Sanierungsplan für Blohm+Voss

28.02.2017 Marcus Krall - Nach der Übernahme von Blohm+Voss durch die Lürssen-Werft drohen in Hamburg 300 Arbeitsplätze wegzufallen. Grund dafür sollen vor allem veraltete Strukturen an der Elbe sein.

„Rising Sun“ vor Blohm+Voss
© BEX
„Rising Sun“ vor Blohm+Voss

Lange hat es nicht gedauert. Als die Lürssen-Werft im September 2016 die Übernahme von Blohm+Voss ankündigte, war noch nicht genau abzusehen, wie der neue Hamburger Standort der Bremer künftig aufgestellt werden würde. Jetzt, rund fünf Monate später, herrscht Klarheit. Auf einer Betriebsversammlung stellten Blohm+Voss-Geschäftsführer Dieter Dehlke und Dr. Klaus Borgschulte, Aufsichtratsvorsitzender, der Belegschaft ihre Pläne vor.

„Mayan Queen“: markanter Blohm+Voss-Bau
© BEX
„Mayan Queen“: markanter Blohm+Voss-Bau

So soll Blohm+Voss künftig vor allem in den Bau von Marineschiffen íntegriert werden, unter anderem in die Fertigung weiterer Korvetten der Klasse 130 für die Deutsche Marine. Zudem möchte Lürssen die gruppenweiten Refit-Aktivitäten in puncto Yachten in Hamburg konzentrieren. Erste Aufträge konnten mit „Katara“ und „Lady Moura“ bereits platziert werden.

Allerdings müssen im Zuge der Umstrukturierung rund 300 Mitarbeiter um ihre Jobs fürchten. „Um den Standort langfristig zu sichern, werden wir zum jetzigen Zeitpunkt – trotz zahlreicher kurzfristiger Einsparmaßnahmen, die das Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter betreffen – Stellen in der Stammbelegschaft abbauen müssen", sagte Dieter Dehlke. „Aus heutiger Sicht sind in mehreren Phasen rund 300 Arbeitsplätze betroffen. Die bevorstehenden Gespräche mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und der Arbeitsagentur werden zeigen, in welcher Form wir den Stellenabbau umsetzen werden.“

„Lady Moura“ ist gerade zurück an ihrem Hamburger Bauplatz
© Marc Paris
„Lady Moura“ ist gerade zurück an ihrem Hamburger Bauplatz

In einer Bestandsaufnahme kritisierte Dr. Klaus Borgschulte, Managing Director Operations bei Lürssen: „Lürssen hat Blohm+Voss übernommen, weil wir von dem Standort und seinem Potenzial überzeugt sind. Unsere mehrwöchige Analyse zeigt allerdings, dass dringend erforderliche Investitionen in den letzten Jahren ausgeblieben sind, Konstruktions- und Fertigungsprozesse nicht ausreichend modernisiert und die Kostenstrukturen nicht den realen Bedingungen angepasst wurden." Borgschulte kennt die Hamburger Werft übrigens aus erster Hand. Als Blohm+Voss noch zum ThyssenKrupp-Konzern gehörte, war er  – von 2005 bis 2007 – CEO der ThyssenKrupp Marine Systems AG. Er trat damals von seinem Amt zurück, weil es zwischen ihm und dem Konzern unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung der Werft gab.

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