Nautor's Swan streicht die Segel

  • Sören Gehlhaus
 • Publiziert vor einem Jahr

Auch die finnische Traditionswerft drängt ins Motorbootsegment. Ihre 13,23 Meter lange und bis zu 55 Knoten schnelle Swan Shadow soll dank Wandelbarkeit nicht nur Seglern zur Seite stehen.

Schlanke Silhouette: Jarkko Jämsén schuf Linien, die erkennbar mit Nautors Segelformaten verwandt sind.

Bei ihrer Motorpremiere geht die italienisch geführte Marke ihren eigenen Weg und bleibt sowohl konzeptionell als auch gestalterisch eng an den segelnden Modellen. Da wäre zunächst ein ausgeprägter und für Motorformate eher unüblicher Überhang im Heck. Die elegante Abgehobenheit machen drei Mercury-Außenborder möglich, die knapp einen Meter in die Rumpfmitte hineinragen. Die Aggregate – Nautor sieht Modelle von je 149 bis 224 Kilowatt Leistung vor – lassen achtern Platz für eine drei Meter breite Hydraulikplattform, die zum Baden abgesenkt und für das Boarding hochgefahren wird. Genau dieser Innovationsgrad schwebte Leonardo Ferragamo vor, als er sich für das Projekt entschied und stark einbrachte. Der italienische Modeunternehmer, der seit 1998 Eigentümer von Nautor’s Swan und engagierter Maxi-Eigner ist, sagt über die Genese: „Ich habe seit vielen Jahren darüber nachgedacht, aber immer wieder der Versuchung widerstanden, bis wir spürten, dass wir etwas Besonderes und Einzigartiges zu präsentieren haben.“

Badebetrieb: Die Swan Shadow mit abgesenkter Heckplattform.

Optisch fällt zudem der niedrige Freibord auf, der sich frontal gesehen nahezu auf ganzer Rumpflänge konkav bis unter das Deck zieht – und damit besonders im Heck nicht von ungefähr an die ClubSwan 50 erinnert. Die Linien für die 13 Meter messende Swan Shadow lieferte Jarkko Jämsén, der die 50-Fuß-Einheitsklasse mit dem Konstrukteur Juan K in Form brachte. „Wir wollten etwas Sportliches und Spaßiges schaffen, ohne die Eleganz zu vernachlässigen, die Kunden von einer Swan erwarten“, beschreibt Jämsén, der aus Finnland stammt und sein Studio in Monaco betreibt, sein gestalterisches Vorgehen.

Im Chaseboat-Einsatz neben der Swan 120: Der Rumpf der Swan Shadow läuft im Heck vasenförmig konkav aus. Pate stand die ClubSwan 50.

Die dritte personelle Säule im Entwicklungsteam ist Projekt- und Verkaufsleiter Roy Capasso, der 16 Jahre lang für Baia Yachts, die Motorbootwerft seines Vaters arbeitete. „Die Swan Shadow wurde entwickelt, um die Lücke einer echten Mehrzweckyacht zu füllen.“ Capasso spielt auf die Hochseeangel-Variante an mit Fighting Chair vor den Motoren und diversen Rutenhalterungen am Tower, der am T-Top montiert wird. Wichtiger für den europäischen Markt dürfte die Ausführung als Limousinen-Tender sein, die auf ein längeres Dach vertraut, das vier Teleskopbeine senken und einen über Glaspaneele geschützten Sitzbereich für sechs Personen schafft. Nautor umschreibt die Primärzielgruppe mit „anspruchsvolle Eigner von Motor- und Segelyachten, die einen Tender für ihr Mutterschiff suchen.“

Limousinen-Ausführung: Unter dem abgesenkten Dach und hinter der Außenverglasung eröffnet sich ein geschützter Bereich für sechs Personen.

Wandelbar: Die Swan Shadow eignet sich mit Fighting Chair und Tower zum Hochseeangeln.

Die 13,23 Meter lange und 4,30 Meter breite Swan Shadow wird in Italien nach Nautor-Standards gefertigt und standardmäßig mit T-Top, Buglounge, offener Heckpartie etwa für zusätzliche Segel oder Proviant und einer Doppelkabine im Bug ausgeliefert, die über den Steuerstand zugänglich ist. Fünf Einheiten sollen im Sommer schwimmen, geplant ist ein Kunden-Event im November. Auf die Frage, welcher Swan-Eigner den Auslöser für die Entwicklung der Shadow gab, verweist Leonardo Ferragamo während der virtuellen Pressekonferenz auf sich selbst und ergänzt mit einem Lächeln: „Ich erhalte aber nicht Baunummer eins, ich gebe mich mit dem Prototypen zufrieden.“

Kabinenansicht: Im Bug ist Platz für eine Doppelkabine mit Bad an Steuerbord. Der Innenausbau erinnert an den der Schwestern unter Segeln.

Themen: Jarkko JämsénNautorNautor's Swan


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