Auf Männertour

10.02.2017 Martin Hager - Den Kühlschrank voller Drinks, an Bord die besten Kumpels und auf der Flybridge das eigene Motorrad. Der Eigner der ersten Princess 30M „Kohuba“ weiß genau, wie er am liebsten reist.

Princess „Kohuba"
© Princess Yachts
Princess „Kohuba"

BOOTE EXCLUSIV-Lesern, die Anfang des Jahres durch die Halle 6 der boot Düsseldorf gewandert sind, dürfte "Kohuba" bekannt vorkommen. Die zum weltweit größten Luxusmarken-Konglomerat LVMH gehörende britische Werft Princess Yachts stellte mit dem maskulinen Halbgleiter nicht nur ihr jüngstes Großyachtmodell 30M in der Rhein-Metropole vor, sondern eben auch die größte Yacht der gesamten Messe. Das Medieninteresse war entsprechend riesig, und natürlich nahmen auch wir "Kohuba" in der trockenen Messeluft genau unter die Lupe, wohl wissend aller­dings, dass uns die Werft zeitnah zu einer exklusiven Probefahrt unter medi­terraner Sonne einladen würde, damit wir uns als führendes deutsches Superyacht­magazin ein detailliertes Bild von der Neuheit machen können. Schließlich soll die Yacht, die zu einem Startpreis von
6,8 Millionen Euro die Hallen in Plymouth verlässt, sich vor allen Dingen unter Fahrt bewähren, Spaß machen und den ultimativen Komfort bieten.
Die Princess 30M ist das kleinste Modell der Semi-Custom-Linie, die aus dem Flaggschiff 40M und der letztes Jahr in den Markt eingeführten 35M (Heft 1/16) besteht. "Mit der 30M ersetzen wir unser Modell 32M, von dem wir acht Einheiten ausgeliefert haben", erklärt der für die M-Class-Einheiten verantwortliche Verkaufsleiter George Edwards. "Die beiden Yachten unterscheiden sich aller­dings durch weit mehr als bloß die Länge." So bekam die 30M einen komplett neu entwickelten Rumpf, ein klares Layout und eine größere Tendergarage.
Das seit Jahren eng mit der Werft verbundene Designbüro Olesinski entwarf mithilfe von Strömungsanalyse-Programmen und Tanktests einen Rumpf, der im Vergleich zur Vorgängerin deutlich früher angleiten und bei höheren Geschwindigkeiten effizienter fahren soll."Die 30M hat sehr ausgewogene Linien, die sich für effiziente Langfahrten eignen, ohne jedoch den Topspeed oder Fahrkomfort zu beeinträchtigen", so der Chef des englischen Designbüros, Justin Olesinski. Wie sich das auf dem Wasser anfühlt, davon durften wir uns schließlich vor Mallorca bei einer Probefahrt überzeugen. Sehr zu unserer Freude hatte sich der skandinavische "Kohuba"-Eigner für die kräftigste der drei verfügbaren Motorenoptionen entschieden.
Die zwei MTU-Aggregate mit zusammen 3930 Kilowatt Leistung laufen bereits, als wir in der traumhaft gelegenen Cala d’Egos im Westen der Baleareninsel an Bord des 98-Tonners steigen. Offensichtlich hat auch Kapitän Éric Boulud Lust, uns zu zeigen, wie viel Power seine elegante Arbeitsplattform besitzt. Vom pittoresken Ankerplatz geht es Richtung der unbewohnten Felsinsel Sa Dragonera. Schnell wird klar: Eric ist heute auf hohe Geschwindigkeiten aus. Zügig werden die Kommandogeber nach vorn gedrückt, und kontinuierlich steigt die Drehzahl auf 2450 1/min. Bei 26,1 Knoten pendelt sich die digitale Logge ein, und wir gleiten entlang der Südküs­te Mallorcas. Einzig der Blick auf den Treibstoffverbrauch lässt den Fahrgast kurz zusammenzucken. 1000 Liter Diesel verbrennen beide Motoren gemeinsam bei dieser Geschwindigkeit – pro Stunde! Für einen kurzen, spaßigen Sprint ist das ein akzeptabler und auch bei der Konkurrenz üblicher Wert, doch mit Nachhaltigkeit und Effizienz hat dieser Fahrmodus wenig gemein. "Mit Chartergästen an Bord fahren wir meist mit einer Geschwindigkeit um die zehn Knoten", sagt Eric. "Dann verbrauchen beide Motoren nur 110 Liter in der Stunde." Die 12 200 Liter Diesel in den Tanks reichen so für 1100 Seemeilen, eine Reichweite, mit der man bequem einige mediterrane Yachting-Hotspots abdecken kann.

Princess „Kohuba"
© Princess Yachts
Princess „Kohuba"


Natürlich zählt an Bord solch kernig motorisierter Halbgleiter nicht nur die reine Performance, sondern selbstverständlich auch der mitgelieferte Komfort. Und dieser wird nicht nur definiert durch das installierte Entertainment-Paket, die Qualität des Innenausbaus oder die Größe
der Kabinen, sondern hauptsächlich durch etwas, das man nicht sieht: Ruhe! Wie für Princess-Formate üblich, überzeugt die verbaute Schallisolierung in allen vier Gästekabinen und natürlich auch in der vorn auf dem Hauptdeck untergebrachten Mas­tersuite. Selbst bei der maximalen Drehzahl fühlt man sich in den Betten geborgen und könnte die Fahrt zurück zum Port Adriano bequem für eine ausgedehnte Siesta nutzen. Doch dafür gibt es im Interior noch zu viel zu sehen. Die Eignersuite verdient als Top-Spot an Bord eine Extraerwähnung: Sie überzeugt mit großzügigen Abmessungen, einem im Bug untergebrachten Badezimmer und vor allen Dingen mit den riesigen Skylights über dem Bett und großformatigen Seitenfenstern. So luftig, frisch und warm müssen exklusive Eignerbereiche aussehen. Dank der Erfahrung mit seiner vorherigen Princess, einer 72 Fly, legte der skandinavische Eigner zudem Wert auf die bettnahe Installation einer kompakten Bar inklusive Kühlschrank – keine weiten Wege mehr bis zum selbst gemixten Gin Tonic unter Sternen.

Princess „Kohuba"
© Princess Yachts
Princess „Kohuba"


Das gesamte Interior und Styling entstand, wie bei Princess üblich, auf den Rechnern des werfteigenen Designstudios und komplett nach Kundenwunsch. "Der Begriff Semi Custom bezieht sich bei unseren Großyachtmodellen in ers­ter Linie auf die Auswahl an Motor- und Layout-Optionen. Das Dekor und Styling erarbeiten wir immer detailliert und gemeinsam mit den Eignern", erzählt George Edwards.
Großen Wert legte der "Kohuba"-Eigner – wie schon in Düsseldorf zu sehen war – auf einen VIP-Stellplatz für sein "Viking"-Custombike. Schon in den Messehallen zog das in einem speziell gefertigten Glaskasten auf der Flybridge ausgestellte Motorrad alle Blicke auf sich. "Der Eigner wollte einen sicheren und salzwassergeschützten Parkplatz für seinen maskulinen Straßencruiser und ihn in mediterranen Marinas zudem als Showobjekt präsentieren", so Kapitän Boulud. Die Werft bekam den Design- und Bauauftrag für den robusten Stahl-Glas-Kasten, der mittels Opacmare-Kran auf das Dock gehievt werden kann. Dort fährt die "Viking" heraus, und die Motorrad-Vitrine verwandelt sich mit wenigen Handgriffen in eine Steg-Bar.
Wer "Kohuba" chartert, hat die Wahl zwischen Power-Bike (das auch gefahren werden darf) mit Bar oder der im
Sommer etwas kühleren Toy-Variante Jetski. Die Flybridge wird je nach Gästewunsch beladen.
 

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