German Superyacht Conference 2020

08.04.2020 Sören Gehlhaus - Broker, Kunsthistorikerin, Spa-Experte, Interiordesigner, Crewagentin und Salesdirector – nie war das Sprecher-Spektrum bei der German Superyacht Conference breiter.

German Superyacht Conference 2020
© Carolin Thiersch
German Superyacht Conference 2020

Bereits früh am Morgen durchdrang strahlendes Sonnenlicht die Glaskuppel des Hotel Hafen Hamburg. Die neunte Auflage der German Superyacht Conference (GSC) bot nicht nur ein Kontrastprogramm zum wochenlangen Regenwetter, das ein Großteil der knapp 150 aus Nordeuropa angereisten Teilnehmer zwei Wochen lang erlebten. Zunächst ging Moderator Michael Antwerpes in seiner Begrüßung auch auf das Coronavirus ein, das Ende Februar gefühlt noch in weiter Entfernung lag. Doch schon zwei Wochen später hätten wir die Veranstaltung wohl absagen – oder per Video streamen – müssen. Einen Monat vor GSC-Start erreichte uns eine Absage von Philippe Briand, für den Guillaume Rolland einsprang. 

Aus London reiste Burgess-CEO Jona­than Beckett an, der sich mit seinem Spitznamen "Joff" vorstellte und mit ebenso persönlichen Einblicken in seine Karriere fortfuhr. Als Beckett zu Donald Trump und dem damaligen Rekordverkauf seiner "Nabila" ("Kingdom 5KR") ein Videofundstück zeigte, lachte der ganze Saal. Er gab delikate Wünsche seiner Charterkunden und selbst aktuelle Deals preis wie den der bei Blohm+Voss im Refit liegenden "Jubilee". Der 62-jährige Brite beleuchtete auch den Segelyachtmarkt: "Der war tot für einige Zeit, seit 2018 hat ein Wiederaufleben eingesetzt." Und sagte zu Explorern: "Wir verkauften zwei Yachten an Larry Page und Sergey Brin von Google. Sergey schwebt eine Yacht vor, die schnell und stabil über den Atlantik fliegt – mit Wohnbereichen unter Wasser. Er glaubt fest daran." Abschließend beantwortete Beckett die selbst gestellten Fragen nach einer 200-Meter- und einer Eine-Milliarde-Yacht beinahe beiläufig mit jeweils "auf jeden Fall, schon bald".

Pandora Mather-Lees (Seite 66) referierte über den adäquaten Umgang mit Kunst an Bord. Die in Oxford ausgebildete Kunsthistorikerin, die Eigner berät und Crews schult, stellte klar: "Kunst gehört auf Yachten, nur muss man sich auch darum kümmern." Gefahren lauerten in Licht- oder Sprinkleranlagen, vor allem aber in Menschen. Ein Picasso sei dem Knie eines Ersten Offiziers zum Opfer gefallen. Im Zweifel lagern Gemälde im Safe und gehängt werden Replikas, seit Neuestem aus dem 3-D-Drucker. Vom Verstecken berichtete auch Matthias Voit von Dornbracht in seinem Vortrag "Wellness an Bord". Ein Spa-Trend an Land bewerte Armaturen wie die von Dornbracht anstelle von Optik nach Funktion. Es gehe vermehrt um "Heilung – körperliche, seelische und geistige. Der Begriff Heilung wird Wellness ersetzen." Ein Yacht-Spa, das den Fokus auf den Gesundheitsaspekt und "wirklichen Bezug zum Wasser" legt, entwickelte Voit mit dem Designer Gregory C. Marshall. Das Ergebnis: Das Wellness-Areal beansprucht den gesamten Beachclub. Ein effizienteres Raumdenken propagierte Interiordesigner Guillaume Rolland, der für das Pariser Studio Liaigre Yachtprojekte betreut. Sein Credo: "Der Platz ist limitiert, große Anwesen funktionieren nicht." Stattdessen orientiert sich Rolland, der segelnd in der Bretagne aufwuchs, an kleinen Segelbooten und wie diese unter Deck jede Nische nutzen. Der Innenarchitekt zeigte "clevere Ideen" auf Superseglern, aber auch auf Motor­yachten, wo der Raumeffizienz und Gemütlichkeit halber ein Kojenbett steht oder die Dusche aus Platzgründen ein Vorhang abtrennt. Laurence Lewis von YPI Crew aus Antibes beschäftigte sich damit, wie Nautik-, Technik- oder Servicepersonal den Weg an Bord findet. Lewis erläuterte, wie ihre Agentinnen Bewerbungsgespräche führen und in Zukunft auf Künstliche Intelligenz setzen. 

Das Finale bestritt Michael Breman, der in Entertainer-Manier durch die Gänge schritt und Statements zur zentralen These seines Vortrags einholte: "Size Matters". Wie um eine Entscheidung herbeizuführen, riss sich Lürssens Salesdirector das Hemd vom Körper und legte ein beidseitig bedrucktes Shirt frei, auf dessen Rückseite "The Right Size" zu lesen war. Breman verriet, dass das derzeit kleinste Projekt 54 und das größte 150 Meter lang und zudem ein Brennstoffzellen-Teststand im Bau sei. Letztlich postulierte der Niederländer: "Es geht nicht darum, was man kauft – sofern es ein Boot ist und man Spaß daran hat."

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