa beim Anlaufen von Häfen. Das Radar können sie nicht ersetzen.

Nomex-Honeycomb

Bezeichnung für ein Sandwich-Material, das als Kern eine Wabenstruktur verwendet. Hightech-Werften wie Baltic und Wally verwenden Nomex-Honeycomb-Sandwich für Schotten und Decks, in Verbindung mit Carbon Fibers auch für den Überwasserteil von Rümpfen. In speziellen Öfen werden sie bei Temperaturen um 80° C gebacken. Das Ergebnis sind extreme Leichtbauten von hoher Festigkeit. Pre-Preg-Karbon-Rümpfe mit Honeycomb-Sandwich-Deckslaminaten wurden erstmalig bei Rennyachten verwendet. Inzwischen werden Megayachten aus dem Material gebaut. Nomex-Honeycombs verkörpern den höchsten Typus im Kunststoffyacht-Leichtbau.

Numerische Simulation

Gestalten von Rumpflinien mit dem Rechner, wobei Rechnerprogramme Stromlinien und Druckverteilung entlang des Unterwasserschiffes berechnen und deren Verläufe virtuell anzeigen. Hydrodynamiker sprechen von Computational Fluid Dynamics (CFD), numerische Hydrodynamik, mit denen sie Yachtrümpfen bereits am Computer den letzten Schliff geben. Trotz eingesetzter exorbitanter Rechnerleistung sind durch numerische Simulation gewonnene strömungstechnische Voraussagen nur Näherungen, die durch Modellversuche im Schlepptank erhärtet werden müssen.

O

Oberflächenpropeller

Vier- bis siebenflüglige Spezial-Propeller, die, nur zum Teil getaucht, schnelle Motoryachten antreiben. Der Grundgedanke, sie dicht unter der Wasseroberfläche zu betreiben, ist die Belüftung ihrer Flügeloberflächen. Sie verhindert die schädliche Kavitation als Voraussetzung für schnellere Fahrt durch das Wasser als 30 Knoten. Positiv ist auch der bessere Propellerwirkungsgrad, negativ sind die hohen Seitenkräfte. Große Pershings, Mangustas und Leopards fahren und steuern serienmäßig mit Oberflächenpropellern. Um sie bei unterschiedlichem Trimm optimal im Wasser zu halten,

P

Panamaxl

Bezeichnung für die Festlegung der Grenzmaße, die ein Schiff nicht überschreiten darf, das den Panamakanal durchfahren will. Panamax definiert eine maximale Breite von 32,25 und einen Tiefgang von 13,50 Metern. Für Segelyachten gilt ein Masthöhen-Limit von 60 Metern. Viele Riggs werden in dieses Limit hineinkonstruiert.

Pantry

Anrichte an Bord von Yachten. Sie liegt meist neben dem Salon und ist manchmal mit der Galley durch einen Speiselift verbunden. In der Pantry bereiten die Stewards kleine Gerichte vor, kochen Tee und mixen Drinks. Die Pantry ist ausgestattet mit Kühlschrank, Eisbox, Warmhalteplatte und Geschirr.

Performance-Rechner

Leistungsrechner an Bord von Segelyachten, der in seiner einfachsten Form aus Fahrt und wahrem Wind den scheinbaren Wind errechnet. Aufwändigere Performance-Rechner verarbeiten Daten von Wasser- und Windsensoren zu Aussagen über den gutgemachten Weg nach Luv, den günstigsten Punkt zum Wenden oder geben an, wann es sich lohnt, vor dem Wind zu kreuzen. Die Fähigkeit dieser Rechner hängt ab von der Anzahl der ihnen zugeführten Daten. So verfeinern Informationen über Kurs, Speed, Ruderlage, Krängung, Achterstagspannung, Mastfall, Segelanstellwinkel, Schotzug etc. die Performance-Anzeige, letztlich ob die Yacht optimale Höhe bei optimalem Speed läuft. Diese Anzeige kann auf einem LCD digital erfolgen oder als Grafik.

Positionslaternen

Lichter, die den Standort und die Fahrtrichtung einer Yacht in Relation zu ihrem Betrachter angeben. Yachten müssen nach IMO zugelassene Positionslaternen fahren. Designer versuchen, sie optimal in das Gesamtbild der Yacht zu integrieren. Probleme bereitet das zweite Topplicht, das ab 50 Meter LüA nötig wird. Hier kreieren sie einen extra Mast auf dem Vordeck und versenken ihn tags hydraulisch. Der teleskopartig ein- und ausfahrende Vormast ist heute Standard. Er verschlankt zugleich die Silhouette der Yacht und gibt die 50-Plus-Länge nicht auf den ersten Blick preis.

Power-Bus

Verbindungsweg zwischen Stromerzeuger und -verbraucher. Analog den Daten-Bussen sind sie wie geschaffen, die Starkstromkabel unter Deck abzulösen. Bislang fehlt noch die Vielfalt der für Power-Systeme nötigen Schaltgeräte. Power-Busse benutzen für jedes Spannungssystem eine Master-Leitung, den Bus. Die Stromverteilung übernehmen geeignete Geräte vor Ort, T-Stücken in Hydraulikleitungen gleich. Power-Bus-Anlagen vereinfachen ein elektrisches Verteilersystem, sparen an Bord Kilometer von Kabeln und damit Gewicht.

Pre-Preg-Composit

Vorgefertigte Komposit-Bauteile zum Bau von Kunststoffyachten. Pre-Pregs enthielten anfangs eingedicktes Polyesterharz mit einem hohen Anteil von gehäckselten Glasfasern. Heute stellen sie als Komposit-Teil für Kohlefaserstrukturen hochwertiges Bootsbaumaterial dar. In Stabform planken Bootsbauer mit ihnen Rümpfe auf, als Halbzeug jeder Form kleben sie mit ihnen Konstruktionen schneller und berechenbarer, als sie eine Struktur elementar auflaminieren könnten. Pre-Pregs verwenden Werften selbst für absolute Lightdeplacements (Baltic, Nautor, Wally). SP-Systems und Von der Linden (West System) liefern Pre-Pregs in standardisierten Maßen.

Profilwanten

Wanten, die statt aus einem Rundmaterial (Draht oder Rod) aus einem strömungsgünstigen Profil bestehen. Je schneller eine Yacht segelt, desto höher wird auch ihr Windwiderstand. Eine Lösung, ihn zu verringern, ist, die Drähte als windschnittige Profile auszulegen. Wesentlich besonders für Megayachten, deren Wanten Armdicke erreichen.

Projekt

Bezeichnung für das Vorhaben einer großen Yacht, die entweder mit technischen Daten und Design projektiert ist und auf dem Markt angeboten wird oder tatsächlich gebaut wird. Ein Projekt zieht sich bis zu seiner Ablieferung über Jahre, landet häufig auch in der Ablage. Designer, Projektleiter, Lieferanten und Werften sprechen von einem neuen "Projekt", nie von einem neuen Yachtauftrag.

Projektentwickler

Ingenieure und Konstrukteure, die in Werftbüros neue Projekte entwerfen. Auch selbstständige Projektentwickler, die eigene Büros unterhalten und für ein Projekt ein Paket zusammenschnüren. Bekanntester Projektentwickler ist der deutsche Claus Kusch, der mehrfach erfolgreich große Yachten mit unterschiedlichen Beteiligten auf verschiedenen Werften realisierte ("Leander", "Le Grand Bleu", "Tatoosh"). Auch Wally begann bis zum Erwerb einer eigenen Werft als Projektentwicklungsbüro.

Propeller

Außen liegender Teil des Motorantriebes einer Yacht. Der Prop verwandelt die Umdrehungen der Schwanzwelle in eine Schiffsvor- bzw. -rückwärtsbewegung. Motoryachten fahren Propeller mit vier oder mehr festen Flügeln, Segelyachten drei- und vierflüglige Falt- oder Drehflügelpropeller, die in Segelstellung drehen. Die Form der Flügel bestimmen Hydrodynamiker nach Laufkultur (für Yachten ein wichtiges Kriterium), Schub und Kavitationslabilität, ihre Steigung nach der Fahrtgeschwindigkeit. Die profilierten Propellerflügel erzeugen Druck und Unterdruck an ihren Oberflächen, die den Vortrieb bewirken.

Q

Querstrahlruder

Quer zur Fahrtrichtung einer Yacht in Bug und/oder Heck eingebauter Elektro- oder Hydraulikantrieb mit ein- oder beidseitig aufgesetzten Propellern. Querstrahlruder erleichtern das Manövrieren in engen Häfen und das An- und Ablegen quer zur Pier. In Motoryachtrümpfen sitzen Querstrahler in einem Tunnel im Rumpf, auf Gleityachten auch hinter dem Spiegel, um den Wasserwiderstand klein zu halten. Segelyachten fahren ihn häufig senkrecht aus dem Rumpf, drehbar, um ihn als Notantrieb zu benutzen.

R

Rad

Sichtbarer Teil der Ruderanlage und ihr Bedienteil, mit dem das oder die Ruderblätter unter dem Heck vom Rudergänger bewegt wird. Auf Yachten finden wir alle Variationen, auf den größten oft die kleinsten Durchmesser, weil sie hydraulisch unterstützt arbeiten. Aus Holz gedrechselte Steuerräder waren und sind Statussymbol. Wegen des direkten Feedbacks einer Seilsteuerung sind Ruder auf klassischen Segelyachten riesenhaft im Durchmesser. Räder sind immer häufiger Hightech-Konstruktionen aus Kohlefaser-Laminat oder aus Holzfurnieren geklebt. Oft sind sie völlig verschwunden und durch Joysticks ersetzt.

ReelWinch

Winsch zum automatischen Holen und Fieren von Schoten und Fallen mit einer zum Aufspulen mit Rillen versehenen, liegenden Trommel. Wichtiger Baustein: der Feeder, eine rechnergesteuerte Führung, die das Tauwerk abhängig von Geschwindigkeit und bereits aufgespulter Seilmenge kontrolliert. Reelwinches arbeiten unsichtbar als kaptive Winschen, untergebracht in den Aufbauten, im Motorraum oder unter dem Steuermannssitz. Ihre Trommeln werden elektrisch oder hydraulisch angetrieben. Für die großen Schotlängen von Megas sind sie eigentlich zu langsam, eine Part läuft deshalb ber eine Reelwinch, die andere ber eine schnellere Selftailing Winch.

Reff

Abschnitt eines Großsegels, mit dem bei steigenden Windstärken in mehreren Stufen (erstes oder zweites Reff) eine Verkleinerung der Segelflche vorgenommen wird. Großyachten reffen nicht mehr mit solch einem Bindereff, sondern verkleinern die Segel mit ihren Furlern: Sie rollen Vorsegel elektrisch oder hydraulisch um die Vorstage, Groß- und Schonersegel in den Baum.

Refit

Facelifting und/oder Umbau einer Yacht nach mehreren Saisons oder einem Eignerwechsel, meist Modernisierung einer in die Jahre gekommenen Yacht. Von einem Refit spricht die Branche erst dann, wenn der Auftragswert mindestens ein Drittel des Yachtwertes vor dem Refit ausmacht. Größere Wartungsarbeiten nach Saisonende oder kleine Änderungen von Äußerlichkeiten erfüllen den Begriff also nicht. Viele Werften haben sich ganz auf das Refitten verlegt. Sie erledigen alle Arbeiten vom neuen Anstrich bis zum Entkernen eines Rumpfes und kompletter Renovierung, sodass der Eigner am Ende eine - fast - neuwertige Yacht übernimmt.

Reichweite

Distanz, die eine Yacht mit einer Tankfüllung zurücklegen kann. Die Reichweite bezieht sich auf eine ökonomische, schwingungsfreie Drehzahl der Motoren, die gleichzeitig die Reisegeschwindigkeit bestimmt. Schnelle Motoryachten (wie die Pershing 88) verfügen oft nur über eine Reichweite von 400 Seemeilen, Verdrängeryachten (etwa die Benetti Classic) überqueren mit einer Füllung den Atlantik, Exploreryachten wie "Seawolfe" fahren mit einer Tankfüllung um die ganze Welt. Die Reichweite ist eher für Verdränger relevant, für Gleityachten zählt Speed.

Reisegeschwindigkeit

Fahrt, bei der eine Yacht ausnehmend ruhig und mit geringem Kraftstoffverbrauch läuft. Die Reisegeschwindigkeit liegt rund fünf Prozent unter der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit. Bei Go-Fast-Yachten (mit breitem Heck) liegt sie hinter dem Umkehrpunkt zwischen Rumpf- und Gleitfahrt, wenn die Yacht auf ihrer eigenen Welle reitet und praktisch bergab fährt.

Retro-Design

Ein Stil-Trend, der besonders auch bei schnellen Motorlaunches Einzug gehalten hat, von der Hinckley über Judel/Vrolijks Classic Coaster bis zur Kiel Classic. Auch große Retro-Yachten sehen über Wasser leicht wie perfekt refittete Veteraninnen aus. Unter Wasser entsprechen sie jungen hydrodynamischen Erkenntnissen. Kielflossen ersetzen vermutete Langkiele und flache Gleithecks ein gerundetes achterliches Unterwasserschiff. Die Technik der Retro-Designs ist stets auf dem Stand ihrer Zeit. Meister des Retro-Designs ist unter anderen Bruce King ("Antonisa", "Hetairos"). Er gibt Epoxy-Konstruktionen Klippersteven und Tumblehome-Hecks. Prominente Retro-Yachten sind auch der Schoner "Windrose" (Heft 4/02) und die Motoryacht "Anatolia" (Heft 2/02).

Rigg

Takelung einer Segelyacht, die ihren Typ bestimmt: Slup, Ketsch, Schoner. Das Rigg umfasst den/die Mast/en und das stehende und laufende Gut. Für Megas fertigen Riggfirmen Kohlefasermasten mit gewichtsminimierten Beschlägen und Stagen aus Rod-Material. Und sie versteifen sie mit einer Anzahl von Salingen. Fünf Salinge stützen das 90-Meter-Rigg der "Mirabella V" (Heft 5/04). Hydraulische Rammen unter dem Mastfuß setzen Wanten und Stage mit mehreren Tonnen Druck steif. Riggtrimmen während des Segelns ist nicht möglich. Aluminiummasten finden wegen des sonst hohen Toppgewichts nur nach oben verjüngt Verwendung. Megayachten fahren automatische Riggs: Hydraulische oder elektrische Furler reffen das tonnenschwere Tuch auf Knopfdruck um die Stage oder in die Bäume, kaptive Reelwinches holen und fieren Holepunkte und Schoten.

Routen

Von Yachten bevorzugte Schifffahrtswege. Die großen Yachten, von Explorern abgesehen, liegen im Sommer meist an der Côte d'Azur, Sardiniens Costa Smeralda oder in Palma de Mallorca. Zum Winter verholen sie in die Karibik. Entsprechend sind ihre Routen. Zwischen St. Tropez, Antibes und Porto Cervo herrscht sommers reger Verkehr, der sich zum Herbst Richtung Palma verlagert, wo die Yachten fit gemacht oder verladen werden für die Seereise über den Atlantik. Zum Frühjahr verlaufen die Routen umgekehrt.

S

Salute segelt mit längstem Alumast der Welt

Die Perini Navi Mast Division entwickelte das 75 Meter lange Alu-Rohr speziell für die kuttergetakelte "Salute". Um die Statik zu überprüfen setzen die Italiener auf die Finite Elemente Methode, einem modernen Struktur-Berechnungsverfahren. Die Klasse-Papiere unterzeichnete der Germanische Lloyd. Da beim Großsegel setzen sehr große Kräfte auf das Großfall und die beteiligten Winschen wirken, entwickelten die Perini Navi-Ingenieure unter anderem eine Giga-Winsch mit zwei Winschtrommeln und einer Großfall-Speicher-Trommel. Da sich die Performance der kuttergetakelten Slup von der einer klassischen Perini-Ketsch unterscheidet und der Gewichtschwerpunkt weiter oben liegt, optimierten die Italiener in Zusammenarbeit mit Ron Holland den Kiel und die Ruder-Konfiguration von "Salute". Das Interieur der Alu-Slup kreierte Rémi Tessier minimalistisch und warm im japanischen Stil.

Schwimmdock

Schwimmender Stahlkasten mit hohen Seitenwänden zum Herausheben von Yachten aus dem Wasser (Docken). Hohlräume am Boden und an den Seiten sind als Auftriebskörper ausgelegt, das Ganze oft überdacht. Das Schwimmdock wird durch Fluten abgesenkt, die Yacht zwischen die Seitenkästen eingeschwommen. Herauspumpen des Wassers hebt das Dock und setzt die Yacht trocken. Jetzt kann die Werft Arbeiten am Unterwasserschiff vornehmen. Schwimmdocks verkürzen die Inspektionszeit, da die Yacht nicht an Land genommen zu werden braucht. Die Abmessungen können riesig sein. Lürssens Schwimmdock besitzt eine Länge von gut 200 Metern.

Seekomfort

Art und Weise einer Yacht, sich auch in schwerer See so zu verhalten, dass Eigner und Gäste sich wohl fühlen. Dazu gehören sanftes Einsetzen in die Welle und allmähliches, wenig abruptes Wiederaufrichten aus einer Krängung. Yachtarchitekten forcieren diese Eigenschaften durch entsprechenden Auftrieb im Vorschiff und moderate Stabilität. Ungemütlichem Stampfen begegnen sie mit scharfer Spantform vorn und einer Verdrängungsverteilung, die das größte Gewicht im Schwerpunkt konzentriert. Dem Rollen, das dem Gleichgewichtszentrum besonders zusetzt, begegnen sie mit breiter runder Spantform, Schlingerkielen und mechanisch wirkenden Stabilisatoren, gegensteuernden Flossen oder Kreiseln. Seekomfort an Bord bescheren zudem Inneneinrichtungen, die den rauen Anforderungen auf See ihren Schrecken nehmen, dazu gehören schmale Längsschiffs-Seekojen (in denen Passagiere sich festkeilen können), Handläufe, Seerelings, rutschfeste Decks und auch geschützte Cockpits, übersichtliche Navigationsinstrumente, gut ausgestattete Galleys.

Segelfläche

Fläche, gebildet aus den Lieken eines Segels. Sie ergibt sich aus dem Segelriss. Die Beschreibung einer Yacht gibt die Segelfläche am Wind an, bestehend aus Groß- und Vorsegel, auf Megas die 110-Prozent-Genua. Liekrundungen zählen nicht zur Fläche, sie stehen vermessungstechnisch für die Segelwölbung. Nur die Achterlieksrundungen sind begrenzt durch die Mittelbreite. Es obliegt dem Geschick des Segelmachers, ein Segel größer zu schneidern, als der Segelplan es angibt. Die Flächen der einzelnen Segel sind heute exorbitant, denn Eigner favorisieren Ein- und allenfalls Zweimaster. So bringt die 75-Meter-Slup "Mirabella V" ein 1550 m2 messendes Großsegel an den Wind. Schoner- und Ketsch-Rigg verteilen ihre Segelfläche auf zwei Masten, dennoch misst das Groß des 46-Meter-Schoners "Windrose" 380 m2, das der 50-Meter-Ketsch "Perseus" 560 m2.

Seitendeck

Begehbarer, neben den Aufbauseiten verlaufender Teil des Hauptdecks. Seitendecks waren auf Yachten früherer Zeiten obligatorisch und nötig, um ein Fallreep zu setzen, eine andere Yacht zu entern, Fender auszubringen. Und sie dienten der Mannschaft, um von achtern nach vorn zu gelangen. Heute verzichten Yachtarchitekten oft völlig auf das Seitendeck und kreieren die Eignersuite über die gesamte Breite des Hauptdecks. Auf der Strecke bleibt dabei das Handling: Die Crew erreicht die Back nur noch über Salon- und Brückendeck, Fender setzt sie an langen Enden vom Bootsdeck aus. Vorausschauende Architekten genehmigen der Decks-Crew jedoch einen Gang unter Deck (Perini Navi), der sie von achtern nach vorn und umgekehrt bringt, oder sie konzipieren eine Portugieserbrücke plus Passerelle, einen umlaufenden Gang vor dem Steuerhaus mit Zugang zum Winschendeck auf dem Vorschiff.

Sektionsbau

Fertigung von Yachtrümpfen in Teilstücken (Sektionen). Werften schweißen Yachten längst nicht mehr an nur einem Ort. Lürssen verteilt die Arbeit auf Bauplätze in Lemwerder, Bardenfleth und Rendsburg und lässt Sektionen auch schon einmal in Russland bauen. Perini-Navi-Rümpfe und -Teile entstehen am Bosporus in der Türkei. Andere Werften lassen in Polen und Litauen schweißen, Oceanco in Wewelsfleth. Die Stammwerften fügen die Sektionen zusammen. Sektionsbau entstand durch Zeitdruck und billigere Arbeitskräfte andernorts, wurde aber erst wirklich möglich durch Konstruktion am Rechner und rechnergestützte Arbeitsmaschinen. Die hohe Passgenauigkeit der Sektionen macht eine Nacharbeitung vor Ort überflüssig. Sektionsbau reduziert die Bauzeit.

Semi-Custom

Einzelbau von Yachten mit fertig gerechneten und konstruierten Bausteinen. Semi-Customs sind Individualbauten mit den ökonomischen Vorteilen von Serienprodukten. Werften wie Ferretti und Benetti liefern Motoryachten mit unterschiedlichen Aufbauten und unterschiedlichem Interieur, jedoch mit gleichem Rumpf, identischen Motorräumen und Technik. Auch die großen Formate von Nautor und manche Wallys sind Semi-Customs. Werften nutzen Formen früherer Projekte, Know-how, Materiallagerung und Bauplatzplanung und damit kürzere Fertigungszeiten. Semi-Customs bleiben Kinderkrankheiten erspart. Auch für Individualbauten bekannte Werften wie Heesen oder Abeking & Rasmussen toppen mit diesen Konstruktionen Qualität und Preise, A & R beispielsweise mit seinen erfolgreichen 50-Meter-Plus-Yachten.

Sky Lounge

Verglaster Salon auf dem obersten Deck einer Motoryacht mit eindrucksvoller Rundumsicht, auch Observation Lounge genannt. Als dem Himmel am nächsten liegender Aufenthaltsraum mit Polstergruppe, Bar und Ferngläsern ist die Sky Lounge eines der typischen Design-Features der jüngsten Zeit, die es in dieser Form vor wenigen Jahren noch nicht gab. Auf manchen Yachten wird hier der Fitness-Raum untergebracht.

Slot

Bauplatz, für den der Bauherr schon Jahre vor der Kiellegung eine Anzahlung leisten muss. Das Anmieten eines Slots für die Fertigung einer Großyacht ist üblich, in Zeiten einer Hochkonjunktur im Yachtbau wie heute unbedingt nötig.

Slup

Einmastige Segelyacht mit Groß- und Vorsegeln. Das Sluprigg stellt die aerodynamisch günstigste Segelanordnung dar, sie kommt dem angestrebten Flügel mit hohem Streckungsverhältnis am nächsten; denn je höher die Streckung (schmale Segelsilhouette), desto effektiver wirken die Segel als Tragflügel. Der dreieckige schlanke Flügel einer Slupbesegelung produziert deshalb mehr Auftrieb, als der trapezförmige breite eines Schoners oder einer Ketsch. Weil die Profile störungsfreier angeströmt werden, nutzen sie den Wind besser. Ein hoher, schlanker Flügel geht auch höher an den Wind. Mit zunehmender Größe werden Groß- und Vorsegel von Slups unhandlich und benötigen einen sehr hohen Mast. So misst der Mast der 75 Meter langen "Mirabella V", zurzeit die größte Slup der Welt, 90 Meter. Die Masten des 80-Meter-Dreimastschoners "Athena" ragen bei fast identischer Segelfläche dagegen nur 60 Meter hoch. Mehr denn je hat die größte Slup der Welt im Superyachting Super-Prestige.

Smart Fibres

Komposit-Material mit eingelegten, auf mechanische Einflüsse (Zug, Druck, Biegung) reagierenden Sensoren. Smart Fibres in Masten, Stagen oder Wanten realisieren das intelligente Rigg. Es signalisiert der Crew, wie hoch es belastet werden kann. Gut ausgelegte Sensoren geben ein Alarmsignal auf eine Elektronik, kurz bevor der Mast oder ein Want bricht. Rigger führten Smart Fibres ein, nachdem Kohlefasermasten ohne jede spürbare Warnung wegknickten. Smart Fibres sind für alle Komposit-Elemente denkbar: hochbelastete Teile in Rumpf und Deck, Ruderkoker, Kielbefestigungen.

Solas

Kürzel für International Convention for the Safety of Life at Sea. Im Juni 1960 unterzeichneten die meisten Schifffahrtsländer ein Über-einkommen zum technischen Schutz des menschlichen Lebens auf See, in erster Linie an Bord von kommerziellen Schiffen. Im Juli 2002 verfeinerten sie dessen Regeln und legten neue Standards fest. SOLAS erweiterte die Ausrüstungspflicht mit Seekarten, ließ das elektronische Seekartensystem ECDIS zu, führte die Ergonomie von Schiffsausrüstungen ein. Yachten sind dank ihrer Größe immer häufiger in der SOLAS-Pflicht.

Spantform

Querschnittsform eines Yachtrumpfes, vom Konstrukteur festgelegt im Spantenriss. Die Spanteinteilung über die Längswasserlinie zeigt alle Spanten. Ihre Form entscheidet über die Eigenschaften des Rumpfes: Ein völliges Hauptspant steht für hohe Steifigkeit, eine scharfe Spantform des Vorschiffs für weiches Einsetzen, die flache Spantform des Achterschiffes für mögliche Gleiteigenschaften. Unterschieden wird zwischen Rund- und Knickspant, U-, S- und Trapezspant, Einfach- und Doppelknickspant sowie V-Spant.

Spec-Yacht

Yacht, die in der Erwartung gebaut wird, dass sie verkauft werden kann (on Speculation). Werften beginnen ihren Bau ohne festen Auftrag von einem Kunden. In schlechten Auftragszeiten kann so vermieden werden, versierte Werftarbeiter entlassen zu müssen, in Boom-Zeiten werden mit einer Spec-Yacht schnelle Lieferzeiten ermöglicht. "Auf Verdacht" werden heute in der Regel Motoryachten gängiger Größen zwischen 35 und 45 Metern gebaut, Spec-Segelyachten werden seltener auf Kiel gelegt. Wichtige Aufgabe für Werft und Designer ist es, eine Spec-Yacht stilistisch für einen großen Kundenkreis zu konzipieren. Extreme Entwürfe, die ein Auftraggeber ordert, sind bei Yachten, deren Eigner noch gesucht wird, unvorteilhaft. Zahlreiche Werften in allen Yachtbau-Nationen bauen heute Spec-Motoryachten, oft gemeinsam mit einem Broker.

Spill

Winde mit senkrechter Achse. Anfangs von der Deckmannschaft betätigtes Arbeitsgerät, um den Anker aufzuholen (Gangspill). Heute arbeiten Spille hydraulisch oder elektrisch. Sie setzen und trimmen Segel oder verholen eine Yacht an die Pier. Auf dem Dreimastschoner "Athena" reißen von Rondal gebaute Spille Lasten bis zu vier Tonnen.

Spinnaker

Leichtes und großflächiges Beisegel für raume Kurse und Kurse vor dem Wind. Segelmacher schneidern sie aus leichtem Tuch, meist in leuchtenden Farben. Yachten fahren sie fliegend an einem Spinnakerbaum, Achterholer und Toppnant trimmen das Segel. Große Yachten setzen oft leichter zu bedienende "Spinnaker ohne Baum": Gennaker oder Code Zero, die zudem höher an den Wind gehen. Gennaker bergen moderne Yachten mithilfe eines Bergeschlauchs, den Code Zero rollt ein unter dem Vorschiff eingebauter Furler. Die Segelflächen von Spinnakern sind riesig. Der Spi der 75-Meter-Slup "Mirabella V" misst 1833 Quadratmeter.

Split-Level

Zwei-Ebenen-Interieur, das eine optische Trennung schafft zwischen Logis und Bad oder Salon und Essplatz. Die Split-Level-Lösung nutzt die schiffbaulichen Gegebenheiten an Bord: Rahmenspanten, die ein durchgehendes Deck verhindern, in den Rumpf integrierte Tanks oder das ein halbes Deck höher gelegte Steuerhaus. Im Vorschiff machen Designer die scharfe Spantform zur Tugend, wie Egg And Dart auf der 31-Meter-Motoryacht "Ocean of Love" (Heft 5/2004) mit einer Split-Level-Eigner-Suite. Auf Segelyachten mit großem Aufbau gehört die offene Zwei-Ebenen-Lösung zwischen Deck- und Hauptsalon zum Standard. Beispiel: "Antares"

Sprung

Deckslinie in der Seitenansicht einer Yacht. Man unterscheidet zwischen positivem und negativem Sprung, je nach Verlauf der Deckslinie: Positiv ist sie, wenn sie zu den Bootsenden hin ansteigt. Der auffällige positive Sprung gilt als Sinnbild schöner, klassischer Linien. Wegen besserer Seetüchtigkeit der früher üblichen niedrigen Freiborde war er nötig. Heute sind vor allem Yachten mit negativem Sprung üblich. Ihr hohes mittleres Freibord sorgt für mehr Raum unter Deck.

Stabilisatoren

Systeme, die dem Rollen auf See entgegenwirken. Segelyachten werden von ihren Segeln stabilisiert, Motoryachten rüsten Konstrukteure mit seitlich aus dem Rumpf ragenden Flossen aus. Angeströmt und von einem Kreisel gesteuert, stabilisieren sie die Yacht. Übliche Stabilisatoren arbeiten nur während Fahrt, wenn die Flossen Auftrieb erzeugen. Zero-Speed-Systeme funktionieren auch, wenn die Yacht vor Anker liegt, ihre größeren Flossen arbeiten wie Paddel. Yachten mit Voith-Schneider-Aktiv-Ruder können deren Profile als Stabilisationsflossen einsetzen. Ein völlig anderes Konzept verfolgen Gyro-Systeme. Hier stabilisieren Kreisel die Yacht. Rotierende Kreisel halten die Richtung ihres Drehimpulses unverändert bei und reagieren auf Achsenkrängung mit Gegenkraft.

Stahl

Baustoff für Yachtrümpfe. Yachtwerften verwenden Schiffbaustahl St 37, für höher beanspruchte Teile St 60. Schiffbaustahl ist fest sowie gut schweiß- und verformbar. Ansonsten kommt Stahl an Bord von Yachten nur in veredelter, nicht rostender Form vor. Verarbeitet zu Decksbeschlägen, Relings, Abgasrohren oder Fenstereinfassungen, sorgt er, auf Hochglanz poliert, für yachtgemäßen Auftritt.

Steuerstand

Platz, von dem aus der Kapitän eine Yacht steuert. Auf Motoryachten sind weitere Steuerstände auf einer Flybridge auf dem vorderen Sonnendeck untergebracht, auf großen Yachten sogar in einem Krähennest. Sie fahren wie Berufsschiffe mit Manöver-Steuerständen auf den Brückennocken; häufig besitzen Yachten einen weiteren Steuerstand am Heck zum Anlegen mit dem Spiegel zur Pier. Segelyachten erhalten neben einem gedeckten Steuerstand oder Steuerhaus immer offene Steuerstände weit achtern an Backbord und Steuerbord, damit der Mann an den Rädern gleichzeitig die Segel beobachten kann. In wasserdichten Displays sind hier alle zum Segeln nötigen Instrumente vor Ort. Das geschlossene Steuerhaus ist dagegen Ausguck und Steuerstand unter Maschine. In Steuerhäusern sind Navigations-, Kommunikations-, Steuer- und Überwachungssysteme versammelt. Das Steuerrad fehlt immer häufiger und ist längst durch Joysticks ersetzt. Funktionell und schön gestaltete Steuerhäuser sind Statussymbol, Mock Ups in Originalgröße für ergonomische Versuche und Design-Studien keine Seltenheit. Sofas am Brückenschott und kleine Lounges laden Eigner und Gäste ein, das Geschehen im Steuerhaus mitzuverfolgen, ohne die Arbeit der Wache zu stören.

T

Takelung

Auf Segelyachten aufgestellte Masten mit ihren Drähten. Zur Takelung zählen stehendes und laufendes Gut, Trimmsysteme, Furler, Winschen, Blöcke, Beschläge. Nicht dazu gehören die Segel. Die Anordnung der Takelung bestimmt den Typ einer Yacht: Slup, Ketsch, Yawl, Schoner. Die wiederum können Bermuda-, Gaffel- oder Kutter-getakelt sein (z. B. Gaffelschoner). Takelungen erfordern den Takler oder Rigger. Eine optimale Takelung unterteilt die für maximalen Vortrieb nötige Segelfläche auf gut zu bedienende Segelgrößen, setzt und refft sie und stellt sie optimal in den Wind.

Tank

In den Yachtrumpf integrierter Flüssigkeitsbehälter aus Edelstahl oder Kunststoff. Yachten bekommen Tanks für Kraftstoff, Frischwasser, Abwasser eingebaut, Segel-yachten auch Ballasttanks und Seitentanks zum Trimmen. Kleinere Vorratsmengen, wie Schmieröl oder Hydrauliköl, fahren sie in separat installierten Tanks. Der wichtigste Tank ist der Kraftstofftank. Selbst auf einer Exploreryacht rangiert er vor dem Frischwassertank: Ausreichend Kraftstoff garantiert nicht nur den nächsten Hafen, sondern hält auch den Wasserbereiter in Betrieb. Langfahr-Qualitäten einer Yacht werden an ihrem Aktionsradius gemessen, daran, wie viele Meilen sie mit einer Tankfüllung (bei einer bestimmten Motordrehzahl) zurücklegen kann. Zur Kontrolle des Kraftstoffvorrats dient der Tagestank mit dem ungefähren Volumen eines Tagesverbrauchs.

Tender

Beiboot einer Yacht, das zum Übersetzen von Crew, Gästen und Material nötig war, als Yachten vor Reede lagen. Im Superyachting ein zentrales Thema mit hohem Prestige. Die Tender-Palette umfasst die verschiedensten Typen, vom RIB bis zum voll ausgerüsteten Eigenbau. So fährt die Exploreryacht "Tatoosh" eine 24-Meter-Motoryacht als Tender, die von Lürssen gebaute "Octopus" sogar ein U-Boot. Während Tender früher einfach an Deck standen, verschwinden sie heute durch riesige Rumpföffnungen in unsichtbaren Garagen. Größe und Platzierung der Tender, Hydraulik, Kräne und Sicherheit erfordern detailreiche Konstruktionen.

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Tiefgang

Lotrechter Abstand von der Schwimmwasserlinie bis zur Kielsohle, bei schnellen Motoryachten oft bis zur Unterkante des Propellerflügels. Für Segelyachten gilt, je tiefer die Kielflosse, desto höher geht sie an den Wind. Tiefgänge von acht Metern und mehr sind keine Seltenheit. An einen Hafenliegeplatz ist damit aber kaum zu denken. Konstrukteure versuchen deshalb den Kompromiss, sie verringern den Tiefgang durch einfahrbare Schwerter und Konstruktionen wie Hub-, Schwenk- oder Faltkiele und machen ihn damit hafenfreundlich.

Titan

Silberglänzendes Metall der vierten Gruppe des Periodensystems. Mit Aluminium und Mangan legiert, ist es sehr leicht und besonders fest. Das und seine hohe Korrosionsbeständigkeit prädestinieren Titan für den Einsatz auf Yachten. Konstrukteure setzen Titan-Legierungen überall ein, wo sie Gewicht sparen und hohe Lasten beherrschen müssen, für Stabwanten, Masttops, Ruderkoker, Lümmelbeschläge, aber auch für Heck- und Bugkörbe. Die Verschraubung einer schlanken Kielflosse mit dem Rumpf wäre ohne Kielbolzen aus Titan kaum zu realisieren. Erst recht nicht könnten Konstrukteure die an Canting-Kielen auftretenden Kräfte ohne Titan bewältigen.

Toys

Mobile Geräte, die Yachten, abgesehen vom klassischen Tender, an Deck und in der Lazarette mit sich führen: Waterbikes, Surfboards, Segeljollen, ausgewachsene Segelboote mit stehendem Mast, Strandautos und möglicherweise die Harley Davidson des Eigners. Sie dienen nicht dem Transport von Gästen und Gütern, sondern sind heute relevanter Bestandteil der Bordunterhaltung und vor allem auf Charteryachten angesagt. Konstrukteure und Werften widmen ihnen viel Konstruktionsarbeit, für ihren Standort an Deck und für ihr Zuwasserlassen. Große Plattformen, Passarellen, über die auch ein Auto fahren kann, riesige Luken und versenkbare hydraulische Kräne sind nötig, um die Spielzeuge aussetzen zu können. Das ultimative Toy des Eigners ist allerdings die Yacht selber, natürlich.

Trimm

Waagerechte Schwimmlage in Längsschiffsrichtung bei Motoryachten. Eine Yacht vertrimmt, wenn sie schneller als ihre Rumpfgeschwindigkeit fährt: Die Heckwelle wandert weit nach achtern, das Heck fällt in ein Tal. Um dem entgegenzuwirken, fahren Go-Fast-Yachten breite Hecks mit entsprechendem Auftrieb. Verdränger erhalten Trimmtanks im Vorschiff. Bei Segelyachten bezieht sich der Trimm auf ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Lateralplan und Segelplan. Vor- und Großsegel stellt der Trimmer so ein, dass der Gesamt-Segeldruckpunkt mit dem Lateraldruckpunkt auf einer Linie liegt, und die Steuerräder nur noch so viel Feedback vom Ruder bekommen, wie der Master braucht, um die Yacht optimal zu spüren.

Trimmklappen

Feste oder bewegliche Flächen, angebracht am Heck in Höhe der Wasserlinie zur Erzeugung zusätzlichen, dynamischen Auftriebs. Trimmklappen setzen Konstrukteure ein, um einer Yacht auch bei schneller Fahrt ihren waagerechten Längstrimm zu bewahren. Ab und zu verbessern sie einen schlechten Rumpf. Wichtig sind Trimmklappen während der Kurvenfahrt kleiner Speedyachten. Sie halten den Rumpf in der Spur. Vom Fahrstand aus sind sie hydraulisch einstellbar. Segelyachten fahren manchmal Trimmklappen an der Hinterkante ihrer Kielflosse. Auch hier geht es um zusätzlichen Auftrieb und damit um mehr gesegelte Höhe am Wind.

Turbolader

Kleine Turbinen, am Dieseltriebwerk angebaut für die Zuführung vorverdichteter Verbrennungsluft. Yachtdiesel sind Hochleistungsmotoren. Um sie auf Leistung zu bringen, ohne den Hubraum zu vergrößern, verordnen Konstrukteure ihnen Turbolader, die eine so genannte Aufladung leisten. Im Turbolader sitzen Antriebsturbine und Kompressor auf einer Welle, Abgas treibt sie an. Die zusätzliche Frischluft zusammen mit einer höheren Menge eingespritzten Kraftstoffs bewirkt die höhere Leistung. MTU rüstet ihre Yachtmotoren mit mehreren Turboladern aus, die je nach Drehzahl nacheinander einschalten.

V

Verdrängung

Die von einer Yacht verdrängte Wassermenge, entsprechend dem Produkt aus dem bis zur Schwimmwasserlinie eingetauchten Volumen und der Dichte des verdrängten Wassers. Nach Archimedes entspricht die Masse der verdrängten Wassermenge dem Gewicht der Yacht. Im Yachtbau ist die Verdrängung gleich dem Deplacement, dem Gewicht der fahrfertig ausgerüsteten Yacht, als Summe aus Eigengewicht und Zuladung. Yachtkonstrukteure versuchen die Verdrängung so niedrig wie möglich zu halten: Je weniger eine Yacht eintaucht, desto kleiner ist ihr Wellensystem, desto schneller fährt sie bzw. desto geringer kann die Antriebsleistung für eine bestimmte Geschwindigkeit sein.

Vermessung

Die mathematische Erfassung einer Yacht nach Schiffsraum (Tonnage) für das Seeschiffsregister oder nach segeltechnischen Gesichtspunkten (Rennwert). Etwa für Wettbewerbe: Segelyachten mit gleichem Rennwert segeln in bestimmten Konstruktionsklassen direkt gegeneinander (wie die Maxi-Yachten), Yachten mit unterschiedlichem Rennwert mit mehr oder minder komplizierter Zeitvergütung. Eine moderne Rennwertformel ist das International Measurement System IMS. Das Ergebnis nennen wir Rating.

Verstellpropeller

Propeller, deren Flügel sich durch ein Gestänge in der Propellerwelle oder hydraulisch über Kolben mechanisch verstellen lassen oder sich durch das anströmende Wasser selbsttätig verstellen. Verstellpropeller ändern die Anstellung der Flunke. Yachten verwenden Verstellpropeller für unterschiedliche Fahrtzustände zur besseren Nutzung des Motordrehmoments. Manchmal gelangen Go-Fast-Yachten nur mithilfe unterschiedlicher Flunkenanstellung ins Gleiten: Vor dem Widerstandsberg ist Power gefragt, im Gleitzustand Drehzahl. Wegen der Verstellmechanik besitzen sie große Naben und daher gegenüber Propellern mit festen Flügeln minderen Wirkungsgrad.

VIP-Kabine

Unterkunft für besondere Gäste (Very Important Persons). Nach der Eigner-Suite die bestausgestattete Kabine, in die sich oft auch der Eigner selbst zurückzieht. In der VIP-Kabine beherbergt der Eigner Freunde und Geschäftsfreunde. Entsprechend liegt die VIP-Unterkunft oft auf dem Hauptdeck, zumindest jedoch an prominenter Stelle.

Vormast

Bei Segelyachten vorderster Mast, auch Fockmast genannt. Auf Yachten mit anderthalb Masten wie Ketsch und Yawl ist der vorderste Mast der Großmast, bei Schonern der Schonermast. In den Segelschiffszeiten galt der Vormast als Trennung zwischen den Logis von Mannschaft und Offizieren. Bei Motoryachten über 50 Meter Länge Mast für die vordere Topplaterne.

VPP

Kürzel für Velocity Prediction Program, einem Rechnerprogramm zur Bestimmung und Optimierung der Segelleistung. Yachtkonstrukteure lassen ihre Konstruktionen mit dem VPP im Rechner segeln und ersparen sich damit aufwändige Schleppversuche mit Modellen im Tank. Die Performance einer Yacht optimieren sie bereits hier. Mit Eingabe der wichtigsten Abmessungen einer Yacht liefert das Programm ein Zahlenwerk für ein Apfeldiagramm, dem wir die Fahrt einer Yacht für alle Windwinkel während verschiedener Windgeschwindigkeiten entnehmen können. Das International Vermessungssystem IMS bestimmt das Rating einer Yacht ausschließlich an Hand eines VPP. Ehrgeizige Segler verwenden die Daten zur Bestimmung der optimalen Höhe am Wind

W

Wasserballast

Wassergewicht, das Yachten zusätzlich in fest eingebauten Tanks zur Erhöhung der Stabilität oder zur Veränderung des Längstrimms fahren. Als Wasserballast verwenden sie Seewasser, das über ein Seeventil aufgenommen und wieder außenbords gepumpt wird. Segelyachten fahren Ballasttanks an Backbord und Steuerbord, die über Rohrleitungen miteinander verbunden sind. Auf diese Weise enthält immer nur der Luvtank Ballastwasser. Auf Motoryachten sorgt der Ballast in der Vorpiek für exaktes Liegen auf der Wasserlinie, wenn bei hoher Fahrt das Heck in das selbst erzeugte Wellental zu versinken droht.

Werft

Baupatz für Yachten, nicht unbedingt mehr wie ursprünglich mit Zugang zum Wasser. Heute oft durchorganisierte Industriebetriebe mit perfekten Arbeitsabläufen, die die klassische Werft ablösen. Werften, die alle zum Bau nötigen Gewerke unter einem Dach besitzen, sind selten geworden. Moderne Werften mit großen Aufträgen arbeiten mit spezialisierten Subunternehmen, fügen Bausteine zusammen. Projektmanagement und Engineering machen statt klassischem Handwerk daher einen Großteil der heutigen Werftarbeit aus. Bauplatz für Yachten ist der Helgen in einer überdachten Halle. Der Stapellauf wird von einem Synchro-Lift übernommen, der den fertigen Bau ins Wasser setzt. Bei großen Formaten erfolgt der Bau in überdachten Trockendocks.

Werftkapitän

Schiffsführer mit nautischem Patent. Er wird von einer Werft für Probefahrten eingesetzt, solange eine Yacht noch ihr gehört und bevor sie einen Neubau dem Eigner übergibt. Für die Zeit der Erprobungen ist der Werftkapitän verantwortlich für Yacht und Probefahrt-Crew und für die korrekte Durchführung aller von Eignervertreter und Klassifikationsgesellschaft geforderten Prüfungen. Der eigentliche Yacht-Kapitän des Eigners trägt während der Seatrials im Revier und auf See, bei denen sämtliche Systeme auf Funktion und Seetüchtigkeit geprüft werden, und während Geschwindigkeitsfahrten in tiefem Wasser keine Verantwortung.

Whirlpool

Mini-Schwimmbecken, meist auf dem Sonnendeck platziert, das mit Unterwasserstrahldüsen ausgerüstet ist. Von Eignern und Gästen geliebt, ist das Wasserbecken Yachtkonstrukteuren lästig: Sein Wasserinhalt verlagert den Schwerpunkt nach oben. Kleinere Yachten haben mit ihm gelegentlich Stabilitätsprobleme. Für Fahrten über See wird der Whirlpool geleert.

Winsch

Winde, vom englischen "winch", zum Holen und Fieren von Fallen und Schoten. Heute nicht mehr von Hand betrieben, sondern elektrisch oder hydraulisch funktionierende Seiltrommeln. Auf großen Yachten stehen senkrechte Trommelwinschen ebenso wie waagerechte Reelwinschen. Winschen sind heute hochtechnisierte Kraftmaschinen, ohne die große Yachten bei kleiner Crew nicht mehr gefahren werden. Reelwinchen bewegen die holende und die fierende Part mit Hilfe elektronischer Steuerung. Sie wickeln die extrem langen Schoten auf und ab und verhindern mit einer ausgeklügelten Mechanik die gefürchteten Überläufer.

Y

Yacht

Wasserfahrzeug, das ursprünglich ausschließlich dem Vergnügen diente. Viele Yachten erfüllen diesen Zweck auch heute noch. Oft sind Yachten jedoch auch mobiler Untersatz für repräsentative und geschäftliche Ambitionen. Yachten müssen im Charterbetrieb heute häufig Geld verdienen, und manche Yacht wird von vornherein als Investment geplant. Zur hervorragenden Geldanlage wird eine Yacht, wenn ihr Eigner sie für einen höheren Preis verkaufen kann, als er für ihren Bau ursprünglich bezahlt hat.

Z

Zylinderkoeffizient

Zahlenwert, der die Völligkeit eines Rumpfes beschreibt: Verdrängung dividiert durch das Produkt aus der eingetauchten Fläche des Hauptspants und der Wasserlinienlänge. Der Zylinderkoeffizient steht für die hydrodynamische Form eines Yachtrumpfes, so wie der Cw-Wert für die Windschlüpfrigkeit eines Autos. Er beeinflusst die von einer Yacht erzeugten Wellensysteme: Kleine Zylinderkoeffizienten verursachen wenig Welle und benötigen ergo weniger Energie für ihre Fahrt durchs Wasser. Mega-Verdrängeryachten sind selten völlig. Auch weil sie im Verhältnis weniger Breite für ihre Stabilität benötigen.