Ein Rigg zum Aufblasen

27.11.2017 Martin Hager - Das Inflated Wing Sail könnte bald den Segelsport revolutionieren. Am Genfer See kreuzt der Prototyp.

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Auf Knopfdruck füllen sich die Luftkammern des Inflated Wing Sails, kurz IWS, und das Rigg wächst wie von Zauberhand 13 Meter hoch aus dem "Nest" genannten Baum des um 360 Grad drehbar gelagerten Flügelmasts.
Sind alle fünf Luftkammern dieses "Aero-Riggs" gefüllt, sorgen 42 Quadratmeter symmetrisches NACA-Segelprofil für Vortrieb der IWS-Prototypen-Yacht, einem Format aus der internationalen 5.5-Meter-Klasse. "Wer weniger Segelfläche braucht, bläst nur drei oder vier Luftkammern auf", sagt der Schweizer Unternehmer und Segelmacher Edouard Kessi, der gemeinsam mit Gleitschirmpionier Laurent de Kalbermatten die Entwicklung des innovativen Systems initiierte. Leichter war reffen noch nie! Unterstützt werden die beiden Tüftler von Aerodynamik-Profi Stéphane Fauvet, der viele Jahre als Segelentwickler bei North und Incidence Sails arbeitete. "Unser Konzept basiert auf der Funktionsweise von Paraglidern, bei denen Luftkammern ein festes Profil bilden und so für Auftrieb sorgen. Der Unterschied beim IWS besteht darin, dass unser Profil beidseitig identisch geformt ist und vertikal angeströmt wird", erläutert Ingenieur Fauvet. Mit Luft befüllt wird das IWS per Knopfdruck und über Ventilatoren, die an der Vorderkante des Profils sitzen. Der Druck im Segel muss permanent bei 1,5 Gramm pro Quadratzentimeter (0,0015 bar) liegen, damit die Profilmembran über die gesamte Höhe stabil steht und eine Anströmung entstehen kann, die für Vortrieb sorgt. Den Twist des Segels kontrolliert der Trimmer über den Luftdruck im Profil, Stampfbewegungen schluckt das System eindrucksvoll. Der symmetrische NACA-Profilaufbau des Flügels hat laut Entwickler zudem den Vorteil, dass der Segeldruckpunkt direkt im aerodynamischen Zentrum des Profis liegt, was bedeutet, dass der frei stehende und um 360 Grad drehbare Flügel nicht aktiv getrimmt werden muss. Über eine Großschot lässt sich der Anstellwinkel des Flügels zum Wind verändern. Ansonsten kommt das IWS ganz ohne Winschen, Fallen oder komplexes Decksequipment aus. Kein flatterndes Segellaminat, keine dynamischen Lasten. Damit scheint das inno­vative Konzept wie geschaffen für den Einsatz auf segelnden Superyachten, die seit jeher auf möglichst automatisierte und sichere Rigg-Lösungen setzen.

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