IT-Unternehmer rettet Oyster Yachts

21.03.2018 Martin Hager - Richard Hadida, Gründer und Kreativ-Direktor einer Gaming-Software-Firma, hat nach Informationen des BOOTE EXCLUSIV-Schwestermagazins YACHT die insolvente Oyster-Gruppe gekauft.

Oyster 885 KARIBU.
© oyster
Oyster 885 KARIBU.

So plötzlich und unerwartet Anfang Februar die Zahlungsunfähigkeit der britischen Werft gekommen war, so überraschend kam jetzt die Nachricht von der schnellen Rettung. Wie der ehemalige Oyster-Chef David Tydeman bestätigte, hat der Software-Unternehmer Richard Hadida den Betrieb übernommen. Damit scheint die Existenz der renommierten Werft gesichert.

"Ich bin sicher, Richard wird die nächste Phase (der Firmenentwicklung, die Red.) mit Enthusiasmus und Sorgfalt begleiten", so Tydeman. "Wir übergeben ihm eine großartige Linie von sieben neuen Modellen, eine stimmigere und globalere Ausrichtung der Marke." Oyster sei der "Explorer des Yachtsports".

Richard Hadida, der neue Gesellschafter von Oyster an Bord der 885 "Lush".
© privat
Richard Hadida, der neue Gesellschafter von Oyster an Bord der 885 "Lush".

Der neue Investor betonte gegenüber der britischen Tageszeitung "The Telegraph", dass er sich langfristig bei der Werft engagieren will: "Das ist nicht bloß ein Hobby." Er verglich Oyster mit dem Automobilbauer Bentley, ebenfalls eine exklusive britische Marke: "Ich finde, wir müssen sie retten und langfristig wieder aufbauen." Er betonte aber zugleich, dass "harte und schnelle Entscheidungen" getroffen werden müssten.

Richard Hadida besitzt selbst keine Erfahrung in der Yachtbranche. Er hat sein Vermögen als Gründer und Vordenker der Software-Firma "Evolution Gaming" gemacht. Der IT-Betrieb mit Sitz in Stockholm betreibt unter anderem virtuelle Casinos; voriges Jahr erzielte er bei einem Gesamtumsatz von knapp 180 Millionen Euro einen Gewinn von 62 Millionen, fast das Doppelte des 2016er-Ergebnisses.

Gegenüber dem englischen Segelmagazin "Yachting Monthly" sagte Hadida, er habe Oyster aus privaten Mitteln finanziert. Er plane nicht, die Werft umzukrempeln und gleich wieder zu verkaufen. "Ich bin eingestiegen, um zu bleiben. Es wird ein Geschäft auf Lebenszeit."

Für den nötigen Turnaround hat sich der Gaming-Experte bereits fähige Führungskräfte gesucht, unter anderem Kim Stubbs, den erfolgreichen Sanierer des Motorboot-Herstellers Sunseeker, und Oyster-Urgestein Paul Adamson.

Hadida, der selbst kein eigenes Boot besitzt, aber öfter als Gast an Bord von Formel-1-Manager Eddie Jordans Oyster 885 "Lush" mitsegelt, will nach eigenen Angaben den gesamten Produktionsprozess überdenken. Und auch das Modellangebot soll erweitert werden – nach unten.

Der neue Wertchef sieht auch einen Markt diesseits von 47 Fuß. Nachdem Oyster lange Zeit nach oben expandiert hatte, mag das ebenso überraschend anmuten, wie die schnelle Rettung der Marke. Tatsächlich aber könnte darin ein Teil der Zukunftssicherung des Unternehmens liegen.    

(jr)

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