Ohne Widerstand zum Sieg Ohne Widerstand zum Sieg Ohne Widerstand zum Sieg

Ohne Widerstand zum Sieg

  • Martin Hager
 • Publiziert vor 5 Jahren

Vitters realisierte für „Unfurled“ ein Antriebssystem aus hydraulisch versenk- und drehbaren Strahlrudern.

„Unfurled" © S. Pearce

Die Supermaxi-Szene wird – das ist keine Neuigkeit – immer kompetitiver. Eigner, die sich ihre Yachten für Regattakurse optimieren lassen, wollen gewinnen. Dafür werden die segelnden Großformate schon während der Konstruktionsphase eingehend untersucht. Mittels Schlepptankversuchen und komplexen Geschwindigkeitsprognose-Programmen prüfen Ingenieure und Hydrodynamik-Spezialisten alle Para­meter, die Einfluss auf die Geschwindigkeit haben, und filtern so die Kombinatio­nen mit dem größten Speed-Potenzial heraus. Besonders durch die Reduktion des Rumpfwiderstands lässt sich viel Per­formance gewinnen. Je weniger Anhänge (Ruderblätter, Kielfinne, Kielbombe, Propellerwelle, Propeller) eine Yacht hat, umso schneller segelt sie. Was mit der Einführung von Faltpropellern, die sich unter Segeln hydrodynamisch güns­tig nach hinten klappen, begann, wird heute mit komplett versenkbaren Antriebssträngen auf die Spitze getrieben.

Kein Anhang, kein Widerstand: Um 90 Grad drehbare Strahlruder dienen auf der 46-Meter-"Unfurled" als Hauptantrieb und verschwinden unter Segeln im Rumpf.

"Unfurled"-Antrieb: 40 Sekunden dauert es, bis die Thruster aus dem Rumpf gefahren sind. Klappen verschließen die Öffnungen. 


Für den sehr regatta- und segelerfahrenen Eigner des 46 Meter langen Germán-Frers-Designs "Unfurled" entwickelte die Werft Vitters gemeinsam mit den niederländischen Thruster-Experten von Hydrosta ein Antriebssystem bestehend aus zwei hydraulisch im Rumpf versenkbaren Strahlrudern, die sich ausgefahren um je 90 Grad nach außen drehen lassen. Dadurch ersetzen sie während der Hafenmanöver ein konventionelles Heckstrahlruder. Zwei Scania-Diesel mit je 368 Kilowatt geben ihre Leistung über ZF500-Getriebe an die zwei Zugpropeller mit 1050 Millimeter Durchmesser weiter und garantieren "Unfurled" unter Motor einen Topspeed von 14 Knoten. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei effizienten zwölf Knoten.


Per Knopfdruck schwingen die Thrus­ter laut der Hydrosta-Ingenieure bis zu einer Geschwindigkeit von zehn Knoten aus dem Rumpf heraus und bei Bedarf wieder zurück. Segelt "Unfurled" schneller, bleiben die Propeller ausgefahren. Eine Klappe verschließt die Öffnung, aus der sich die Antriebseinheiten absenken, bündig mit dem Rumpf. Dass die 255 Tonnen leichte "Unfurled" schnell segeln kann, bewies sie schon bei ihrem Regatta-Debüt während des St. Barth Bucket. Dort feierte das Frers-Design mit Oliver-Stirling-Interior einen fulminanten Racing-Einstand und gewann die Klasse "Les Gazelles des Mers" sowie die Gesamtwertung.


Wie viel Einfluss das versenkte Antriebs­system an dieser Leistung hat, lässt sich kaum sagen. Der Eigner ist jedenfalls mit seiner neuen Yacht und dem Regattaerfolg zufrieden. Das und der Spaß auf dem Weg zum Sieg sind schließlich das, was zählt …

Themen: AntriebStrahlruderUnfurledVitters


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