Baltics grüner Café Racer

  • Sören Gehlhaus
 • Publiziert vor einem Jahr

Das mit Bugspriet 22,66 Meter lange Javier Jaudenes-Design will unkomplizierten Segelspaß und nachhaltigen Yachtbau vereinen. Beim Bau setzte Baltic Yachts auch auf Flachs.

Schwimmt und erstaunt: Den Javier Jaudenes-Riss prägen der negative Steven und die markanten Rumpfkanten. Der Rumpf besteht zu 50 Prozent aus Flachsfasern, das Korkdeck ist schier.

Die finnische Werft laminierte sowohl die Formen für Rumpf und Deck als auch den Rumpf an sich jeweils zu etwa 50 Prozent mit Flachs-Gewebematten. Den Naturfaserverbundwerkstoff, aus dem in Deutschland bereits zu großen Teilen ein Daysailer entstand, lieferte das Schweizer Unternehmern Bcomp. Als zusätzliches Baumaterial nutzten die finnischen Yachtbauer Prepreg-Karbon, wodurch der Café Racer auf eine Verdrängung von 22,8 Tonnen kommt. Nicht nur die Formen – bei ihnen ist es wortwörtlich zu nehmen – zeigen sich grün. Den Aufbau zieren Solarzellen, die ausreichend Strom für den Betrieb der Bordsysteme einschließlich der Kühlung liefern sollen. Das Deck besteht aus nachhaltig angebautem Kork.

Eigenwillig: Mit Bugspriet ist die Baltic 68 Café Racer 22,66 Meter lang. Der platte Bug soll den Café Racer schneller ins Gleiten bringen.

Als Flautenschieber dient ein 15 Kilowatt starker E-Motor von Oceanvolt, der unter Segeln und bei Rekuperation über den Propeller als Generator agiert. Mithilfe eines Reichweitenverlängerers in Form einer Mikroturbine – zu betreiben mit Biokraftstoff oder Wasserstoff – sollen Verbrennungsmotoren obsolet werden. Baltic will eine Café Racer-Klasse etablieren, was die Hoffnung auf One-Design-Regatten nährt. Dazu sagte Baltic-Vizepräsident Henry Hawkins: „Wir sind zuversichtlich, dass der Baltic 68 Café Racer potenziellen Eignern ein modernes, attraktives Paket bietet. Wir untersuchen auch die Möglichkeit eines ,grünen’ Rating-Vorteils, um die Verwendung nachhaltiger Materialien im Yachtbau zu fördern.“

Mit Flachs: Die Fomen für Rumpf und Deck entstanden zu etwa 50 Prozent aus dem Naturfaserverbundwerkstoff. Der Rest aus Karbonfasern.

Moderne Rigg- und Segeltechnik sollen das Segeln einfacher machen. Dank breiter, stark gepfeilter Salinge kann auf Achterstag und Backstagen verzichtet werden, ein vier Meter langer Festkiel verspricht geringen Wartungsaufwand und verbraucht im Betrieb keine Energie. Design sowie Rumpf- und Riggberechnungen der 5,63 Meter breiten Slup verantwortete Javier Jaudenes („WinWin“). Der mallorquinische Konstrukteur beschreibt die Vorteile: „Dies ist eine Yacht für Eigner und ihre Freunde, die aufregend, einfach und angenehm segeln wollen. Es ist ein moderner Weekender mit einem wirklich ,grünen’ Ansatz.“

Schnell und simpel: Die Baltic 68 Café Racer segelt achter- und backstaglos.

Das Interior bietet zwei Doppelkabinen, eine geräumige im Bug und ein kleine achtern des Salons. Der Eigner von Baunummer eins entschied sich für eine Ausgestaltung von Design Unlimited mit Anspielungen an die frisierten Motorräder englischer Jugendlicher der 1960er Jahre, den sogenannten Café Racern. Alternativ unterbreitet Baltic einen Interior-Vorschlag von Javier Jaudenes und dem deutschen Hermès-Designer Jens Paulus. Der erste Café Racer von Baltic Yachts soll auf Mittelmeer-Messen präsentieren werden, Regatta-Teilnahmen sind ebenfalls geplant.

Thematisches Interior: Für Baunummer eins entwickelte Design Unlimited eine Atmosphäre, die an die Café Racer-Kultur der 1960er Jahre erinnert.

Alternativ: Der Interior-Vorschlag von Javier Jaudenes und dem Hermès-Designer Jens Paulus zeigt sich zurückgenommener und setzt noch stärker auf Flachs.

Themen: BalticBaltic YachtsDesign UnlimitedJavier Jaudenes


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